Vortrag : Auf der Hut vor Betrügern

Seniortrainer Johannes Schaer.
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Seniortrainer Johannes Schaer.

Sicherheitsberater für Senioren erklärt Senioren, wie sie sich vor dem sogenannten Enkel-Trick schützen können.

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02. Februar 2018, 10:43 Uhr

Neukirchen | Sind die Menschen und da vor allen Dingen die Senioren in den eigenen vier Wänden sicher? Auf diese Frage gab es Antworten von Johannes Schaer, einem durch die Landespolizei ausgebildeten Sicherheitsberater für Senioren, bei einer gemeinsamen Veranstaltung der drei Ortsverbände Wiedingharde-West, Neukirchen und Aventoft im Sozialverband Deutschland (SoVD). Unter der Überschrift „Enkeltrick und andere Maschen“ gab er dazu im Landgasthof Fegetasch in Neukirchen vor knapp 70 Mitgliedern zahlreiche Tipps und Hinweise, um die typischen Maschen der Täterinnen und Täter als solche zu erkennen und nicht darauf hereinzufallen. „Ich möchte Sie stärken, dass Sie künftig besser gewappnet sind,“ sagte er.

Es bestimmte Lebensbereiche und Situationen, auch in Nordfriesland, in denen gerade die Älteren im Visier von Kriminellen sind. Geld und Wertgegenstände sind bei ihnen verhältnismäßig häufiger in Gefahr als bei Jüngeren. Ablenkung und Täuschung spielen dabei eine große Rolle und oft ist das eigene Zuhause der Tatort.

Ob an der Haustür, am Telefon oder im Internet, überall gibt es verbotene Machenschaften, wie täuschen, lügen oder tricksen. Zur Erkennung der Täter erläuterte der Experte Warnsignale an der Haustür, wenn angebliche Handwerker oder Behördenmitarbeiter ohne Ankündigung erscheinen, Geschäfte und Waren ohne Anfrage angeboten werden oder wenn man von Fremden dort um Hilfe gebeten wird, ohne erkennbaren Grund, warum diese gerade hier fragen. Warnsignale bei Geschäftsangeboten sind, etwas zu bekommen, ohne selbst viel investieren zu müssen, wenn auf Barzahlung bestanden oder ermahnt wird, niemanden etwas von dem „tollen Angebot“ zu erzählen. „Es ist das gute Recht Nein sagen zu können!“ rief Johannes Schaer aus. Deshalb sein dringender Appell: „Lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung, der Ihnen aufdringlich oder merkwürdig erscheint! Sagen Sie Tschüss zu der Person. Bitten Sie einen Nachbarn um Hilfe, und lässt sich die Person nicht abwimmeln, benachrichtigen Sie die Polizei ( Telefon 110).“

Warnsignale am Telefon sind, wenn der Anrufer kurzfristig Hilfe in Form von Bargeld benötigt. Meistens beginnt er mit dem „Ratespiel“ „Rate mal wer hier ist?“ und bei der Nennung eines Namens, beispielsweise eines lange nicht mehr gesehenen oder gesprochenen Enkels, ist dem Täter schon die Gesprächstür geöffnet. Deshalb sich nie am Telefon ausfragen lassen und bei dem Verwandten umgehend zurück rufen.

Erhöhte Vorsicht ist auch geboten, wenn man angeblich etwas gewonnen hat, ohne überhaupt an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben und dazu auch noch eine „Vorleistung“ erwartet wird. Deshalb gar nicht reagieren, wenn man an keinem Preisausschreiben teilgenommen hat und vor allen Dingen niemals eine Vorauszahlung leisten. Besonders bei einer Reise als angeblichen „Gewinn“ sollte man sehr vorsichtig sein und unbedingt auf die Bedingungen achten.

In Kurzform gab Johannes Schaer noch weitere allgemeine Tipps im öffentlichen Bereich: Nur so viel Bargeld mitnehmen, wie tatsächlich benötigt wird. Geld möglichst nah am Körper und nicht in einer Tasche oder Umhängetasche tragen. Diese Taschen stets verschlossen halten und unter dem Arm oder auf der Körpervorderseite tragen.

Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn jemand auf der Straße bittet, Geld zu wechseln. Wichtig zur Täterabschreckung ist auch eine gute Nachbarschaftshilfe, so der Experte. Deshalb gerade fremde oder verdächtige Personen ruhig ansprechen und stets das Auto-Kennzeichen oder die Personen-Beschreibung notieren. Und wenn doch etwas passiert ist, sofort Anzeige erstatten und die Tat nicht schamvoll für sich behalten.

Dazu ganz schnell alles tun, um möglichen weiteren Schaden zu verhindern, wie beispielsweise die sofortige Sperrung der Kreditkarten (Telefon 116116). Johannes Schaer wies auch auf den „Weissen Ring“ hin, der sich um die Opfer von Kriminalität kümmert. Als Fazit des Abends ermunterte Johannes Schaer nochmals seine Zuhörer: „Senioren im Norden sind clever und nicht naiv. Trickbetrüger können uns mal, denn wir durchschauen die Tricks und sagen selbstbewusst Nein und Tschüss!“

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