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Neuaufnahmen aus Syrien : Auf der Flucht vor dem Chaos

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Derzeit leben neun Gäste aus Syrien in der DRK-Gemeinschaftsunterkunft Niebüll.

Die UN schätzt die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf derzeit zwei Millionen, heißt es in den Medien. Doch ihre wirkliche Zahl scheint weitaus größer zu sein. Menschen, die wegen Bürgerkrieg, Verfolgung und chaotischer Zustände daheim ihre Heimat verlassen mussten, sind zeitweilig auch in der DRK-Gemeinschaftsunterkunft Niebüll zu Gast, der einzigen Einrichtung im Kreis für Asylbewerber.

Träger der Unterkunft ist das Deutsche Rote Kreuz im Auftrage des Kreises Nordfriesland. Ihr werden die dem Kreis Nordfriesland zugeteilten Asylanten zugewiesen und von dort nach kurzer (zuweilen auch längerer) Verweildauer nach einer Art Quotenregelung an die Gemeinden weitergeleitet. „Mich wundert, dass das bisher immer so gut gelaufen ist“, sagt Peter Martensen, der beim Kreis Nordfriesland zuständige Migrationssozialberater.

Der Asylbewerber-Strom ist in den vergangenen deutlich angestiegen. Waren es 2010 noch 63 neu hinzu gekommene Flüchtlinge, so stieg ihre Zahl in den drei folgenden Jahren auf 81, 113 und 213 und beläuft sich in diesem Jahr vorerst auf 380, die in den Gemeinschaftsunterkunft an der Gather Landstraße erwartet werden.

Die Niebüller Unterkunft kann 40 Personen aufnehmen. Bis vorgestern war die Unterkunft bis auf eine dreiköpfige serbische Familie so gut wie leer. Gestern sind 14 Asylbewerber hinzugekommen: Fünf aus Eritrea und eine neunköpfige Familie aus Syrien. Für den kommenden Montag sind weitere 13 Personen angekündigt worden, und zwar aus Afghanistan, Syrien und Albanien. „Dann werden wir 30 sein“, sagt Volker Schwerdt, der zurzeit Einrichtungsleiterin Birte Matthiesen in ihrem Urlaub vertritt.

Oft müsse die Unterkunft schnell reagieren. „In aller Eile aufnahmebereit zu sein, ist ein unbedingtes Muss“, erklärt Schwerdt. Es sei auch schon mal sehr stressig. Er bedauert, dass oft wenig Zeit bleibt, nähere Beziehungen und Kontakt zu den Menschen aufzubauen – „besonders, wenn sie nur ganz kurze Zeit unsere Gäste sind“. In der Regel seien sie alle erst einmal zufrieden, nach einem Leben in Angst und Schrecken in Sicherheit zu sein. „Wir tun, was möglich ist. Aber leider ist unsere Unterkunft auch kein Hotel Hilton.“

Beim gestrigen Empfang der Syrer halfen deren Landsmann Salim Homi und der Tschetschene Shamil Azhiev, der fünf Sprachen spricht, als Dolmetscher. Beide leben seit einiger Zeit in Deutschland und sind sprachlich erstaunlich schnell „heimisch“ geworden.

Die syrische Familie, angeführt von Vater Chalil (57), einem Bauunternehmer, landete per Schiff mit 250 anderen Flüchtlingen an Bord am 13. September auf Lamepdusa und gelangte danach mit der Bahn in die Bundesrepublik. Die sieben erwachsenen Familienmitglieder, darunter ein Zahn- und ein Allgemeinarzt und eine Kinderärztin, zahlten zusammen 14 000 Dollar für die Überfahrt. Die beiden zwei- und dreijährigen Kinder hatten freie Passage. Die Familie wird bis Monatsende in der Unterkunft bleiben und dann voraussichtlich nach Nordstrand weitergeleitet.

Peter Martensen: „Es wäre gut, wenn sich nicht nur in den zentralen Orten , sondern auch in kleineren Gemeinden Runde Tische um die Asylbewerber und asylrechtlich Geduldeten bilden würden.“ Womit er auf den humanitären Aspekt antippt. Er selbst hat kaum die Möglichkeit, sich um Einzelfälle zu kümmern. Mit der Aufgabe einer professionellen Beratung hat er alle Hände voll zu tun.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 07:00 Uhr

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