Grossübung : 95 Helfer proben den Ernstfall

Geschminkte Statisten aus Stadum und Leck sorgten bei der Übung für möglichst authentische Einsatzbedingungen.
Geschminkte Statisten aus Stadum und Leck sorgten bei der Übung für möglichst authentische Einsatzbedingungen.

Um auch möglichst unter realen Bedingungen retten zu können, fand am Sonnabend in Leck eine Großübung unter Geheimhaltung statt.

shz.de von
11. Mai 2015, 08:00 Uhr

Ein schreckliches Szenario bot ein Verkehrsunfall auf der B  199 am Sonnabend: Bei einem Zusammenprall von einem Bus mit einem Auto starben vier Menschen, 25 Fahrgäste wurden schwer bis leicht verletzt. Rund 80 Feuerwehrmänner und 15 Sanitäter hatten alle Hände voll zu tun und konnten ihre professionelle Arbeit unter Beweis stellen. Glücklicherweise handelte es sich nur um eine groß angelegte Übung.

Um den Leistungsstand zu prüfen, setzt die Freiwillige Feuerwehr Leck sporadisch Übungen auf den Plan. Die Feuerwehrmänner Björn Wolff, Sven Bobrowski, Thomas Stell und Frank Tellermann hatten die Aktion ausgearbeitet. Mit ins Boot geholt hatten sie Elke Schley von der DRK-Bereitschaft Leck. Strikt geheim blieb das Vorhaben, schließlich sollte der Ernstfall geprobt werden.

Um 9.54 Uhr ging der Notruf ein: „Verkehrsunfall, Lebensgefahr, Flensburger Straße, unbekannte Anzahl Verletzte.“ Nach nur sechs Minuten traf Einsatzleiter Michael Bruch ein, im Sekundentakt folgten zwölf Einsatzfahrzeuge. Zu Hilfe eilten die Feuerwehren aus Klixbüll und Oster-Schnatebüll/Klintum sowie Sanitäter von den DRK-Bereitschaften Leck und Niebüll. Imaginär wurden Polizei, Krankenwagen und Hubschrauber angefordert. Um den Verkehr auf der Bundesstraße nicht zu gefährden, war der Tatort auf das Gelände neben „Wolles Möbelladen“ verlegt worden.

Aus dem von der Firma JOZA gestellten „Linienbus“ drangen nun verzweifelte Hilferufe und Schreie. Die Busfahrerin lag blutüberströmt über dem Lenker, die Fahrgäste – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – lagen bewusstlos auf dem Boden, saßen leichenblass unter Schock apathisch da oder machten lautstark auf sich aufmerksam. „Ganz ruhig, wir kriegen alles hin“, beruhigten die Einsatzkräfte immer wieder und retteten einen nach dem anderen. Eine Person war aus unerklärlichen Gründen unter den Bus geraten und musste befreit werden. Wie sich herausstellte, fehlte eine Mutter mit ihrem dreijährigen Kind. Unter Schock war sie geflüchtet. Zwei Flächensuchhunde der Arbeiter-Samariter-Bund-Rettungshundestaffel Südtondern spürten sie auf.

Zu spät kam die Hilfe unter Einsatz der Rettungsschere für ein Ehepaar und seine beiden Kinder im Mitsubishi Galant. Das Baby war nicht angeschnallt gewesen und unter den Vordersitz geschleudert worden. Alle erlagen noch am Unfallort ihren Verletzungen. In diesem Fall handelte es sich natürlich um Dummies.

Die Verletzten aus dem Bus, allesamt quicklebendige Statisten aus Stadum und Leck, waren vom Roten Kreuz geschminkt worden und spielten ihre Rollen ausgezeichnet. Nun lag es an den Sanitätern, offene Brüche, Schnittwunden oder Schleudertrauma zu behandeln. DRK-Bereitschaftsleiterin Elke Schley aus Leck freute sich: „Es hat alles bestens geklappt.“

Dieses Fazit zog ebenfalls Einsatzleiter Michael Bruch: „Die Feuerwehrmänner haben sehr gut, ruhig und besonnen gearbeitet.“ Er lobte die Geheimhaltung, denn die Einsatzkräfte zeigten sich in der Tat sehr überrascht. „Ich stand ganz schön unter Adrenalin“, gestand beispielsweise Richard Ingwersen und um seinen Einsatz kam auch Geburtstagskind Timo Süßmann nicht herum – es war eben wie im Ernstfall.

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