Abstecher ins Mittelalter

Tapfere Krieger sammelten sich ebenso um die Wehle wie Tänzer, Handwerker, Gaukler und die  Besucher aus dem 21. Jahrhundert.  Foto: dew
Tapfere Krieger sammelten sich ebenso um die Wehle wie Tänzer, Handwerker, Gaukler und die Besucher aus dem 21. Jahrhundert. Foto: dew

Großes Fest mit zahlreichen Gewandeten: Das zweite historische Treyben bot Teilnehmern und Gästen Einblick in frühere Zeiten

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02. Juli 2012, 03:59 Uhr

Niebüll | Wikinger, Urfriesen, Lottergesindel und sonstiges mittelalterlich gewandetes Volk hatte am Wochenende zum zweiten Mal seine Zelte rund um die Niebüller Wehlen aufgeschlagen. Zusammen mit der Frisia Historica feierten sie das "zweyte Friesisch-Historische Treyben zu Niebüll".

"Es war bei uns deutlich mehr los als bei der ersten Veranstaltung, die wir von unserm Domizil an der Stedesander Klinkerstraße bewusst in die Stadt verlegt haben. So konnten wir uns einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren", sagte Stefan Nissen, "Chefhistoricus" des Vereins Frisia Historica. Was die Anhänger bewegt, sich so intensiv, längst vergangenen Epochen zuzuwenden? Stefan Nissen nennt eine Reihe von Gründen. Da wäre beispielsweise die Übersättigung mit hochtechnisierten Neuerungen auf der einen und der Wunsch, einmal abzuschalten und sich der Richtung zuzuwenden, "aus der wir kommen" auf der andern Seite. Schließlich sei es auch pure Neugier, die Lebensweise der Urahnen aufzuspüren und sie - wenn auch nur in Facetten - nachzuempfinden. "Und da haben wir viele Gleichgesinnte", so Nisse. Er wies auf Teilnehmer aus ganz Schleswig-Holstein, dem Hamburger Randgebiet sowie aus Niedersachsen und noch entfernteren Regionen hin.

Die Zeltstadt verteilte sich auf die Wiesen zwischen der Bade- und zweiten Wehle - hier die Salzsieder aus Bremen, die Regenbogenfärber aus Hamburg, Imker aus Nordfriesland, Filzer aus Niebüll, Töpfer aus Kiel und Rendsburg, da hanseatische und Risum-Lindholmer Schmiede und Tänzerinnen aus Eiderstedt - ferner Spielmacher, Holzschnitzer, Korbflechter und Bogenbauer. Sie alle waren bei der Arbeit zu beobachten, boten ihre Produkte feil und erklärten, "wie das geht".

Stefan Nissen und seine Mitstreiter ordnen die Zeit ihres historischen Treybens etwa ins 9. bis 13. Jahrhundert ein. Mittelalterliche Waffenkunst durfte bei der Veranstaltung ebenso wenig fehlen wie die Musik, die die friesische Formation Wortsatia aus dem Lande Wursten auf Instrumenten wie Horn, Trommel oder der spanischen Gaita spielte.

"Bei unserm Treyben entdecken wir dann auch oft etwas Neues", berichtete Nissen über manch überraschenden Aha-Effekt. Und es sei nicht immer die bloße Tätigkeit, die früher ausgeübt wurde. Es interessiere auch der Zweck und Nutzen, wie ihn etwa die Salzsieder entdeckten und zu Wohlstand kamen. Es gab auf dem großen Gelände der praktizierenden "Historiker" viel zu entdecken und manch schöne Sachen zu kaufen.

Der Wettergott war dem Treyben milde gestimmt, wenngleich es beim Umzug durch die Stadt ein wenig regnete und danach schwülwarm war. Doch alles in allem waren die Teilnehmer zufrieden und dankbar für ein schönes Sommerwochenende. Dankbar waren Stefan Nissen und seine emsigen Barden auch der Stadt Niebüll und dem Amt für unbürokratischen Beistand - und besonders dankbar den Sponsoren und Spendern, die der Historica halfen, die mittelalterliche Fete zu finanzieren und letztlich auch dazu beitrugen, von weither gekommenen Freunden eine gastliche nordfriesische Heimat zu präsentieren.

Das friesisch-historische Treyben, so hoffen Stefan Nissen und seine "mittelalterliche Familie", soll Fortbestand haben und auch im nächsten und den folgenden Jahren einen festen Termin an den Niebüller Wehlen behalten.

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