Vortrag in Klixbüll : Arzt-Behandlung via Bildschirm

Telemedizin hilftbei der Versorgung der Patienten.
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Telemedizin hilftbei der Versorgung der Patienten.

Prof. Roland Trill erläuterte beim Liberalen Stammtisch in Klixbüll die Vorteile eine stärkeren Digitalisierung im Gesundheitswesen

shz.de von
11. Januar 2018, 11:00 Uhr

Klixbüll | Spannende Debatten und interessante Referenten: Der Liberale Stammtisch des Kreisverbands der FDP brachte aus dieses Mal fachlichen Input und politische Diskussionsstoff für die Bürger. Am Montagabend ging es im Klixbüller Dörpscampus um die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Professor Dr. Roland Trill von der Fachhochschule Flensburg ist für dieses Thema ein anerkannter Fachmann seit 40 Jahren; er votierte in seinem Vortrag von Beginn an für die Digitalisierung – quasi als Rettungsanker für das marode Gesundheitssystem. „Es ist fünf nach 12“, sagte der gebürtige Berliner. Das ambulante Angebot sinke bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Ein Kollaps sei voraussehbar.

Der Wirtschaftswissenschaftler plädierte dafür, dass mittels der Datenerfassung ökonomischer gearbeitet werden könne. Das zeit- und ortsunabhängige Bereitstellen von Patientendaten sei unabdingbar für eine hochwertige medizinische Versorgung und ein effizientes, modernes Gesundheitswesen. „Die vom Arzt oder Krankenhaus geführte elektronische Patientenakte gebündelt auf einer Karte“, lautete seine Forderung – natürlich mit Einverständnis des Betroffenen. Mehrfachuntersuchungen (Hausarzt, Facharzt) oder falsche Medikationen aufgrund unvollständiger Informationen könnten so vermieden werden. Die digitale Vernetzung der Akteure (Ärzte) ermögliche eine bessere Informationsversorgung. Darüber hinaus helfen Analyse- und Prognoseverfahren, die aktiv in die Diagnose- und Therapieprozesse eingreifen und auch bei der Steuerung klinischer Prozesse unterstützen.

Dies alles aber setze strukturierte Daten voraus, die die Grundlage für ein effizientes Informationsmanagement bilden. Gefordert sei eine Digitalisierung entlang des klinischen Behandlungspfades des Patienten unter Einbeziehung sämtlicher beteiligter Subsysteme einschließlich der Patientenaufzeichnungen. Voraussetzung: Die passende technische Infrastruktur muss als das wesentliche Moment zur Vernetzung der Akteure eingeführt werden - durch Festlegungen einheitlicher Kommunikations-Standards.

„Doch Deutschland ist rückständig“, mahnt Roland Trill. Dokumentationen erfolgten oft papierbasiert, der Datenaustausch zwischen den beteiligten Systemen finde nur unzureichend statt – dazu sei die Akzeptanz der Digitalisierung bei Ärzten, Pflegekräften und Patienten umstritten. Der Experte wünscht sich den mündigen Patienten, der für die eigene Gesundheit bewusst mitarbeitet, dazu auch eigene Daten sammelt und sich mit dem Arzt austauscht. Umfragen hätten ergeben, dass dies vertrauensbildend sei – die Stellung des Arztes werde nicht untergraben, im Gegenteil. Besser geschulte Patienten könnten intensiver in den Behandlungsprozess eingebunden werden.

Die größten Probleme sieht Trill beim Datenschutz – in Deutschland sei man übersensibel. „Andere Länder wie Dänemark, Estland oder Holland sind da viel weiter.“ Der Professor befürwortete weitere Neuerungen wie die Telemedizin, -diagnostik und -consulting. Eine Fernbehandlung via Skype sei gerade auf dem flachen Lande interessant – und seit dem E-Health-Gesetz von 2016 auch möglich. „Zudem kann man sich nicht mehr im Wartezimmer anstecken.“

In der angeregten Diskussion ging es anschließend um fehlende Infos, was ein Arztbesuch genau kostet („Bitte eine Quittung!“) sowie um Anreize für ein gesundes Leben. Der Haken dabei: Letztendlich gibt es keinen Beleg, dass bestimmte Aktivitäten für jeden Versicherten gleichermaßen gesund sind; und am Ende chronisch Kranke und Ältere nicht tendenziell benachteiligt werden. Fazit: Es gibt viel zu tun. Und da die Politik sich nicht bewege, liege es in der Hand der Bevölkerung, „Vorantreiber“ zu sein, so Trill.



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