Kirchenmusik : Abschied nach 49 ereignisreichen Jahren

Kirchenmusikdirektor a. D. Friedrich Nehmiz (83) und seine Frau Ruth ziehen nach Delmenhorst in die Nähe ihrer Kinder

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08. Juli 2014, 05:00 Uhr

Für ihn war es mit Abstand die schönste Zeit im Leben. Sie freute sich, wenn sie älteren Menschen und Müttern mit Kindern vom Bahnhof hinüber zur „Kleinbahn“ helfen konnte. Zwei bekannte, beliebte und verdiente Niebüller verlassen nach 49 Jahren ihre „zweite Heimat“. Kirchenmusikdirektor a. D. Friedrich Nehmiz (83) und seine Frau Ruth ziehen nach Delmenhorst in die Nähe ihrer Kinder. Alter, Gesundheitszustand und die Ferne zu den Kindern haben den Entschluss beflügelt, die längst zu einem echten Zuhause gewordene Wahlheimat Niebüll zu verlassen. Es war der damalige Pastor Walter Schröder, der Friedrich Nehmiz nach Niebüll holte. Nehmiz reizte der von Wilhelm Rahnenführer aufgebaute Kirchenchor, die Marcussen-Orgel, die Stadt mit dem schulischen Angebot, ihrer Infrastruktur und nicht zuletzt die große Wohnung in der Hauptstraße 1, in der einst Dr. med. Enno Müller-Jürgens residierte und die genügend Platz für die achtköpfige Familie bot. „Niebüll hatte damals 6000 Einwohner“, erinnert sich Friedrich Nehmiz, der schnell heimisch wurde. Seine sechs Kinder – bis auf eine Ausnahme in Bad Godesberg zur Welt gekommen – machten der Reihe nach das Abi an der FPS, an der der Vater in den 1970-ern vorübergehend als Lehrer aushalf. Nehmiz taten sich schnell Möglichkeiten auf, neben seinen kirchlichen Pflichten aktiv zu werden. Er baute einen Flötenkreis auf, rief den Posaunenchor ins Leben, war als Orgelsachverständiger gefragt, in einem Metier, das er vor seinem Musikstudium in Köln als Orgelbauer gelernt hatte, und war auch heimischen Bräuchen zugetan, wie etwa dem „Beiern“ im Glockenturm der Apostelkirche, wo er den Tönen „g“, „b“ und „c“ der drei Glocken zu Heiligabend mit dem Holzklöppel das „entsprungene Ros“ entlockte.

Im Kirchenchor war er ohnehin schnell zu Hause. Die Damen und Herren der anerkannt hochklassigen Gesangformation (vor allem bekannt durch ihre Weihnachtsoratorien) gaben ihm den friesischen Beinamen „Fiete Musik“. Nehmiz war schnell zur Gallionsfigur der heimischen Kirchenmusik geworden, nicht nur als Profi am Manual, sondern ebenso durch seine Qualitäten als Mensch, mit dem man viel Spaß hatte. „Wir waren gerne Niebüller.“ Das bekundet auch Ruth Nehmiz, die 20 Jahre ehrenamtlichen Dienst in der kirchlichen Bahnhofsmission leistete. Ihre Hilfe kam Reisenden zugute, die hinüber nach Föhr und Amrum wollten. „Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt.“ Ruth Nehmiz, sechsfache Mutter, 13-fache Großmutter, achtfache „Schwiegeroma“ und vierfache Urgroßmutter, freut sich, nun in der Nähe der Kinder zu sein.

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