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Neue Prüfvorgaben für Pflegeheime : "An der Pflege-Schande ist was dran"

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Der Medizinischer Dienst verstärkt von 2011 an die Pflegeheim-Prüfungen. Seniorenbeiräte der Westküste Schleswig-Holsteins informierten sich.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2009 | 10:13 Uhr

Husum | Der Prüfauftrag ist groß, den der Medizinische Dienst (MDK) ab 2011 zu erfüllen hat. Von dem Jahr an muss er nämlich jedes der Alten- und Pflegeheime im Land kontrollieren. So wollen es die Landesverbände der Pflegekassen. Sie sind Auftraggeber des MDK. Welche Auswirkungen die neuen gesetzlichen Vorgaben im Bereich der Pflegebedürftigkeit haben, erläuterte Dr. Martin Schünemann vom MDK den Vertretern der Seniorenbeiräte an der Westküste.

Im Jahr 2006 waren es nach Angabe des Chirurgen gerade mal sechs bis acht Prozent der Heime, die der Dienst "unter die Lupe" genommen hat. Damit die Körperschaft des öffentlichen Rechts ihrem Prüfauftrag ab 2011 nachkommen kann, ist das Personal bereits verdreifacht worden. Gleichzeitig bildeten sich Teile der Belegschaft weiter, wie Schünemann sagte.
Behörde und Heimaufsicht prüfen

Die Aufgaben des MDK sind im elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) vorgegeben. Den Prüfauftrag nimmt die Behörde zusammen mit der Heimaufsicht des Kreises wahr. Die kümmert sich laut Schünemann um Bereiche wie die Ausstattung der Häuser und die Berücksichtigung der Personalschlüssel. Der Medizinische Dienst hingegen habe die Ergebnisqualität - die Leistung, die beim Bewohner ankommt - im Blick.

Dazu gehört es, die Qualität von Hygiene, Hilfsmitteln, Verpflegung und sozialer Betreuung zu kontrollieren, wie den Gesundheitszustand der Bewohner festzuhalten. Formal werden derzeit für eine Prüfung zehn Tage angesetzt. Kommt die Betrachtung von "Pflegeschäden" hinzu, rechnet Schünemann mit einer Dauer von zwölf Tagen.

Die Auflagen geben vor, nach zehn Prozent der Bewohner einer Einrichtung zu schauen. In der Praxis heißt das nach Schünemann: "Fünf bis maximal 15 Bewohner werden tatsächlich angesehen." Dabei seien neben anderem die Gefahr des Wundliegens und die Zahnhygiene Themen. Grundsätzlich muss der Bewohner oder sein gesetzlicher Betreuer der Untersuchung zustimmen.
"... zum Reflektieren anregen"

Ziel ihres Prüfauftrages sei nicht, schwarze Schafe an den Pranger zu stellen, versichert Schünemann. "Wir wollen die Belegschaft der Pflegeheime zum Reflektieren anregen." Kein Ding der Unmöglichkeit, versteht man Schünemann richtig, denn "in der Regel arbeiten dort sozial engagierte Menschen".

Aber was ist, wenn das Gutachten eines Pflegeheimes nicht ausreichend ausfällt?, wollen die Seniorenvertreter wissen. Empfänger der Ergebnisse sind die Landesverbände und die Heimaufsicht. "Die Landesverbände kündigen im schlimmsten Fall den Versorgungsauftrag", sagte der Arzt. Den Aufnahmestopp könne allerdings nur die Heimaufsicht verfügen.

Eine Zahl schlecht bewerteter Einrichtungen nannte der Chirurg nicht. Nur so viel ließ der Fachmann durchklingen: "An der Pflege-Schande ist was dran."

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