Auf den Spuren des Dichters

Pastor Matthias Corves gibt Erläuterungen zu den Bildern. Foto: kon
Pastor Matthias Corves gibt Erläuterungen zu den Bildern. Foto: kon

Porträts in der Süderlügumer Kirche erinnern an drei Vorfahren von Matthias Claudius, die als Pastoren Süderlügum wirkten

shz.de von
28. Juni 2013, 03:59 Uhr

Süderlügum | Der ehemalige Name der Schule deutete darauf hin. Der berühmte deutsche Dichter Matthias Claudius hat seine Wurzeln in Süderlügum. Drei Vorfahren wirkten als Pastoren in der Gemeinde. Die Schule wurde inzwischen in "Regionalschule Nord Wimmersbüll" umbenannt, sodass heute nur noch die ovalen, in Öl gemalten Porträts dieser Vorfahren und ihrer Frauen in der Marienkirche an die besondere Beziehung der Gemeinde zur Familie Claudius erinnern.

Matthias Claudius erblickte am 15. August 1740 im holsteinischen Reinfeld das Licht der Welt. 1771 zog er nach Wandsbeck und wurde dort Redakteur der Tageszeitung "Der Wandsbecker Bothe". Er gestaltete den "gelehrten Teil" der Zeitung. Am 21. Januar 1815 starb Matthias Claudius in Hamburg.

Die Vorfahren seines Vaters, des Reinfelder Pastors Matthias Claudius, waren in einem Zeitrahmen von fast 100 Jahren (zwischen 1623 und 1720) Pastoren in der um 1200 auf einem eiszeitlichen Sandhügel als Filialkirche der Nachbargemeinde Humptrup erbauten Marienkirche in Süderlügum. Über die mütterliche Familie war Claudius mit Theodor Storm und Johannes Brahms verwandt.

Die Porträts in der Süderlügumer Marienkirche zeigen Nikolaus Claudius, den 1656 in Süderlügum geborenen Großvater des Dichters, der von 1682 bis 1720 Pastor zu "Lügum" war, wie die Gemeinde seinerzeit hieß. Auch die Porträts seiner ersten Frau Catharina und der zweiten Frau Anna Margaretha, der Großmutter von Matthias Claudius, hängen an der Südwand des Kirchenschiffes.

Peter Claudius war von 1649 bis 1682 und Johannes Claudius (geboren 1601) von 1623 bis 1649 Pastor in Süderlügum. Ihre Frauen Anna und Gyde wurden ebenfalls in Öl porträtiert und legen Zeugnis ab vom Wirken ihrer Männer in der Dorfkirche. Wer der Maler war, ist nicht überliefert. Die sieben Bilder wurden 1985 restauriert.

"Seit wann die Porträts in unserer Kirche hängen, ist ebenfalls nicht bekannt", erklärte der amtierende Pastor Matthias Corves. "Es wird angenommen, dass der Nachname ursprünglich Clausen lautete, dann aber lateinisiert wurde", vermutet er. Der Ort hieß damals "Lügum" oder auf dänisch "Lögum", je nachdem unter welcher Hoheit sich der Ort in seiner wechselhaften Geschichte gerade befand.

Matthias Corves: "Viele Durchreisende besuchen heute unsere Kirche vor allem auch wegen der Bilder." Vor etwa drei Jahren sprachen zwei Herren aus Berlin bei Pastor Corves vor, die zur Familie Claudius gehörten. Sie erzählten, dass noch heute der Erstgeborene in einigen Claudius-Zweigen auf den Namen Matthias getauft wird.

Interessant ist auch, dass der ehemalige Bischof Dr. Hans-Christian Knuth zu den Nachfahren von Matthias Claudius gehört. Er hat vor einigen Jahren ebenfalls die Süderlügumer Marienkirche besucht, um sich die Portraits anzuschauen.

Die Kirchenbuchführung reicht zwar bis ins 17. Jahrhundert zurück, aber, so die ehemalige Süderlügumer Pastorin Svia Dennemark, "über die Familie Claudius steht nicht viel geschrieben." Enkel Matthias wird seine Großeltern Nikolaus und Anna Margaretha Claudius sicher im Grenzort besucht haben. Wann das der Fall war, weiß man aber nicht.

Eine Legende hält sich allerdings hartnäckig im nördlichen Nordfriesland, und zwar soll ein Cousin des Dichters Matthias Claudius Ende des 18. Jahrhunderts in Struxbüll zwei Frauen (Mutter und Tochter) aus Versehen erschossen haben. Wie es in der Legende heißt, soll er sie für Tiere gehalten haben.

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