Ackerbauern nutzen das gute Wetter

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Auf den Feldern Südtonderns ist in diesen Tagen viel Betrieb zu beobachten / Kreisbauernverband verweist auf ein Wetter ohne Extreme

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23. Juli 2014, 05:00 Uhr

Auf den Feldern brummt es wieder. Ein Winter, der keiner war, und ein mildes Frühjahr haben die Vegetation so früh auf Trab gebracht, dass sich der Landwirt in seinem Metier als Ackerbauer sputen muss, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Und wenn man die bundesdeutschen Wetterkarten miteinander vergleicht, scheinen die Nordfriesen bei Petrus besonders in der Gunst zu stehen.

Das hat dann vor Ort dieses temporäre Resultat: Der Raps und die Wintergerste sind Schätzungen zufolge zu über zwei Dritteln gedroschen. Und wenn es das Wetter weiter so gut mit dem Norden meint, kann es in 10 bis 14 Tagen mit der Weizenernte in die Vollen gehen. Der Raps, berichtet Wolfgang Stapelfeldt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Südtondern, hat gute Qualität, liegt mit seinem Feuchtigkeitsgehalt unter neun Prozent und erspart Trocknungskosten.

Etliche bereits leere Ackerflächen deuten darauf hin, dass die dort wachsende Ganzpflanzensilage bereits eingefahren ist. Sie liefert Futter für die in Nordfriesland laufenden Biogasanlagen, in deren Beschickung sich ein Wandel abzeichnet. Zunehmend wendet sich der Landwirt von der Monokultur Maisanbau ab und vollzieht damit einen Wandel in der Futtergrundlage. Neu im Anbau ist Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, die sowohl für die Ernährung als auch für die Gewinnung von Kraftstoffen und Biogas eingesetzt wird – und darüber hinaus die Fruchtfolge auf den Böden verbessert.

Wo noch Mais angebaut wird, landet er nach wie vor je zur Hälfte auf dem Küchentisch und in der Biogasanlage. Nach wie vor gehen Ackerfrüchte zu 80 Prozent in die Ernährung. 20 von Hundert sind nachwachsende Rohstoffe. Das eine (die Ernährung) ist ein Muss, das andere (die Energiegewinnung) gewollt. Andersherum: die nachwachsenden und sich ständig erneuernden Rohstoffe schützen das Klima und die noch vorhandenen Ressourcen. Wolfgang Stapelfeldt rechnete vor, dass 25 Prozent des Energiebedarfs von nachwachsenden Rohstoffen gedeckt werden – und dass die (politisch gewollten) Biogasanlagen von diesem Viertel bereits sieben bis zehn Prozent liefern. Wenn Autofahrer Diesel zapfen, tanken sie sieben Prozent Rapsöl mit. Ältere Landwirte erinnern sich noch der Zeiten, als die Feldbestellung mit Pferden erledigt wurde. Um die natürlichen PS sicherzustellen, musste der Bauer zur Fütterung der Pferde auf 20 Prozent seiner Ackerflächen Hafer anbauen.

Die zurzeit vorübergehend für vier bis sechs Wochen brachliegenden Flächen sind für den Landwirt insoweit von Vorteil, als er den Einsatz seines Maschinenparks besser variieren kann. Und er kann sich den Zeitpunkt aussuchen, um dann trocken und Energie sparend pflügen zu können. Danach folgt die Einsaat für die nächste Kampagne: Dem Raps folgt der Weizen, der Wintergerste der Raps. Weizen kann zwei, drei Jahre in Folge angebaut werden.

Fazit dieser kleinen Zwischenbilanz von den Feldern: Die Bauern sind alles in allem zufrieden, bleiben aber wie gewohnt nur bedingt zuversichtlich, weil es immer wieder anders kommen kann und das Wetter Kapriolen bringt, wie in anderen Regionen mit Starkregen und anderen Extremen. „Davon sind wir in diesem Frühjahr und Sommer verschont geblieben“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Südtondern.

Nicht verschont geblieben sind die heimischen Ackerbauern von der Entwicklung der Getreidepreise. „Die bestimmt der Weltmarkt. Da können wir kleinen Nordfriesen kein Wörtchen mitreden.“

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