Konfliktberatung : Anonym, vertraulich und ergebnisoffen

Schwanger – und nun? Es gibt eine Reihe von Beratungs- und Hilfsangeboten, die Frauen unterschiedliche Wege aufzeigen.
Schwanger – und nun? Es gibt eine Reihe von Beratungs- und Hilfsangeboten, die Frauen unterschiedliche Wege aufzeigen.

Das Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll ist anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte.

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11. Dezember 2014, 08:09 Uhr

Die Geburt eines Kindes ist grundsätzlich ein freudiges Ereignis. Und doch gibt es Situationen, in denen eine Schwangerschaft, gewollt oder ungewollt, Frauen in eine Notlage bringen kann. Betroffen sind alle Alters- und Bildungsgruppen. „Grundsätzlich ist in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis ein Abbruch straffrei, wenn die Schwangere bei einer anerkannten Beratungsstelle beraten wurde und dem Arzt die Beratungsbescheinigung vorlegt“, heißt es in einem Flyer, herausgegeben von „pro familia“, sowie den Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Nordfriesland und der Stadt Husum. „Zwischen Beratung und dem Termin des Abbruchs müssen mindestens drei Tage liegen.“

Das Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll (BBZ) in der Westerlandstraße 3 ist – neben vielen anderen Angeboten – seit Kurzem so eine anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte nach dem § 219 StGB. Brigitte Umbreit, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialtherapeutin GVS, führt diese Gespräche durch. 15 waren es bis zum heutigen Tage.

Diskret und ergebnisoffen – das ist die Schwangerschaftskonfliktberatung. Das beginnt bereits bei der Anmeldung. Niemand muss seinen Namen oder den Wohnort nennen, lediglich erklären, dass sie – in einigen Fällen nehmen auch männliche Partner den Kontakt zum BBZ auf – eine Beratung wünscht. Innerhalb von drei Tagen erhält die Ratsuchende einen Termin. „Das ist vorgeschrieben und macht auch Sinn“, sagt Brigitte Umbreit. „Ein Beratungsgespräch dauert im Schnitt zwischen 30 und 60 Minuten, kann aber auch darüber hinaus gehen.“ Auch hier werden keine Namen erfragt, keine Notizen gemacht, keine Daten gesammelt. Alles läuft anonym ab. Die Ratsuchende erhält alle Informationen, die sie benötigt. Dazu gehören Fragen, wie „Wie kann ich das Kind zur Welt bringen?“, „Wie kann ich die Möglichkeiten des Kindes verbessern?“. Soziale, finanzielle und familiäre Hilfen werden aufgezeigt, die Themen Adoption, Pflegekinder und auch „Vertrauliche Geburt“ nicht ausgespart.

Bei Letzterer wird den Schwangeren alle nur erdenkliche Hilfe gegeben. Anonymität ist gewährleistet, weder Angehörige noch Arbeitgeber, Behörden oder Krankenkassen erfahren etwas, die Beraterinnen unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Zu ihnen gehört auch Brigitte Umbreit. „Die ,Vertrauliche Geburt‘ ist im Prinzip in jeder Klinik möglich“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Niemand müsse ein Baby heimlich oder alleine zur Welt bringen, sogenannte Babyklappen nutzen oder sie einfach irgendwo ablegen. Frauen können ihr Kind medizinisch sicher zur Welt bringen, werden von den Beratungsstellen begleitet. Vor und nach der Entbindung. „So soll sichergestellt werden, dass möglichst viele Kinder gesund und auf normalem Wege zur Welt kommen. Das Angebot soll auch junge Frauen ansprechen, die beispielsweise obdachlos, psychisch krank oder suchtkrank sind.“ Niemand erfährt, wer Mutter oder Vater sind. Die Kinder sind über ein kompliziertes, geschütztes Verfahren abgesichert.

„Auch Frauen, die sich entschlossen haben, ihr Kind nicht auszutragen, bekommen Beratung“, sagt Brigitte Umbreit. „Meine Aufgabe ist es, sie zu ermutigen, das Kind doch zu bekommen.“ Schwierig seien Gespräche bei Schwangerschaften, bei denen die Gefahr bestehe, dass das Kind nicht gesund zur Welt kommt. Brigitte Umbreit informiert auch in Sachen Verhütung, um zu verhindern, dass Frauen erneut in eine ähnliche Situation kommen. „Es ist erstaunlich, wie wenig Wissen über Verhütungsmittel vorhanden ist.“

Die Beratung im Schwangerschaftskonflikt ist kostenlos und bleibt ergebnisoffen. Das heißt, „dass wir keinerlei Einfluss auf die Hilfesuchende ausüben, obwohl wir eine Einrichtung des Diakonischen Werkes sind.“ Die Ratsuchende verlässt am Ende den Raum mit neuen Informationen und einer rechtsgültigen Bescheinigung – das einzige Dokument, dass den Namen enthält. „Blanko-Bescheinigungen unterschreibe ich nicht, aber es gibt keine Notizen oder Aktenvermerke“. Was die Ratsuchende damit macht und wie sie sich letztendlich entscheiden wird – ob sie das Dokument zerreißt und das Kind austrägt oder das Papier mit zum Arzt nimmt, um einen Abbruch vornehmen zu lassen, bleibt ihr alleine überlassen.

Brigitte Umbreit ist erreichbar unter Telefon 04661/9659-0, bbz-niebuell@dw-suedtondern.de

Hier die Adressen von weiteren anerkannten Beratungsstellen im Kreis Nordfriesland:

 Gesundheitsamt des Kreises NF, Damm 8, Husum, 04841/897021 oder 04841/897026, bernadette.milewski@nordfriesland.de und heiko.pagel@nordfriesland.de, Außenstelle Niebüll, Hauptstraße 87;

 Gemeinschaftspraxis Midlum, Schulweg 3, Midlum auf Föhr, Dr. Torben Villmow u. Helmut Marczinkowski, 04681/4555, www.gemeinschaftspraxis-midlum.de;

Eine zusätzliche Beratung zum Aspekt „Vertrauliche Geburt“ bieten neben dem BBZ Niebüll an:

 Pro Familia Schlossgang 8, Husum, 04841/3671, husum@profamilia.de;

 Psychologisches Beratungszentrum des Diakonischen Werkes, Theodor-Storm-Str. 7, Husum, 04841/691440, pbz@dw-husum.de, Außenstellen in Tönning (Johann-Adolf-Str. 7/9) und Bredstedt (Osterstr. 65);

 Schwangerschaftsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt Sylt, Geschwister- Scholl-Weg 2, Westerland, 04651/22325, awo-westerland@t-online.de.

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