Auf dem Weltmarkt angekommen

Marten Jessen dankt Dr. Karl-Heinrich Deerberg. Vorne:  Rainer Hamester und Sebastian Krupp. Foto: pep
Marten Jessen dankt Dr. Karl-Heinrich Deerberg. Vorne: Rainer Hamester und Sebastian Krupp. Foto: pep

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22. März 2011, 08:29 Uhr

Horstedt | Der Verein für Rinder-Spezialberatung (VRS) Nordfriesland hatte nach Horstedt in Carstens Gasthof zur Mitgliederversammlung eingeladen. Vorsitzender Marten Jessen freute sich über die rege Beteiligung, zumal Dr. Karl-Heinrich Deerberg von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein im Anschluss zum Thema "Wachstum in der Milchviehhaltung - worauf kommt es an?" referierte. Marten Jessen dankte noch einmal Franz Hansen, der nach 29 Jahren als Berater in den Ruhestand gegangen ist. Neu in der Geschäftsführung ist nunmehr Berater Sebastian Krupp tätig. Man hofft, mit dem jetzigen Berater-Stamm über die Runden zu kommen. Zur Unterstützung soll eine Bürokraft eingestellt werden.

Der Wandel mache sich auch im Verein bemerkbar, gab der Vorsitzende bekannt. So ging im Vergleich zum vergangenen Jahr die Zahl der Mitgliedsbetriebe zurück, was eine leichte Beitragsanpassung notwendig mache. Ein Dank richtete Marten Jensen an die Sponsoren, ohne die vieles im Verein nicht möglich wäre. Der Tagesordnungspunkt Wahlen wurden schnell abgehandelt. Einstimmige Wiederwahl hieß es für den 2. Vorsitzenden Rainer Hamester sowie die Vorstandsmitglieder Jens Riekenberg, Klaus Schmidt und Johann-Peter Christiansen.

"Ich gönne ihnen hohe Preise", wünschte Dr. Karl-Heinrich Deerberg von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zu Beginn seines Referats. "Doch vor zwei Jahren haben wir gesehen, wie es auch gehen kann. Wir sind auf dem Weltmarkt angekommen." Deerberg empfahl den Zuhörern, nicht auf Liquiditätspläne, ein gängiges Management-Dokument, zu verzichten. Aber bevor ein Betrieb groß werde, müsse er erst einmal gut sein - nicht umgekehrt. Ganz wichtig sei ein angepasster Viehbestand. Zur Frage, ob sich Wachstum bei 30 Cent pro Liter Milch rechne, konnte der Vertreter der Landwirtschaftskammer keine Empfehlung geben. "Das ist ein Tanz auf der Rasierklinge."

Bei der Frage der Finanzierung riet der Karl-Heinrich Deerberg die Züchter, auf mehr Flexibilität zu setzen. "Was aus Beton und Stein ist, muss eher langfristig, alles andere mit kürzerer Laufzeit angesetzt werden." Ruhig könne man ein Tilgungsaussetzung nutzen. "So wichtig wie eine solide und flexible Finanzierung ist die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen." Auch die Prüfung der Betriebsbereiche sei strategisch wichtig: Welche Zweige sind für den einzelnen Züchter rentabel? Nur, weil der Nachbar Biogas habe, müsse es sich nicht auch für den eigenen Betrieb rechnen, warnte Deerberg. "Zu beurteilen ist vor allen Dingen, wo die eigenen Stärken im Verbund und wo die Risiken liegen. Im Bezug auf die Größe des Tierbestandes kann sich der Landwirt auf die notwendigen Tiere in der Milchviehherde beschränken, Kälber verkaufen und Färsen zukaufen." Jungvieh-Bestand könnte etwa in Betrieben ausgelagert werden, die aufgegeben haben.

"Eine gute Mitarbeiterführung bedarf klarer Ziele und strukturierter Abläufe", gab der Redner zu bedenken. "Der Chef muss Talente erkennen, loslassen und delegieren können, Vertrauen und Respekt genießen." Konfliktfähigkeit sowie die Übernahme der Vorbildfunktion würden ebenfalls zählen. Karl-Heinrich Deerberg: "Es liegt also an jedem selbst, wie gut oder schlecht er aufgestellt ist."

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