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Nordfriesland Tageblatt

24. November 2017 | 19:53 Uhr

8000 Hektar Raps in voller Blüte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bauernverband Südtondern erwartet auch bei Weizen und Hafer gute Erträge – nach kaltem April zeigt sich der Mai bisher freundlich

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 11:15 Uhr

Diese Tage sind nicht nur die Zeit, in die es viele Ausflügler zu den leuchtend gelben Rapsfeldern an der Westküste zieht. Sie gelten auch als Anzeichen dafür, was das laufende Erntejahr bringen wird und kann. Zuweilen werden auch alte Bauernregeln aus der Schublade geholt, die in Reime gefassten Beobachtungsergebnisse aus Jahrhunderten. Vom Monat, in dem der Bauer nach einem Volkslied einst das Rösslein anspannte, heißt es: „Feuchter März – des Bauern Schmerz.“ Vom Folgemonat sagt man: „April windig und trocken, läßt`‘s Wachstum stocken.“ Hoffnungsvoller wird der Wonnemonat besungen: „Im Mai ein warmer Regen? Der bedeutet Früchtesegen.“ Egal ob’s stimmt oder nicht, ist an diesem Spruch allemal was dran: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder es bleibt, wie es ist.“

Wolfgang Stapelfeldt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Südtondern, schildert die Gegenwart nach seinen Beobachtungen, die von einem „Ausreißer“ bestimmt sind. In diesem Winter sind Schnee und Eis ausgeblieben. War das ein Vorteil oder Nachteil? „Man wird sehen. Abweichend von der Normalität ist der April viel zu kalt und trocken und damit wenig wachstumsfördernd gewesen.“ Für die Aussaat des Sommergetreides hingegen sei das günstig gewesen. Gedrillt wurden Sommerweizen und vor allem auch Hafer, für den gute Erträge erwartet werden. Der Mais befinde sich zurzeit auf dem Rückzug von der Marsch auf die Geest, weil die Marschböden bei der Ernte entweder bisweilen unüberwindlich waren und auch zu sehr litten.

Stapelfeldt sieht den April zwar wenig bauernfreundlich. „Dafür zeigt sich der Mai deutlich günstiger, was Niederschläge und Temperaturen angeht“, sagt er. Allerdings lässt die bevorstehende erste Heuernte Mindererträge erwarten, weil widrige Wachstumsbedingungen den Proteingehalt reduziert hätten. Ob die Natur beim zweiten und dritten Schnitt zu einer besseren Heuqualität beiträgt, müsse abgewartet werden.

„Über den Raps können wir nicht klagen“, überblickt Stapelfeldt ein prachtvoll gelb blühendes Paradies in der Marsch. Die Rapsschläge haben mittlerweile Größen bis zu 70, 80 Hektar erreicht. Insgesamt blühen zurzeit in Nordfriesland – so schätzt er – an die 8000 Hektar Rapsfelder. Zufrieden müsse man auch mit dem Wintergetreide sein. Es verdiene den Namen zwar nicht, weil es keinen Winter gab. „Doch es steht gut!“

Was es sonst noch gibt? Auf den Weiden fällt auf, dass die Schafe nahezu alle „frisiert“ sind, die jährliche Schur also hinter sich haben. Stapelfeldt berichtet, dass die Schäfer dazu übergegangen seien, die Schur für die Mutterschafe bereits vor dem Ablammen anzugehen. Auf den Weiden fällt auf, dass man dort weniger Rinder laufen sieht – vornehmlich kaum noch Milchkühe, dafür mehr Rinder für die Bullenmast. Grund dafür seien die stark angewachsenen Bestände in den Betrieben. Diese zum Melken von der Weide in den Melkstand zu holen, sei mit zu viel Aufwand verbunden.

Übrigens habe sich die vor kurzem noch dramatische Preissituation auf dem Milchmarkt wieder beruhigt. Zum Jubel sei laut des Experten aber noch kein Anlass, weil die Löcher mit den roten Zahlen erst in zwei, drei Jahren gestopft sein dürften. Die Schweinehaltung lohne auch wieder mehr, berichtet Stapelfeldt. Das gelte auch für die Gegenwart, in der die Grillsaison erste Anfänge erlebt und die Grillhaxe stärker gefragt sein wird. Und mit dem Preis geht es auch aufwärts. Der Preis für ein Kilo Schlachtgewicht ist von 1,45 auf 1,80 Euro gestiegen.

Alles in allem kann die gegenwärtig freundliche Situation in der Landwirtschaft nur noch durch eine gute Ernte getoppt werden. Hinzu kommt, dass sich der Bauer nicht unterkriegen lasse, dass er die Natur als Partner sieht, der ihn zeitlebens begleitet. Zudem gehöre zum bäuerlichen Beruf ein unerschütterlicher Optimismus. Für den Bauen sei die Flasche nicht halb leer, sondern immer halb voll.  

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