Pilotprojekt : Auch Pferde können gute Therapeuten sein

Fit für ihren Einsatz:  die fertig ausgebildeten Fachkräfte  mit Mitgliedern der Prüfungskommission.
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Fit für ihren Einsatz: die fertig ausgebildeten Fachkräfte mit Mitgliedern der Prüfungskommission.

Erfolgreiches Pilotprojekt: Vier nordfriesische Fachkräfte für soziale Interaktionen mit Tieren (Schwerpunkt Pferd) haben nach einem Jahr Ausbildung ihre Prüfung bestanden. Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig.

shz.de von
28. November 2013, 13:54 Uhr

„Es passt“, sagt Sonja Dierks erleichtert. Die Friedrichstädterin hat gerade ihre Prüfung bestanden. Ein gutes Jahr haben sie und ihre Kolleginnen Svenja Stache (Risum- Lindholm), Gabi Doellinger ( Hattstedt) und Ira Wilczek (Bargum) auf diesen Tag hin gearbeitet. Jetzt ist jede von ihnen zertifizierte Fachkraft für soziale Interaktionen mit Tieren (Schwerpunkt: Pferd). Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine pädagogisch-therapeutische Arbeit.

Zuvor hatten die Teilnehmerinnen die Trainer-Assistenten-Weiterbildung im therapeutischen Reiten durchlaufen. Sie ist nicht zwingend der erste Schritt zur Fachkraft. Allerdings ergänzen sich beide Weiterbildungen, so dass die Frauen jetzt einen großen Schatz an Methoden mit Pferden in ihre Arbeit einbringen können – sowohl über das therapeutische Reiten als auch über das Coaching mit Pferden.

Bei dem aktuellen Fachkraft-Seminar handelt es sich um ein erfolgreich verlaufenes Pilot-Projekt, das im nächsten Jahr auf jeden Fall seine Fortführung findet. Träger ist die Volkshochschule Husum. Beginn war im September 2012 auf dem Gestüt Schlehenhof von Kirsten Wegner-Thomsen in Kolkerheide. Sie hat auch das Konzept entwickelt. Nancy Holst vom Homo-Vitalis-Institut mit Sitz in Elmshorn übernahm die Coaching-Woche: „Verschiedene Module müssen absolviert werden.“ Die Themen reichen von rechtlichen Grundlagen über Krisenmodelle und Hypnotechniken.

Beim praktischen Teil mit Kirsten Wegner-Thomsen standen unter anderem der Erstkontakt mit Pferden, unterschiedliche Führtechniken sowie das Einstellen auf mögliche Klienten auf dem Programm. Gastdozentinnen waren Jeanette Jordan (Thema Zirkuslektionen) und Hendrike Jensen (Entwicklungspsychologie). Nancy Holst: „Die Teilnehmerinnen müssen auch erkennen, wo ihre Grenzen liegen.“

Drei Monate hatten dann alle Zeit, einen Klienten zu coachen und dabei die neu erworbenen Kenntnisse anzuwenden und zu dokumentieren. Diese Facharbeit war dann Thema beim Abschlusskolloquium. Beurteilt wurden die Ergebnisse von Elger Jochintke, Kirsten Wegner-Thomsen, Nancy Holst sowie Wiebke Wischendorf, Landesbeauftragte im Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten. Ausgestellt werden die Zertifikate vom neu gegründeten Dachverband für tierbegleitete Arbeit, Förderung & Fortbildung (dv-taff). Er ist im Oktober gegründet worden und hat seinen Sitz in Kolkerheide.

Wichtiges Verbandsziel ist die Netzwerkarbeit im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen und des öffentlichen Gesundheitswesens. Hilfsbedürftige erhalten durch speziell ausbildete Fachkräfte Unterstützung. Dabei stehen Tiere – Pferde, Hunde oder Kaninchen – im Vordergrund.

Die Einsatzgebiete der fertig ausgebildeten Fachkräfte sind vielfältig. Sie können therapeutisches Reiten sowohl in Einrichtungen, aber auch auf dem eigenen, auf einem Nachbarbetrieb oder in Reitvereinen anbieten – beispielsweise für Menschen mit Beeinträchtigungen. Kindern und jugendlichen Klienten werden durch die Kooperation mit Tieren in ihrer Motorik und Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

Ein Einsatzgebiet für das Coaching mit Pferden ist das Schulen von Führungskräften im Umgang mit Mitarbeitern. Nancy Holst: „Da merkt man schnell, ob ein Manager wirklich Führungsqualitäten hat.“ Gleiches gilt für Erzieher und andere Berufsgruppen. Es wird ebenfalls genutzt, um Frauen bei der beruflichen Neuorientierung oder Neuausrichtung zu unterstützen, Selbstsicherheit zu schaffen und beim Abbau von Ängsten zu helfen. Zum Bereich Coaching gibt es verschiedene Methoden, die sich sehr gut miteinander verknüpfen lassen. Bei allem gilt: Man lernt niemals aus. Nancy Holst: „Es geht ums Machen, nicht ums Berieseln lassen.“


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