Jubiläums-Party : Amt feiert hölzerne Hochzeit

Amtsvorsteher mit Damen: Peter Ewaldsen mit Sängerin Mahara Jacobsen (l.) und Amtsmitarbeiterin Bärbel Andersen.
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Amtsvorsteher mit Damen: Peter Ewaldsen mit Sängerin Mahara Jacobsen (l.) und Amtsmitarbeiterin Bärbel Andersen.

Großer Empfang zum 10. Geburtstag in der Nordsee-Akademie – mit Premiere des Imagefilms über Südtondern.

shz.de von
06. Januar 2018, 03:19 Uhr

Leck | „Auch wenn es ab und zu nochmal grummelt, die Gründung des Amtes Südtondern war  richtig.“ Mit diesem Satz bringt Amtsvorsteher Peter Ewaldsen (Foto oben) in seinem Grußwort die Stimmungslage zum 10. Geburtstag  des mit 29 Gemeinden und einer Stadt sowie rund 40 000 Einwohnern größten Amtes in Schleswig-Holstein auf den Punkt. Diesen feiern zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung,  Kultur und weiteren Institutionen am Donnerstagabend in der Nordsee-Akademie in Leck. Dort begann am 1. Januar im Jahr 2008 um  14 Uhr die erste Sitzung des Amtsausschusses Südtondern, in der die ordnungsgemäße Errichtung – also die Geburt – des Amtes Südtondern festgestellt wurde.

Feierlich und doch locker – eben fast wie auf einem Kindergeburtstag – ist die Stimmung vor dem offiziellen Teil der Jubiläumsfeier. Peter Ewaldsen und Amtsdirektor Otto Wilke begrüßen am Eingang jeden der zahlreichen Gäste persönlich. Bei Sekt oder Orangensaft wird locker über das alte und das neue Jahr geplaudert, fast so, als wäre es der erste Neujahrsempfang des Amtes. Einen weiteren Vergleich zu einem privaten Feiertag zieht Otto Wilke (Foto  unten) in seiner Rede: „Zehn Jahre  –  in einer Ehe schafft das längst nicht mehr jeder. Wir haben  guten Grund, die hölzerne Hochzeit des Amtes heute zu feiern.“  Wilke blickt auf die vergangene Dekade vor allem aus Sicht der Verwaltung zurück, auch auf die schwierigen elf Monate, bevor der Ehevertrag zwischen den sechs kleineren Ämtern unterschriftsreif ausgehandelt war.

 Probleme gab es dabei nicht nur auf der sachlichen Ebene, denn: „Bei Weitem nicht alle Wünsche der einzelnen Mitarbeiter konnten berücksichtigt werden.“   An der Vereinheitlichung von sechs unterschiedlichen Arbeitskulturen werde bis heute gearbeitet. Als Erfolge der noch jungen Amtsgeschichte hebt Otto Wilke  die Gründung der Schulverbände und des Breitbandzweckverbandes sowie die Aktivregion Nordfriesland Nord und die Nordfriesland Tourismus GmbH hervor. Der Amtsdirektor  zählt zudem  den vorbildlichen Umgang im Amt mit den Flüchtlingen in Südtondern sowie die Einführung eines Dokumentenmanagementsystems auf, die es erlaube, im Prinzip papierlos zu arbeiten.

„Wertschätzend und vertrauensvoll funktioniert im Amt die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt“, betont Otto Wilke. Diese Basis sowie gute Lösungen, um die Folgen des sich auch in der Verwaltung verschärfenden Fachkräftemangels abzufedern, seien unverzichtbar, um das Amt Südtondern zukunftsfähig zu machen. „Ein Personalentwicklungsplan sowie die Weiterentwicklung der Digitalisierung stehen daher ganz oben auf unserer Liste für die kommenden Jahre.“

 Peter Ewaldsen sieht für alle diese Herausforderungen das Amt Südtondern „auf einem guten Weg“. Als  positive Beispiele  nennt er die erfreuliche Entwicklung als Wirtschafts- und Schulstandort sowie des Tourismus. Zudem sei Südtondern schon bald ein großer Teil des klimafreundlichsten Kreises des Landes. Den heutigen Anforderungen wären die kleinen Verwaltungen seiner Ansicht nach gar nicht mehr gewachsen. „Denn die Anforderungen an Verwaltung sind gigantisch gestiegen.“ Gleichzeitig betont der Amtsvorsteher: „Was die kleinen Einheiten bis vor zehn Jahren geleistet haben, ist unglaublich. Jeder Mitarbeiter hatte mindestens zwei Fachgebiete.“

Beide Redner wünschen dem Amt für die Zukunft ein noch stärkeres Wir-Gefühl. Motivieren zu mehr Selbstbewusstsein und Engagement im Norden Nordfrieslands soll das Geschenk, das sich das Amt zum Geburtstag  selbst gemacht hat – ein anderthalbstündiger Film über Südtondern und seine Bewohner, der während des Empfangs zum ersten Mal gezeigt wird. Ein Jahr lang war ein professionelles Filmteam dafür unterwegs. Das Ergebnis ist von der Filmqualität und Kameraführung beeindruckend. Schwerpunkte sind  die Natur, die Weite, die Marsch und das Meer.

Viele Menschen werden vorgestellt, auch junge Frauen und Männer, die die  Verbundenheit zu ihrer Heimat auf traditionelle Weise wie dem Trachtentanz oder auf zeitgemäße Art wie der Organisation des Skandalös-Festivals ausdrücken. Kulturelle Schwergewichte wie die Nolde-Stiftung werden ebenso vorgestellt wie Kleinode, zum Beispiel das Andersen-Hüs oder das Weckwerth-Museum, in dem auch fast privat  wirkende Konzerte stattfinden. Alles in allem  ist der Imagefilm eine Liebeserklärung an das nördliche Nordfriesland und das dort so harmonische Miteinander der deutschen, dänischen  und  friesischen Kultur.

 Die lockeren Gespräche am späteren Abend am Büfett  machen aber deutlich: Trotz der Länge des Films finden sich nicht alle Teile Südtonderns in der Dokumentation wieder, die einzige Stadt und der Amtssitz Niebüll findet praktisch gar nicht statt. Doch einig sind sich alle, dass die Vorzüge  des Amtes noch nie so gut hervorgehoben worden sind und der Film  eine gute Grundlage für die Vermarktung bestimmter  Themen ist.

„Wohin mich der Weg wohl führen wird?“, fragt die in Neukirchen aufgewachsenen Musical-Sängerin Mahara Jacobsen in einem ihrer Lieder, das aus dem „König der Löwen“ stammt. Für das Amt Südtondern wird man das spätestens bei der Feier zur Silberhochzeit wissen.

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