Als er die Mütze an den Haken hängte

Mathematiker, Sternengucker und Universalgenie: Hans Momsen lebte von 1735 bis 1811.
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Mathematiker, Sternengucker und Universalgenie: Hans Momsen lebte von 1735 bis 1811.

Hans Momsens Leben enthält viele interessante Episoden – und auch seine Schüler waren helle Köpfe und Friesen aus echtem Schrot und Korn

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20. Januar 2017, 17:31 Uhr

Es gab Momente und Episoden im Leben des Mathematikers, Sternenguckers und Universalgenies Hans Momsen, an die man sich gerne erinnert – teils voller Staunen und Hochachtung, teils aber auch schmunzelnd. Der Niebüller Heimatforscher und Historiker Albert Panten (Foto) hat davon einige parat.

Da ist zum Beispiel der Moment, als Momsen seine wollene Zipfelmütze an den Kleiderhaken hängte und sich einen Hut kaufte. Den setzte er auf und machte sich auf den Weg nach Kopenhagen, um seinen einstigen Schüler und Freund Heinrich Johannes Krebs zu besuchen. Diesen Fahretofter Jungen hatte er einst unterrichtet, ihn auf den Besuch des Altonaer Gymnasiums und des Studiums der Mathematik vorbereitet und auch die Basis für dessen Karriere im Militär und in der Wissenschaft geschaffen. Aus dieser Zeit blieben Kontakte beiderseitiger Hochachtung.

Die Kopenhagenreise war lange geplant und fand 1793 statt. Prof. Krebs machte seinen Mentor mit wichtigen Promis bekannt, darunter auch mit dem Grafen Reventlov. Momsen, voller Wissbegier, bekam Einblick in die Universitätsbibliothek und besuchte fast jeden Tag das Observatorium, in dem ihn die mathematischen Instrumente besonders interessierten, darunter auch eine See-Uhr, die sich allerdings im Besitz des Uhrmachers Armand befand. Als er diesen bat, ihm die Uhr zu erklären, bedeutete er dem „gewöhnlichen Landmann aus Fahretoft“, er werde von einer See-Uhr wohl wenig verstehen. Mithilfe seines Freundes Krebs wandelte sich das Blatt. Momsen war nun der „tüchtige Landmann“, dem seine Werkstatt jederzeit offen stünde. Peinlicher Schlussakt dieser Begegnung: Hans Momsen fand heraus, dass die fragliche See-Uhr, die Armand als seine Arbeit geschildert hatte, ein englisches Fabrikat war. Geistig bereichert, verabschiedete sich Momsen von seinen Kopenhagener Gastgebern und kehrte in sein stilles Nordfriesland zurück, um daheim die in Kopenhagen gesammelten Schätze zu verwerten.

Ein anderer Zeitgenosse Momsens war der bekannte Deichgraf Andreas Nissen, Sohn des Landmanns Nis Andresen aus Lindholm. Als er elf Jahre alt war, starb sein Vater. In der Schule zeichnete sich der Junge als „guter Rechner“ aus und wurde nach Fahretoft zu Hans Momsen geschickt, der ihn auf das Studium der Mathematik und Astronomie an der Kieler Uni vorbereitete. Nach dem Examen stand er in Diensten des Observatoriums in Kopenhagen und danach in Altona, wo er die „Astronomischen Hülfstafeln“ bearbeitete. Weil ihm praktische Arbeit mehr zusagte, wandte er sich 1833 dem Deichwesen zu und wurde zum Deichgrafen des ersten schleswigschen Deichverbandes Amt Tondern berufen. Sein Verdienst bestand darin, dass er ein hochgeschätzter Ratgeber zur Marschbildung an der Westküste des Herzogtums Schleswig wurde. Verdient machte er sich auch um die Verstärkung der Deiche an der Westküste und um die Erhaltung der Dünen auf Sylt und Amrum sowie die Lahnung nach der Hamburger Hallig.

Als Mensch sei er „biederen Sinnes“ gewesen, hilfsbereit, bei großem Wissen und trotz vieler Ehrungen bescheiden – und ein Friese von echtem Schrot und Korn, schrieb der Schleswiger Christian Jensen. Dieser staunte über seine mathematische Begabung, die er schon Hans Momsen bewiesen hatte. Er erklärte seine Fähigkeit mit den Worten: „Wenn man de Logarithmen utwendig weet, denn is dat een smalle Saak.“

Andreas Nissen verstarb 1883 im Alter von 90 Jahren auf Ulrichshof, wo ihm zuvor Fräulein Ulrike Jessen zu einem sorgenfreien und angenehmen Lebensabend verhalf. In der Liga der friesischen Rechenmeister galt er als Spitzenreiter, und als Deichgraf als einer, der sich dank reichen Wissens um den Schutz seiner vom Meer bedrohten Heimat verdient gemacht hat. Nissen fand seine letzte Ruhestätte auf dem Deezbüller Friedhof.

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