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Schererei um die Schafe : Amtsgericht Niebüll verhandelt Streit um Lämmer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prozess gegen 48-jährigen Angeklagten aus Nordfriesland geht mit Einstellung des Verfahrens zu Ende.

Ein erbitterter Betrugsstreit um eine Schafherde in Nordfriesland ist mit einer Einstellung des Verfahrens zu Ende gegangen. Das Niebüller Amtsgericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Angeklagte nicht mit Vorsatz betrügen wollte. Er habe die Vertragsrichtlininen einzuhalten versucht und wollte diese erfüllen, begründete die Vorsitzende Richterin das Urteil. Eine Geld-oder Freiheitsstrafe erwartet den 48-Jährigen demnach in diesem Verfahren nicht.


Die Tiere sollten 33 Kilogramm wiegen

 

Dem Landwirt und Schäfer war vorgeworfen worden, 2010 sowie 2011 ein Abkommen mit einem Ehepaar nicht eingehalten und sie dadurch um rund 11850 Euro betrogen zu haben. Der Mann hatte eine Schafherde von dem Paar übernommen. Da er nicht ausreichend Geld hatte, um die rund 240 Schafe und 125 Lämmer zu bezahlen, wurde eine sogenannte Lammabgabe vereinbart. In einem Vertrag wurde unter anderem festgehalten, dass er eine bestimmte Anzahl Jungtiere an die Ursprungsbesitzer abzugeben habe. Die Tiere sollten – entsprechend der besonderen Verabredung – mindestens 33 Kilogramm wiegen und gesund sein, hieß es in dem Schreiben.

Als er wenige Monate nach der Übernahme der Herde die ersten Lämmer abgeben wollte, scheiterte die Übergabe. Das Ehepaar habe sich geweigert, die Tiere anzunehmen, da diese unter anderem eine Klauenkrankheit hätten sowie außerdem zu leicht und unterentwickelt seien, sagte der Angeklagte. Damit hätten sie nicht den ausgemachten Regularien entsprochen. Das Gleiche habe sich im Jahr darauf wiederholt. Daraufhin hatte der neue Halter die Tiere als Weidelämmer an jemand anderen verkauft.

Zu leicht und außerdem krank sollen die Lämmer gewesen sein, die der 48-Jährige angeboten hatte.
Zu leicht und außerdem krank sollen die Lämmer gewesen sein, die der 48-Jährige angeboten hatte. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa
 

Zu Beginn des Prozesses hatte er beteuert, die Tiere vertragsgemäß versorgt zu haben. „Die waren gechipt und geimpft, hatten eine Wurmkur bekommen“, sagte er. Als er dem Paar daraufhin anbot, ihnen das Geld in einer Abzahlungsvereinbarung voll zurückzugeben, sei auch dies abgelehnt worden.

Das wollte die 52-Jährige, die die Tiere vor sieben Jahren „mit Eigentumsvorbehalte“ an den Mann abgegeben hatte, nicht bestätigen. Als Zeugin saß sie während der Verhandlung im Saal. „Wir sind davon ausgegangen, dass er mit uns Kontakt aufnimmt, damit wir die Lämmer ansehen können, das ist nie passiert“, sagte die Heilpraktikerin energisch. Ihr Mann habe damals mit einem „Hirnschlag“ auf der Intensivstation gelegen – um den Konflikt bezüglich der Schafherde habe daher hauptsächlich sie sich gekümmert. Den Eindruck, dass sich der ehemals Angeklagte „kooperativ“ an die zuvor festgelegten Regeln habe halten wollen, hätte sie nicht gehabt.

Aus verschiedenen Gründen hatte die Staatsanwaltschaft für eine Aufhebung des Verfahrens plädiert. „Es gibt keine neuen Tatsachen, die das ganze voranbringen“, sagte die zuständige Staatsanwältin. Sie verzichtete darauf, den Mann der 52-Jährigen, der ebenfalls als Zeuge geladen war, anzuhören.

Zu den Merkwürdigkeiten gehörten aus Sicht des Gerichts und der Staatsanwaltschaft, dass sich nicht beweisen ließ, ob die Tiere tatsächlich untergewichtig oder krank waren. Eine Bestätigung dazu vom Tierarzt, einer anderen amtlichen Stelle oder Zeugen fehlt.

Im Prozess war zudem offen geblieben, wo das Paar die vom 48-Jährigen geforderten Lämmer gehalten hätte. Ihnen war zuvor vom Ordnungsamt verboten worden, Schafe zu halten, weil einige aus der Herde auf ungeklärte Weise gestorben waren.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 07:18 Uhr

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