Dorfmuseum : Alte Schätze neu entdecken

Großreinemachen vor dem Nachmittag der offenen Tür: Martina Boldt und Martin Jochimsen freuen sich auf viele Besucher.
Großreinemachen vor dem Nachmittag der offenen Tür: Martina Boldt und Martin Jochimsen freuen sich auf viele Besucher.

Das Ladelunder Dorfmuseum startet in die Saison: Am kommenden Sonnabend gibt es einen offenen Nachmittag mit besonderen Aktionen.

shz.de von
07. Mai 2015, 10:30 Uhr

Eine historische Bandsäge, Torfstecherspaten oder Hochzeitsschuhe aus dem frühen 19. Jahrhundert: Im Dorfmuseum in Ladelund gibt es viel zu entdecken. Wo früher eine Böttcherei und Stellmacherei untergebracht waren, sind heute zahlreiche Exponate zu bestaunen – 2632, um genau zu sein. Diese Nummer trägt ein altes Messrad aus Holz, das neueste Stück in der Sammlung, die von vergangenen Zeiten zeugt. Gerade hat Martin Jochimsem das Rad nummeriert, handschriftlich dokumentiert und fotografiert, so wie es mit jedem Ausstellungsstück geschieht, das dem Museum gespendet wird.

Martin Jochimsen und Martina Buldt sind zwei von fünf Ehrenamtlichen, die sich um den Bestand, den Betrieb und den Erhalt der Einrichtung mit Dorfgeschichte kümmern. Ob im Erdgeschoss mit den Ausstellungsstücken zu den Bereichen Landwirtschaft und Handwerk oder „Häusliches Leben und Archiv“ – in jeder Ecke stecken Dinge, die oft ihre ganz eigenen Geschichten mitbringen. Alle Exponaten sind Spenden. Allerdings: Das Museum, das es bereits seit 1991 gibt, ist mittlerweile voll bis unters Dach. „Wir müssen inzwischen etwas wählerischer bei Spenden sein und manchmal schweren Herzens nein sagen“, berichten die Museumsbetreuer. „Dinge wie Plätteisen, Nähmaschinen und Butterfässer haben wir genug.“ Wenn aber etwas Besonderes komme, werde immer irgendwo Platz geschaffen.

Und Besonderheiten gibt es zuhauf: Zum Beispiel das Kostüm für einen Maskenball, das aus unzähligen Zigarrenbanderolen genäht wurde. „Die Frau kam aus dem Rheinland, der Mann aus Norddeutschland – und das Kostüm hat Ende des 19. Jahrhunderts den ersten Platz bei einem Wettbewerb gewonnen“, berichtet Martin Jochimsen. Ein Puppenwagen aus Postkarten zeugt von Not und Einfallsreichtum zugleich, eine Tasse „für den Herrn mit Bart“ lädt zum Schmunzeln ein: Eine Auflagefläche aus Porzellan samt Auflage für den Mund sollte dafür sorgen, dass der Schnauzbart frei von Kaffeetropfen blieb.

Zum Margarethenschrank, der „lange unentdeckt auf einem Dachboden stand“, weiß Martina Buldt Wissenswertes zu berichten: „Diese Art der Schränke gehen auf einen nicht ganz armen Mann aus Angeln zurück, dessen Tochter Margarethe verlobt war, aber dann an Tuberkulose erkrankte. Als sicher war, dass sie ihre Hochzeit nicht mehr erleben würde, bat sie ihren Vater, mit dem für die Hochzeit gesparten Geld etwas Gutes zu tun.“ Was der Vater auch tat: Er ließ einen Schrank bauen, der öffentlich zugänglich war und mit allem, was für die Krankenpflege notwendig war, bestücken. „Wer arm war, bekam die Dinge wie Verbandszeug und Wärmflaschen umsonst, wer besser betucht war, musste etwas spenden.“ Diese Idee habe sich bis nach Süddeutschland verbreitet, die Margarethenschränke seien sozusagen die ersten Sozialstationen gewesen, sagt Martina Buldt.

Wer sich selbst ein Bild von den alten Schätzen machen möchte, hat fortan jeden Mittwoch von 14 bis 18 Uhr und zusätzlich am kommenden Sonnabend, 9. Mai, Gelegenheit dazu: Dann laden der Ortskulturring Ladelund-Bramstedtlund-Karlum-Westre gemeinsam mit den Mitarbeitern des Ladelunder Dorfmuseums von 14 bis 17 Uhr zu einem offenen Nachmittag im Dorfmuseum ein. Geboten werden Führungen durch das Dorfmuseum sowie alte Spiele für Jung und Alt. Hans Feddersen und Hans-Heinrich Petersen präsentieren aus dem Archiv der Gemeinde alte Fotos mit unbekannten Personen aus Ladelund und Umgebung. Die Bramstedtlunder Künstlerin Christel Burmeister-Gronau gibt bei der Veranstaltung Auskunft darüber, wie der Jüte- oder Grützpott in das nordfriesische Wappen kam.


Das Dorfmuseum Ladelund in der Westerstraße hat bis zum 31. Oktober mittwochs von 14 bis 18 Uhr geöffnet, oder nach Vereinbarung unter Telefon 04666/723 oder -864.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen