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Nordfriesland Tageblatt

16. Dezember 2017 | 00:51 Uhr

Auf den Spuren der Flugkünstler

vom

Alljährlich nach der Brutzeit kontrollieren Experten im Langenberger Forst die EU-weit geschützten Fledermäuse

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Leck | Nicht viel größer als eine Zwei-Euro-Münze ist der kleine braune Kopf, der aus der Faust von Dr. Ute Seifert hervorlugt. Die Fledermaus-Schützerin hat ein ausgewachsenes Männchen der Mückenfledermaus in ihrer Hand. Im Rahmen der jährlichen Kontrollen der in der Region aufgehängten Fledermauskästen zeigt sie einer kleinen Gruppe von Interessierten im Langenberger Forst das winzige Säugetier.

Rund 15 Fledermausarten gibt es in Schleswig-Holstein, elf davon sind in Nordfriesland zu finden. Bei der aktuellen Kontrolle entdeckte Dr. Ute Seifert elf Arten im Langenberger Forst. Die Fledermaus sei mit 12 000 Arten das zweithäufigste Säugetier der Welt, erklärt die Expertin - sie kämen gleich nach den Nagetieren. Dennoch sei beunruhigend zu beobachten, dass der Bestand einiger Arten, wie beispielsweise der Breitflügelfledermaus, in Schleswig-Holstein massiv sinken würde. "Warum das so ist, hat bisher noch niemand herausgefunden", sagt Dr. Ute Seifert. In diesem Jahr habe es allerdings bei allen Arten aufgrund des regnerischen Junis Verluste bei den Jungtieren gegeben.

Mit dem Lebensraum und -Rhythmus der kleinen Luftsegler kennt sich die Expertin bestens aus. Durch die Echoortung haben Batmans Vorbilder den Nachthimmel erobert. Sie können sich ein 3-D-Hörbild ihrer Umgebung erstellen und somit nicht nur wissen, was um sie herum fliegt, sondern auch, ob es genießbar ist oder nicht. Was genau das ist, hängt von der Art ab: Manchen lieben Blütennektar, andere Obst, wieder andere stehen auf Fleisch, Fisch oder gar Frosch. Nur drei Arten tun das, wofür sie in Gruselgeschichten berüchtigt sind: Blut trinken. "Aber die sind nur in Süd- und Mittelamerika zu finden", fügt die Expertin zur Beruhigung an. Um sich bei der Nahrungssuche nicht in die Quere zu kommen, fliegen die Tiere zu unterschiedlichen Zeiten.

Der Jahresrhythmus ist hingegen gleich: Im März wird der Winterschlaf beendet. Trächtige Weibchen finden sich in Gruppen zusammen und sind den Sommer über damit beschäftigt, den Nachwuchs gemeinsam großzuziehen. Fledermäuse sind EU-weit geschützt und sollen nicht absichtlich gestört werden - dieses Gebot gilt umso strenger, wenn der Nachwuchs bei den Müttern ist - etwa im Juni und Juli. Ab August sind die Mütter nicht mehr störungsempfindlich, und die Fledermausexperten können die Lebensräume der Tiere aufsuchen und sich ein Bild davon machen, wie viel Nachwuchs die einzelnen Kolonien haben.

Da heute wenig natürlicher Lebensraum vorhanden ist, wird vielerorts mit Fledermauskästen nachgeholfen. Auch in Nordfriesland gibt es wenig natürlichen Lebensraum: "Die Wälder sind relativ jung und haben viel Nadelholz", erklärt die Expertin.

Natürliche Feinde hat die Fledermaus wenige: Zwar schnappt sich schon mal ein Falke oder eine Eule ein Tier, doch als ihr größter Feind ist der Mensch zu bezeichnen. Dabei ist nicht nur die Abholzung von Bäumen, die von Tierkolonien besiedelt sind, ein Problem. Vor allen die Windkraftanlagen kosten zahlreiche Fledermäuse das Leben.

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