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Abriss: „Und wieder verschwindet ein Stück altes Niebüll“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 02.Jun.2016 | 10:33 Uhr

Das Gebäude Osterweg/Ecke Peter-Schmidts-Weg wird abgerissen. Einst war es ein Bauernhof, zuletzt war hier die Gaststätte „Schmidts No. 5“ untergebracht.

Karl-Heinz Michaelsen steht nachdenklich am Bauzaun am Osterweg und denkt an seine Kindheit. „Wieder verschwindet ein Stück altes Niebüll,“ sagt er und weist auf die Gaststätte, die mit viel Live-Musik eine der letzten Tanzboden-Vergnüglichkeiten der Stadt anbot. Der Erbe, ein Nachfahre von Gustav Jannsen, verstarb, die Schanklizenz wurde nicht wieder erneuert, und so kaufte ein Sylter Immobilienhändler das Gelände, um dort Seniorenwohnungen zu errichten.

Der 78-Jährige Nachbar denkt an früher: „Wir haben hier als Kinder gespielt, das Grundstück reichte herunter bis zur Bahn.“ Dort steht heute sein Einfamilienhaus. Im Geschichtsverein erfährt er mehr. Beate Jandt zückt gemeinsam mit Guido Tödt die Mappe der Peter-Müller-Chronik: Das frühere Bauernhaus von Gustav Jannsen gehörte vor 90 Jahren einem Heinrich Hansen, Heie Fuhrmann genannt; er hatte auch eine Bockmühle in Fahretoft. Nach seinem Ableben verkauften die Erben es an Peter Hansen, Pitje Muik genannt. Der beging Wechselfälschungen, ging pleite und versuchte, nach Amerika zu fliehen. Das Vorhaben scheiterte.

Aus der Konkursmasse kaufte Gustav Jannsen den Hof. Das alte Haus ließ er erneuern, jedoch in der alten Form erhalten. Später wurde das Gebäude zur „Gaststätte NF“ samt Spielhalle. „Die Pächter wechselten, ich kann mich nicht an jeden erinnern. Mal war es ein Kellner aus Dagebüll, mal ein Taxenunternehmer“, so Karl-Heinz Michaelsen.

In diesen Tagen rückt der Bagger an, dann ist Schluss mit den Reminiszenzen. „Ich habe eine Karte von Niebüll, in der jedes abgerissene Haus verzeichnet ist“, so der Ur-Niebüller. „Eine Menge an Kreuzen ist zusammengekommen.“


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