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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 08:13 Uhr

Ab in den Gemeinschaftsgarten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Pflanzen, Pflegen und Ernten als nachhaltiges Erlebnis-Projekt: Der Verein „Go!müse“ startet mit neuem Grundstück in die neue Saison

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 10:32 Uhr

Die ersten Pflanzen sind schon in der Erde: Möhren und Steckzwiebeln haben die Mitglieder von „Go!müse“ bereits gesetzt. „Eine gute Pflanzgemeinschaft“, sagt Norbert Maack. Der 67-Jährige ist überzeugtes Mitglied des Vereins, der im Mai 2015 gegründet wurde. Regionalität, Nachhaltigkeit und Verzicht auf Pestizide sind den Hobbygärtnern wichtig, zudem das Erlebnis in der Gruppe. Denn Gemeinschaftsgefühl, Austausch, lernen und experimentieren sind Ziele des Vereins. So hatte etwa die Vorsitzende Melina Burmeister anfangs laut eigener Aussage „überhaupt keine Ahnung vom Gärtnern“.

Das hat sich grundlegend geändert: Die erste Saison hat die südtonderaner Initiative in zwei Testgärten in Leck und Niebüll gestaltet. Jetzt können die inzwischen 18 zahlenden Mitglieder größer gärtnern: In seiner gerade gestarteten zweiten Saison kann „Go!müse“ ein Grundstück in Risum-Lindholm beackern, das ihnen der Besitzer überlassen hat. Rund 800 Quadratmeter stehen dem Verein auf einer ehemaligen Schafkoppel, zur Verfügung. Ein Teil davon wurde bereits mit Maschinenhilfe gepflügt und gefräst. Für die Feinarbeiten ist Muskelkraft gefragt.

Mit Hacke, Harke und Sauzahn befreien die Mitglieder den Boden von Grassoden und Quäke. Die Gemeinschaftsgärtner wissen längst: Bis gepflanzt, gesät, gegossen, gehegt und schließlich geerntet werden kann, ist viel zu tun. „Ich habe zwar einen eigenen Garten, bei mir fehlte aber die Motivation, ein Gemüsebeet anzulegen. Es ist ja schon ein Angang“, gibt Ariana Jannsen zu. Beim Solidar-Projekt ist die 35-Jährige allerdings eifrig dabei – und hofft, dass ihre Kinder sich auch irgendwann fürs Gärtnern interessieren. Mit vorgezüchteten Jungpflanzen wird der Nachwuchs bereits konfrontiert, die stehen nämlich in großer Zahl bei Ariana Jannsen auf der Fensterbank.

Sehen, wo das Gemüse herkommt und nicht einfach im Supermarkt zur in Plastik verschweißten Ware greifen – das ist ein Beweggrund, warum Hauke Lüders im Verein anpackt. „Und irgendwann kommt vielleicht einmal die Zeit, wo man Gärtnerwissen brauchen kann, wenn zum Beispiel anderswo die Böden verseucht sind.“ Die gemeinsame Arbeit ist das eine, die Ernte das andere: „Im letzten Jahr waren unsere Erträge nicht besonders gut“, fasst der 37-Jährige zusammen, was auch am Arbeitseinsatz der Gärtner gelegen habe.

Jedoch: Die „Go!müse“-Gruppe hat dazugelernt. „Und das ist gut so, es ist schön, dass wir Fehler machen dürfen und niemand deshalb sauer ist“, sagt die Vereinsvorsitzende Melina Burmeister. Entspannt und fröhlich arbeiten die Mitglieder gemeinsam, allerdings ist inzwischen alles besser organisiert als am Anfang: Es gibt jeweils Gruppen für zum Beispiel Planung, Bewässerung und Vorzucht von Pflanzen. Die Planungsgruppe hat entschieden, die zu beackernde Fläche als Rundbeet mit Wegen dazwischen anzulegen – und alle ziehen mit. Im Mittelkreis sollen Kräuter wachsen, in den Ringen darum werden zum Beispiel Kohlsorten aller Art, Sellerie, Erbsen und Kartoffeln hoffentlich gut gedeihen. Und Rote Beete: „Die war im vergangenen Jahr der Renner und extrem lecker“, sind sich die Mitglieder einig. Zudem nimmt der Verein am Projekt „1000 Gärten“ teil. Diese Initiative will Sojabohnen in Deutschland heimisch machen – dank „Go!müse“ wird auch getestet, ob Soja-Saat vielleicht gerade in Nordfriesland gut aufgeht. Übrigens: „Man muss kein Vegetarier sein, um Mitglied bei uns zu werden“, sagt Melina Burmeister lächelnd.

Erste vegetarische Mitesser haben allerdings schon Interesse gezeigt, obwohl die Aussaat erst am Anfang steht: Die Holzschilder, die markieren, was wo wächst, wurden bereits angeknabbert, vermutlich von Rehen. Deshalb kommt der Verein wohl um einen Zaun nicht herum. Auch Kaninchen buddeln im Beet, zudem rechnen die Mitglieder damit, dass Drahtwürmer zu einem Problem werden können. Doch: Ungebetene Gäste werden gemäß dem Vereins-Selbstverständnis nicht mit Chemie vertreiben, sondern rein ökologisch und im Einklang mit der Natur.

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