Neugestaltung : Aktive Unterstützung erbeten

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In der KZ-Gedenkstätte sollen unter anderem Hörstationen eingerichtet werden / Ladelunder sind aufgefordert, bei der Neugestaltung mitzuwirken

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26. Mai 2015, 08:15 Uhr

Die Dorfbewohner „ins Boot holen“ und um aktive Unterstützung bei der Beschaffung von Quellenmaterial zu bitten: Das waren laut Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk die Hauptanliegen eines Informationsabends der Kirchengemeinde St. Petri Ladelund zur geplanten Neugestaltung ihrer KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte. Als Vorsitzender des Gedenkstättenausschusses rief Joachim Ihloff noch einmal die Geschichte der Gedenkstätte seit 1950 in Erinnerung, wobei er klarstellte: „An der Gedenkstätte, dem Gräberfeld, werden wir nichts verändern, wohl aber an der Arbeit im Dokumentenhaus“ und an den Außenanlagen. Die von Dr. Jörn-Peter Leppien und Schülern der Auguste-Viktoria-Schule Flensburg entwickelte Dauerausstellung habe lange Zeit in der Vermittlungsarbeit sehr gute Dienste geleistet, sei nach 25 Jahren nun aber – besonders im IT-Bereich – „etwas in die Jahre gekommen“. Es gelte deshalb, Möglichkeiten für eigenes Handeln und forschendes Lernen zu schaffen. Dem Engagement von Dr. Harald Schmid und Stephan Linck, dem zwischenzeitlichen Leiter der Gedenkstätte, sei es zu verdanken, dass die Finanzierung der veranschlagten 500  000 Euro durch zugesagte Zuschüsse gesichert werde konnte. Sie verteile sich wie folgt: Der Bund werde 250  000 Euro übernehmen, die Landesregierung 133  000 Euro, die Bürgerstiftung SH Gedenkstätten 67  000 Euro und der Kirchenkreis Nordfriesland 50  000 Euro. Diese Mitteilung löste lautstarken Beifall aus.

Hauptpersonen der Zusammenkunft waren die seit Dezember 2014 als Kuratorin der Dauerausstellung zur einstigen Außenstelle Ladelund des KZ Neuengamme tätige Historikerin, Ausstellungsmacherin und Lektorin, Dr. Angelika Königseder (Berlin) sowie Dr. Harald Schmid von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, der das Konzept zur Erneuerung der Einrichtung geschrieben hat und an der Beantragung der Zuschüsse maßgeblich beteiligt war.

Dr. Angelika Königseder zufolge geht es bei der Umgestaltung der Gedenkstätte im Wesentlichen um zwei Vorhaben: die Erneuerung der Dauerausstellung und eine sinnvolle und kluge Verbindung zwischen den authentischen Orten – dem Lagergelände, dem Panzergraben, den Grabstätten und dem Dokumentenhaus – zu finden. Besonders in Hinblick auf die jugendlichen Besucher müsse die Ausstellung dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden. Wünschenswert sei zum Beispiel die Einrichtung von Hörstationen (eventuell mit den Stimmen ehemaliger Häftlinge oder Dorfbewohner), interaktiv zu nutzende Bilder, die Verwendung einer vom britischen Militär gefertigten Luftaufnahme zur Kennzeichnung der authentischen Orte und Textmaterial, dessen Inhalt sich aber der technischen Darstellung deutlich unterzuordnen habe. Auch wolle man versuchen, den Weg, den die Häftlinge von ihrem Unterbringungsort bis zum Panzergraben als ihrer Arbeitsstelle genommen haben, durch landschaftliche Gestaltung und zusätzliche historische Informationen deutlicher erkennbar zu machen. Der Besucher müsse sich auch dann hinreichend zurechtfinden können, wenn er gerade keinen Zugang zum Dokumentenhaus habe. Damit verbunden sei auch die Entwicklung neuer, computergestützter Lehrmaterialien. Erstrebenswert sei, Stimmen und Bilder ehemaliger Häftlinge und Zeitzeugen aufzuspüren. „Sie müssen keine Sorge haben, dass es uns darum geht, ehemalige Parteimitglieder zu denunzieren,“ so hieß es. Geplant sei, das Vorhaben im Herbst 2017 abzuschließen.

An den Vortrag der Kuratorin schloss sich ein lebhafter Gedankenaustausch an, bei dem sich der Leiter der Gedenkstätte, Raimo Alsen, als Moderator betätigte. Dabei wurde unter anderem angeregt, die Zusammenarbeit mit den Schulen zu intensivieren und Sponsoren ausfindig zu machen, welche die Buskosten von Schülergruppen übernehmen. Bei der Suche nach Fotos und Fakten könne man eventuell in Privatalben oder den „Heldengedenkbüchern“ der Gemeinden fündig werden. „Wir bitten Sie alle sehr, uns bei der Spurensuche und durch konkrete Vorschläge für die Neugestaltung der Ausstellung behilflich zu sein,“ appellierte Raimo Alsen an die Versammelten.

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