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Anke Spoorendonk : Auch die friesische Kultur gehört zu Europa

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Ministerin Anke Spoorendonk sieht Nordsee-Kommission und deutsch-dänische Vereinbarung als Chance für Minderheiten. Verein Nordfriesisches Institut kämpft mit finanzieller Not.

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erstellt am 08.Mai.2013 | 08:08 Uhr

Nordfriesland | Europa- und Kulturministerin Anke Spoorendonk hat bei der Mitgliederversammlung des Vereins "Nordfriesisches Institut" die Bedeutung von "Europa als Chance für die Minderheiten und insbesondere die Friesen" betont. In ihrem Vortrag in Dagebüll erklärte die Ministerin: "In Schleswig-Holstein ist die Minderheitenpolitik vorbildlich aufgestellt und in unserer Landesverfassung fest verankert."

"Minderheitenpolitik", sagte Spoorendonk, "ist nur so gut, wie sie gelebt wird." Der Landesregierung sei bewußt, wie wichtig es ist, die friesische Sprache in den Kindergärten und in den Schulen Nordfrieslands zu stärken und wie notwendig die vom Nordfriesischen Institut geleistete Arbeit für den friesischen Spracherwerb ist. Die kulturellen Verbindungen im Nordseeraum wären ohne den Einfluss der Friesen nicht darstellbar. Spoorendonk hofft, dass es gelingt, die Kultur der Westküste verstärkt in die Arbeit der Nordsee-Kommission einzubeziehen.

Eine weitere Chance sieht die Ministerin mit der neuen deutsch-dänischen Kulturvereinbarung gegeben. Nicht nur, weil auch der Kreis Nordfriesland und die Kommune Tønder zu den Unterzeichnern gehören, sondern weil diese internationale Kulturvereinbarung - die erste dieser Art - eine Modellfunktion für ganz Europa haben könnte. Spoorendonk: "Mit diesem Schritt der strukturellen Verankerung der grenzüberschreitenden Partnerschaft erreichen wir eine neue Dimension der kulturellen Zusammenarbeit in unserer Region, die wir als einen gemeinsamen Kulturraum stärken wollen. Ein Raum, der durch seine bestehenden Unterschiede ebenso wie seine vorhandenen Gemeinsamkeiten einen Reichtum für alle Menschen beiderseits der Grenze bedeutet."

Innerhalb Europas gehört rund jeder siebte Euopäer einer Minderheit an. Für die Minderheitenpolitik stellt Europa deshalb aus Sicht der SSW-Ministerin eine "riesige Chance" dar. "Zum einen, weil Minderheiten in Europa allgemein einen besonderen Schutz genießen. Zum anderen, weil Europa die Vernetzung von Minderheiten befördert." Ein wirklich gutes Beispiel sei die Europäische Bürgerinitiative für die Minderheiten in Europa, deren Botschafterin und Gründungsmitglied Anke Spoorendonk ist. Die Bürgerinitiative will eine Million Unterschriften für die Vielfalt Europas sammeln und dadurch den Einfluss der autochtonen, nationalen Minderheiten stärken.

Vereinsvorsitzende Inken Völpel-Krohn dankte der Ministerin für ihren Vortrag mit den Worten: "Es ist höchst erfreulich, dass es legitim ist, Friese zu sein." Aus den neuen Entwicklungen könne sich eine "Hanse der Kultur" entwickeln, äußerte sich Völpel-Krohn zuversichtlich.

Gleichwohl die Rede von Anke Spoorendonk der Mitgliederversammlung Ansporn für künftige Initiativen geliefert hat, steht der Verein vor großen finanziellen Problemen. Auf die dramatische Situation wies Schatzmeister Ernst-August Petersen mit aller Eindringlichkeit hin. Seiner Jahresrechnung zufolge hatte der Verein 2012 einen Verlust von 24 000 Euro zu verzeichnen, der nur durch den Zugriff auf Rücklagen gedeckt werden konnte. Petersen: "Der Haushalt ist zwar ausgeglichen, aber nicht zufriedenstellend." Besonders die Personalausgaben für die Mitarbeiter des Nordfriesischen Instituts schlagen nach seinen Worten zu Buche, obwohl es sich nur um acht Mitarbeiter handelt, die sich 5,6 Stellen teilen. Für die kommenden Jahre prognostiziert der Kassenwart ein weiterhin steigendes Defizit. Petersen plädierte nachdrücklich für eine andere Finanzierungsstruktur und Verhandlungen zwischen dem Vorstand und der Landesregierung sowie weiteren Geldgebern.

In seinem Jahresrückblick berichtete Harry Kunz vom "Nordfriisk Instituut" über Publikationen, Vorträge und Veranstaltungen. Die Arbeit stand 2012 mit mehr als 30 Terminen zu einem erheblichen Teil unter dem von Instituts-Direktor Prof. Dr. Thomas Steensen kreierten Motto: "Husum - Kreisstadt der Friesen." Für ihre langjährige Vereinstreue ehrte die Vereinsvorsitzende die Mitglieder Nils Dahl, Emil Ketelsen und Christel Petersen, die dem Verein seit mehr als 40 Jahren angehören.

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