zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 15:23 Uhr

Als es noch 19 Tante-Emma-Läden gab

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zeitzeugin Marie Schröder (95) erinnert sich an die vielfältige und kleinteilige Versorgungsstruktur zur Zeit der Niebüller Stadtgründung

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 14:28 Uhr

Als Niebüll und Deezbüll noch zwei eng beieinander liegende Nachbardörfer waren, hatte ihnen das Umland bereits eine beachtliche Zentralität zugedacht. Im Westen die Marsch, im Osten die Nähe zur Geest und im Norden zur Grenze – zusammen boten die beiden Orte ihren Einwohnern und der ländlichen Umgebung einen beachtlichen Versorgungsgrad an. 1950 wurde das kleinere Dorf dem großen eingemeindet. Über den Namen der neuen, größeren Gemeinde war man sich schnell einig. Witzbolde fanden heraus, dass aus dem Namen von Niebüll die erste und aus dem von Deezbüll die zweite Silbe reichten, um das Großdorf „Niebüll“ zu nennen, das nun zusammen 6883 Einwohner zählte, die zum Teil in andere Bundesländer abgewanderten Flüchtlinge nicht berücksichtigt. Angesichts der auch weiterhin gewachsenen Zentralitätsfunktion erhielt das Großdorf die Stadtrechte. Das war 1960.

Wie sah es nun mit der Versorgung der Bevölkerung aus? Zeitzeugin Marie Schröder (95) ist mit ihrem E-Mobil, das sie „Molly“ nennt, vom Deezbüller „Morgenstern“ bis zur Uhlebüller „Huk“ gefahren und erinnert sich, dass es entlang der Deezbüller der Haupt- und der Uhlebüller Straße – einige Abzweigungen hinzugenommen – nicht weniger als 19 Tante-Emma-Läden/Lebensmittelgeschäfte gab.

In Deezbüll angefangen, waren es Mathias P. Ingwersen (später Kaufmann Kühl), Kalli Carstensen, „Hansen im Keller“ und Jens Friedrichsen. Ab dem Landratsamt folgten Kaufmann Schmidt, Kaiser’s Kaffee, Thams & Garfs (Gustav Cohrt, danach Jacob und heute Holger Martensen), Albert Sander, Matthies Jessen (Hugo Banane), Karl-Heinz Sander, Fritz Carstensen (Fritz Konsum), Robert Rohr, Emil Hansen (Emil Käs‘) und Grodrian. Aus der Gather Landstraße ist das Geschäft von Simon Paulsen und gegenüber dem Krankenhaus das von Inge Franzen zu nennen. Wenn „Joppe Milchmann“ nicht vorbei kam, holte man die Milch bei Kaisers oder den Franzens in der Kirchen- oder Böhmestraße.

In Erinnerung sind auch neun Bäckereien in Niebüll/Deezbüll. Von Süden nach Norden waren es Bäcker Jannsen, Dreesen (jetzt Sönke Petersen/Deezbüller Bäcker), Raffelhüschen (später Hansen), Sprengel, Lindner, Hansen (Kirchensteig) sowie Jensen Hauptstraße und Gather Landstraße.

Angestammte Schlachtereien sind und waren die von Ernst und Johannes Beier, Kark und danach Fritzsche. Hinzu kamen Knutzen und Griesbach. Heute versorgt man sich mit Fleischwaren auch – teils frisch, teils abgepackt – in den großen Verbrauchermärkten, die die kleinen Läden abgelöst haben.

Von den „backenden“ Bäckereien sind nur der Deezbüller Bäcker und die Niebüller Backstube erhalten geblieben. Milchgeschäfte existieren nicht mehr. Und wenn die Lebensmittelbranche Feierabend hat, ist noch der eine oder andere Kiosk da, der in seinem vielfältigen Sortiment auch das Nötigste im Regal hat. Nicht zu vergessen außerdem die beiden großen Tankstellen mit ihrem deutlich gewachsenem Sortiment.

Alles in allem ist diese Erinnerung einer Zeitzeugin ein Schnelldurchlauf durch eine, wie man meinen sollte, „geschäftsmäßig gut sortierte“ Stadt – allerdings ohne Anspruch auf hundertprozentige Genauigkeit, zumal mit den Jahren auch die Erinnerung verblasst. Wichtig zu wissen ist, dass in Niebüll niemand zu darben braucht. Der Versorgungsgrad in der Knapp-10  000-Einwohner-Stadt ist hoch. Das gilt aber auch für andere Gebrauchs- und Versorgungsgüter. Auch auf die hatte Mariechen Schröder ein Auge. Darüber möchte sie ein andermal mehr erzählen. 


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen