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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 19:35 Uhr

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Kiefern-Dachbalken im Haus Holländerdeich 66 wurden nach 1632 gefällt

Was über Jahrhunderte allenfalls mündlich überliefert wurde, vermag die Wissenschaft heute zeitlich aufzuhellen – zumindest teilweise. Das gilt auch für eine kleine katholische Kirche, in der strenggläubige holländische Deicharbeiter während der Bauarbeiten am so genannten Bottschlotter Werk an Gottesdiensten teilnehmen konnten.

Die Kirche stand von 1634 bis 1648 auf einer kleinen Warft, die sich neben dem heutigen Raiffeisensilo befindet. Bei der Restaurierung des Hans-Momsen-Hauses erinnerte man sich der Warft mit der Kirche. Diese gehörte zum Areal des Gutes Bottschlott, auf dem der Fahretofter Mathematiker und Landmesser Hans Momsen geboren wurde. Hans Werner Paulsen, Initiator des Momsen-Projekts, kam auf den Gedanken, einmal die Relikte der 1648 abgebrochenen Kirche zeitlich zuzuordnen und zu erkunden, ob die Balken, die das Dach des ehemaligen Bauernhauses am Holländerdeich 66 tragen, denn aus der Kirche stammen. Dabei halfen ihm Wissenschaftler des Instituts für Holzforschung Hamburg.

Ihre Wissenschaft ist die Dendrochronologie. Dieser Begriff setzte sich zusammen aus dem griechischen „dendron“ (= Baum), „chronos“ (= Zeit) und „logos“ (= Lehre). Zwei Studenten des Hamburger Instituts entnahmen den Balken Proben, indem sie aus dem Holz fünf Bohrkerne zogen, von denen sich drei Proben mittels der Jahresringe zeitlich einordnen ließen – allerdings mit der Einschränkung „terminus post quem“, was „ab“ oder „danach“ bedeutet und in diesem Fall – so das Ergebnis, das nun vorliegt – auf einen Fällungszeitpunkt nach 1632 hinweist. Genauer ging es nicht, weil dem Holz die letzten Jahresringe aus seinem Leben fehlten.

Das Holz war von Hand für seine Verwendung als Dachbalken bearbeitet worden. Teilweise waren einige der Hölzer fünfkantig. Der Bargumer Zimmermann Martin Peter Hansen ordnete sie dem Turmbau zu – genauer dem Bau des Kirchturms.

Woher das Kiefernholz stammte, ließ sich nicht bestimmen. „Auf alle Fälle kam es von weit her“, erklärte Hans Werner Paulsen, „weil es bei uns bekanntlich keine Kiefernwälder gab.“

Beim Abriss der Kirche war das noch junge Holz in bestem Zustand und für den Hausbau auch geeignet. Es wurde vom Bauern Breckling erworben, der um 1700 das Haus (heute Nr. 66) errichtete. Das Gebäude ging 1855 in den Besitz der Familie Sibbersen über, die eine Landwirtschaft betrieb. Carsten Sibbersen, heutiger Besitzer in der fünften Generation, erinnert sich, dass seine bäuerlichen Vorfahren bis zu 30 Stück Vieh im Stallteil des Gebäudes unterbrachten. Im Dachboden wurden Stroh und Heu gelagert.

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erstellt am 06.Apr.2016 | 10:39 Uhr

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