Körperverletzung in Leck : Angriff mit Suppentopf hat Folgen

Weil eine Leckerin die Tochter ihres Lebensgefährten mit einem Topf niederschlug, wurde sie nun zu 4500 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

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20. Juni 2014, 12:00 Uhr

Leck/Niebüll | „Als wir die Frau antrafen, wirkte sie aufgelöst und geschockt“, berichtete Polizeibeamter Volker K.* vor Gericht. Er und ein weiterer Kollege waren am Abend des 3. Januar zu einem Haus in Leck gerufen worden. Die 32-jährige Petra M. * hatte hier kurz zuvor die Polizei verständigt. Der Grund: Die Nachbarin und langjährige Lebensgefährtin ihres Vaters, Dörte S.*, habe sie mit einem großen Topf niedergeschlagen. Hinter der Tat stehen lange schwelende Familienstreitigkeiten. In Saal 1 des Niebüller Amtsgerichts erlebte dieser Kleinkrieg nun seinen vorläufigen Höhepunkt.

Gestern musste sich die Angeklagte Dörte S. nun wegen dem Verdacht auf gefährliche Körperverletzung verantworten. Sichtlich erregt schilderte die Mittfünfzigerin den Tathergang, während Richter Dr. Jan Hendrik Weigelt ihr aufmerksam zuhörte. Schnell war klar – so wie von der 32-jährigen Nachbarin geschildert, habe sich der Zusammenstoß der beiden Frauen in ihrer Erinnerung nicht zugetragen. Nicht sie habe den Topf als Waffe benutzt, sondern die junge Frau: Als sie auf den Hof gekommen sei, um dort nach der kranken Mutter ihres Lebensgefährten zu sehen, sei sie dort auf Petra M. und deren sechsjährigen Sohn getroffen. Die junge Frau habe einen großen Topf bei sich gehabt. „Hau ab, hat sie gesagt. Hau ab!“, erinnerte sich Dörte S. „Das habe ich mir natürlich nicht gefallen lassen und mich dann mit Worten gewehrt.“ Schließlich sei die Situation nach einem herben Wortwechsel eskaliert, und die junge Nachbarin habe versucht, sie mit dem Topf (28 Zentimeter Durchmesser) niederzuschlagen. Die Angeklagte gab an, sich daraufhin den Arm schützend vor das Gesicht gehalten zu haben – dabei sei sie am Daumen verletzt worden.

Wie sich die Angeklagte die Blessuren der Nachbarin erklären könne, wollte der vorsitzende Richter Dr. Weigelt daraufhin wissen. Ein ärztliches Attest listet als Folge des Tatabends ein großes Hämatom am Arm und eine eingerissene Lippe auf. Zudem klagte die 32-jährige Leckerin an den folgenden Tagen über erhebliche Kopfschmerzen. „Ja, es hat ein Handgemenge geben. Das streite ich gar nicht ab“, antwortete Dörte S. Wahrscheinlich habe sich ihre Kontrahentin während des Gerangels verletzt. „Ich habe aber nicht mit der Faust geschlagen.“

Zu dem Hintergrund der Auseinandersetzung gab die Angeklagte zu Protokoll, dass es seit Jahren immer wieder Streit zwischen den benachbarten Familien gebe. Die Nachbarin und Tochter ihres Lebensgefährten Horst K*. hätte ihr regelmäßig die Auffahrt zugeparkt, sie als „Alkoholikerschlampe“ tituliert und ihr den Zugang zu der pflegebedürftigen Mutter erschwert. Erst kürzlich hatten sich die Familien wegen dieser Konflikte vor Gericht darauf geeinigt, künftig auf Abstand zu bleiben. Offenbar ohne Erfolg.

Auf die Chance eines erneuten, klärenden Gesprächs setzte zunächst auch Richter Weigelt und unterbreitete Zeugin Petra M. und der Angeklagten Dörte S. das Angebot, das Verfahren im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs ohne Richterspruch zu beenden. „Überlegen Sie es sich gut. Gerade wenn es um Familie geht, ist es manchmal besser, nicht mit einem Urteil draufzuhauen.“ Eine goldene Brücke, über die Petra M. jedoch nicht mehr gehen wollte. „Es reicht“, so die 32-Jährige. Am Tatabend habe nicht sie angegriffen, sondern die Lebensgefährtin ihres Vaters. „Sie hat mich beschimpft und dann versucht, eine Zigarette in meinem Gesicht auszudrücken.“ Dabei sei ihr der Topf aus der Hand gefallen, mit dem Dörte S. sie daraufhin mehrfach geschlagen habe. „Sie war betrunken, das habe ich gerochen und an ihrer Stimme gemerkt“, so die Zeugin. Sie sei nüchtern gewesen, beteuerte dagegen die Angeklagte. „Natürlich trinke ich mal ein Bier, wenn ich überfordert bin – aber das tut doch jeder.“ In Saal 1 stand damit Aussage gegen Aussage.

In ihrer Schlussrede plädierte die Staatsanwältin für einen Schuldspruch für die Angeklagte und begründete diesen unter anderem mit der unglaubwürdigen Darstellung der Ereignisse durch Dörte S. Im Gegenteil hätte die Geschädigte sich lückenlos an den Tathergang erinnern können, und auch die Verletzungen von Petra M. sprächen eindeutig für die Abwehr eines Angriffs. Am Ende folgte der vorsitzende Richter der Empfehlung der Staatsanwaltschaft, sprach die Angeklagte der gefährlichen Körperverletzung schuldig und verurteilte Dörte S. zu 4500 Euro Schmerzensgeld.

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