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Stadtbücherei Niebüll : Artothek: Kunst zum Ausleihen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ob Max Pechstein, Klaus Fußmann oder Friedel Anderson: Die Stadtbücherei bietet 72 Bilder bekannter und weniger bekannter Künstler

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Bücher, Hörbücher, E-Book-Reader, CDs und DVDs, Konsolenspiele – mehr als 40  000 Medien hat die Stadtbücherei Niebüll in ihrem Bestand. Was weniger bekannt ist: Sie besitzt mittlerweile 72 Bilder, allesamt Originale und überwiegend Werke norddeutscher Realisten und Konstruktivisten. Darunter sind Arbeiten von Prof. Andreas Brandt, Jan Leseberg, Heinz Mack, Eduard Bargheer, Friedel Anderson, Max Mahlmann, Bob Bonies, Günter Zachariasen oder Gudrun Piper. Bilder, die zwischen 1967 und 2011 entstanden. Der Clou: Auch diese gerahmten Werke können Bücherei-Mitglieder gegen Vorlage ihrer gültigen blauen Karte ohne Aufpreis mit nach Hause nehmen. „Ich leihe mir ein Bild aus, wie bei einem Buch, nur etwas länger“, erklärt Büchereichef Ronald Steiner (61) das Prinzip in einem Satz. „Die Ausleihdauer beträgt höchstens ein Vierteljahr.“ Wer nimmt dieses Angebot wahr? „Es sind hauptsächlich Privatleute. Sie holen sich ein Bild, hängen es sich beispielsweise ins Wohnzimmer und tauschen es nach drei Monaten gegen ein anderes um.“

Die bundesweit populäre Idee geht auf den Künstler Norbert Weber zurück. Er ist Vorsitzender des vor 25 Jahren gegründeten Artothekenverbands Schleswig-Holstein. Die Organisation koordiniert die Arbeit der Institutionen des Kunstverleihs im Lande. So auch im Februar für „Kunst auf Zeit – Zeit für Kunst“ im Landeshaus Kiel. Mit fünf Werken war die Stadtbücherei Niebüll bei der Ausstellung vertreten. Und nicht nur das. „Bis zum 10. Mai haben wir ein Bild nach Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) verliehen“, berichtet Steiner stolz. Auch hier wird es im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein. An die Werke kommen der Diplom-Bibliothekar und seine Mitarbeiter über ihre vielen Kontakte, die sie aufbauen und pflegen. „Es macht Spaß, Schriftsteller und andere Künstler zu treffen, sie kennenzulernen, und jeder soll gerne wieder zu uns kommen.“ Sie gehen seit Jahren in der Stadtbücherei ein und aus.

Das Büchereiteam tut einiges, um auch für die rund 3000 Nutzer am Ball zu bleiben. Veranstaltungen wie Lesungen, darunter zum Thema Buddhismus mit Gerd Boll und dem Schauspieler Jochen Regelien sowie die regelmäßige Lesewelle (die nächste ist heute um 16 Uhr), bei der Ehrenamtliche Kinder ab drei Jahren kostenlos eine Stunde lang vorlesen, gehören dazu. Bei größeren Events kann sich Ronald Steiner auf die unbürokratische Hilfe von Kooperationspartnern und „Nachbarn“ verlassen. So stellte aufgrund der sich schon im Vorfeld abzeichnenden großen Nachfrage die VR-Bank unlängst bei einer Lesung von Wolfgang Raloff zum Thema „Niebüll zur Zeit des Nationalsozialismus“ ihren Veranstaltungsraum zur Verfügung. Für die Lesung aus „Der Duft der Wildrose“ am Donnerstag, 23. April (19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr) mit der Autorin Constanze Wilke laden Stadtbücherei und Landfrauenverein Niebüll mit Unterstützung der Nord-Ostsee-Sparkasse in das Andersen-Haus nach Klockries ein. „Man weiß sich zu helfen, die Leute sind hilfsbereit und offen.“

Natürlich darf auch die Stadtbücherei Niebüll den Anschluss nicht verlieren. Vor einem Jahr stieg sie bei der sogenannten Onleihe ein. „Derzeit haben wir 80 Leser, die im Internet über uns aktiv Bücher herunterladen und auf ihre Endgeräte überspielen.“ Und das Erstaunliche: „Es sind viele ältere Leser. Das hätte ich nicht gedacht.“ Aber so ganz mag Ronald Steiner auf Papier nicht verzichten. „Ich habe lieber ein Buch aus Papier in der Hand“, gesteht er. Und das gilt auch für die Tageszeitung. „Ich hoffe, die Zeitung wird es noch lange in der Papierform geben.“

Steiner ist ursprünglich Hamburger. Nach seinem Studium verschlug es ihn zunächst in die Stadtbücherei Kiel. Mittlerweile ist er seit 33 Jahren Leiter der Stadtbücherei Niebüll. „In vier Jahren gehe ich in Rente.“ Ingrid Menzel hatte die Aufgabe vor ihm wahrgenommen – ebenfalls über Jahrzehnte. Zahlen, die für sich sprechen. Ronald Steiner: „Bibliothekar in Niebüll – das ist ein Traumjob.“

Sein Lieblingsmaler ist der Kolumbianer Fernando Botero. Sein Lieblingsschriftsteller? „Siegfried Lenz. Ich hätte ihn gerne einmal hier gehabt.“

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