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Angst vor Wasser : Als Senior in die Schwimmschule

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Seit 40 Jahren bietet die DLRG Niebüll Kurse für ältere Nichtschwimmer / Mit langsamer Heranführung ist die Angst vorm Wasser überwindbar

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Das Land zwischen den Meeren ist auch das Land der Nichtschwimmer: Schon jeder zweite Viertklässler in Schleswig-Holstein kann nicht schwimmen. Und auch viele ältere Erwachsene tun sich mit der Bewegung im Wasser schwer. Dieses Problem ist in Südtondern bekannt: Seit 40 Jahren bietet die DLRG in Niebüll Schwimmkurse für Erwachsene an. Jeden Mittwoch treffen sich die Teilnehmer im Hallenbad. Dagmar Olschewski, 1. Vorsitzende des DLRG Niebüll, betreut die besondere Schwimmgruppe.

 

Frau Olschewski, woran liegt es, dass so viele ältere Menschen in Südtondern gar nicht oder nicht gut schwimmen können?

Dagmar Olschewski: Viele dieser Menschen haben nie Schwimmen gelernt, weil sie einfach keine Zeit dafür hatten. Auch ihre Eltern mussten nach dem Krieg hart arbeiten und hatten keine Zeit, es ihnen beizubringen. Da fehlte den Kindern damals oft die Chance.

 

Das klingt so, als wäre besonders die direkte Kriegs- und Nachkriegsgeneration betroffen?

Das stimmt. In erster Linie sind es die heute 60- und 70-Jährigen, die sich für den Kursus interessieren.

 

Wie viele Teilnehmer haben ihre Schwimmkurse im Schnitt?

Momentan sind es 15 Schwimmer und Schwimmerinnen im Kursus. Dabei muss man sagen, dass es überwiegend Frauen sind, die den Weg zu uns finden. Wir bekommen zudem regelmäßig Anfragen von Menschen, die sich über das Angebot erkundigen wollen, dann aber nicht bei uns erscheinen.

 

Woran liegt es, dass diese Menschen ihre Schwellenangst nicht überwinden können und dann einen Rückzieher machen?

In erster Linie ist es wohl Scham, den die Leute empfinden. Sie können mit diesem Problem nicht öffentlich umgehen. Sie haben das auch nicht gelernt. Zusätzlich ist da meist die Angst vor dem Wasser an sich, die dann noch Überwindung kostet.

 

Woher stammen diese Ängste vor dem Wasser – gibt es da ein Muster?

Viele Teilnehmer haben Blockaden, die durch traumatische Ereignisse ausgelöst worden sind. Zum Beispiel wird immer wieder davon berichtet, dass jemand auf den Betreffenden vom Beckenrand aus raufgesprungen ist. Oder es sind schlicht andere Erfahrungen gemacht worden, wo der Mensch lange unter Wasser war und dies als sehr bedrohlich empfunden hat.

 

Wenn belastete Schwimmanfänger dann zu Ihnen in den Kursus kommen, wie arbeiten Sie mit ihnen?

Viele haben massive Ängste vor dem Wasser. Das kann im Extremfall beim Duschen anfangen. Deswegen führen wir diese Teilnehmer dann ganz behutsam wieder an das Element heran. Dazu kann es gehören, dass man sich einfach nur mal wieder Wasser ins Gesicht spritzt. Es geht darum, sich wieder an das Wasser zu gewöhnen. In diesem Punkt ähnelt der Ansatz dem Schwimmunterricht bei Kindern.

 

Sicher gibt es auch Schwimmer, die ihre Fähigkeiten einfach wieder etwas auffrischen wollen?

Natürlich – die gibt es auch. Diese Teilnehmer genießen es dann, die ruhige Schwimmhalle für sich zu haben. Außer der Gruppe und mir ist niemand sonst dort. Es gibt also keinen lauten Schwimmbetrieb oder Kinder, auf die man achten müsste.

 

Wie wird das Angebot von den Teilnehmern angenommen?

Es ist nicht so, dass wir die Ängste, die die Nicht-Schwimmer mitbringen, hier für immer besiegen können – das ist nicht unser Ansatz. Vielmehr wollen wir den Teilnehmern Wege aufzeigen, wie man lernen kann, mit der eigenen Angst richtig umzugehen.

 


DLRG-Schwimmkurse für Ältere: Mittwochs in der Schwimmhalle Niebüll, 19.30 bis 20.45 Uhr

 

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