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Giftige Baustoffe : Alte Asbestrohre bleiben oft im Boden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bei Bauarbeiten freigelegte Faserzementrohre mit Asbest werden versiegelt / Experten sehen in der Praxis keine Gefahr für die Bevölkerung

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Zur damaligen Zeit entsprachen die Rohre dem Stand der Technik, weshalb sie auch bundesweit zur Vernetzung von Wasserleitungen im Erdboden verwendet wurden. Heute aber ist bekannt, dass der in den Faserzementrohren enthaltene Asbest unter bestimmten Umständen stark gesundheitsschädigend sein kann.

Derzeit werden in Süderlügum bei der Erneuerung eines Geh- und Radwegs derartige Faserzementrohre freigelegt (wir berichteten), die auch Asbest enthalten. Für die Bürger bestehe aber keine Gefahr, betont Ralf Kimsies, Technischer Leiter beim Zweckverband Wasserversorgung Drei Harden. Im Laufe der Jahre ist das alte Leitungsnetz anfällig geworden. Im Marschboden sei es aufgrund des PH-Werts zwar meist noch gut erhalten, im Sandboden müsse es dagegen häufiger ausgetauscht werden. Als Ersatz setzt der Zweckverband Wasserversorgung Drei Harden mittlerweile Polyethylen-Rohre (PE-Rohre) ein, um das Wassernetz zu schließen. Dabei bleiben die alten Faserzementrohre größtenteils im Erdboden liegen und werden mit einer Betonmischung gefüllt, um keine Hohlräume im Erdreich zu hinterlassen. Komme es jedoch vor, dass Stücke der alten Leitung entnommen werden müssten, so werde dabei nach einem standardisierten Verfahren vorgegangen. Ein speziell geschultes Entsorgungsunternehmen aus Niebüll übernehme die Beseitigung dieser Teilstücke. Auch wenn die Faserzementrohre vielerorts noch ihre Funktion erfüllen, werden sie bei anstehenden Baumaßnahmen inzwischen oft prophylaktisch vom Netz abgekoppelt.

Asbest in Rohren ist weitgehend ungefährlich, wenn er intakt bleibt, nicht verwittert und nicht mechanisch bearbeitet wird. Nur bei unsachgemäßem Umgang werden Asbestfasern freigesetzt. Gesundheitsschädlich ist dabei in erster Linie das Einatmen dieser Fasern, die sich in der Lunge festsetzen und eine Asbestose verursachen können. Seit 1970 gilt die Asbestfaser offiziell zudem als krebserzeugend. Besonders gefährlich sind in diesem Zusammenhang Produkte mit nur schwach gebundenem Asbest, die einen Faseranteil von 60 Prozent und mehr besitzen und diese leicht wieder abgeben. Die in Südtondern verwendeten Faserzementrohre bestehen jedoch nur zu rund zehn Prozent aus Asbestfasern. So sei der vorhandene Asbestanteil vergleichbar mit den heute oft noch vorkommenden Eternitplatten auf den Dächern, erklärt Ralf Kimsies.

Komme es im Netz des Wasserverbands zu Wasserrohrbrüchen, bestehe ebenfalls keine Gefahr, „denn eine Schicht auf der Innenseite der Rohre sorgt dafür, dass das Asbest nicht in das Trinkwasser gelangt. Von außen sind die Rohre auch beschichtet.“

Ob nun die neuen PE-Kunststoffrohre langfristige die optimale Lösung seien, kann Ralf Kimsies nicht sagen. „Das wird sich wohl erst in 50 Jahren zeigen. Wie damals die Faserzementrohre entsprechen sie heute zumindest dem neusten Stand der Technik.“ Als Asbest (altgriechisch „unvergänglich“) werden verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige Silikat-Minerale bezeichnet. Asbest wurde früher als „Wunderfaser“ in über 3000 Produkten verwendet, da es eine große Festigkeit besitzt, hitze- und säurebeständig ist. Erst mit der Entdeckung der Gesundheitsgefahren ist der Einsatz des Materials verboten. So stellt Asbest inzwischen primär ein Entsorgungsproblem dar.

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