zur Navigation springen

Eisiges Kulturgut : 60 Jahre dörfliches Gefrierhaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die 45 Kälteboxen sind bis heute bei Dorfbewohnern, Jägern und Fischern sehr gefragt – sie werden zum Teil mit Ökostrom gekühlt.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 15:57 Uhr

Früher mussten Fleisch und Gemüse eingeweckt oder eingekocht werden, um es längere Zeit nach dem Schlachten oder der Ernte auf dem Speiseplan zur Verfügung zu haben. Als es dann Strom gab, taten sich Haus- und Dorfgemeinschaften zusammen, bauten sich ein Kühlhaus und lagerten dort leicht verderbliche Nahrungsmittel ein und bedienten sich nach Bedarf aus den Kühlboxen.

In der Ortschaft Klockries (Gemeinde Risum-Lindholm) gibt es ein solches gemeinschaftliches Tiefgefrierhaus noch heute. Trotz Kühltruhe und Kühlschrank halten es die zurzeit 38 Mitglieder dieser dörflichen Selbsthilfeeinrichtung für unentbehrlich und setzen auf die Güte des tiefgefrorenen Inhalts ihrer Kühlboxen. Johann Jappsen, Vorsitzender der Tiefgefriergemeinschaft Klockries, bezeichnet diese Einrichtung sogar als „Kulturgut“. Warum eigentlich auch nicht, weil es hier schließlich um etwas geht, das der Ernährung dient und Essgewohnheiten auch international zum „way of life“ zählen.

Man schrieb das Jahr 1956, als die Klockrieser auf die Idee kamen, sich ein Kühlhaus zu bauen. Maurermeister Johann Ottsen erhielt den Auftrag zum Bau des Kühlhauses, das 20 000 D-Mark kostete und seinen Platz schräg gegenüber der früheren Gaststätte von Heinrich Schmidt fand, gut erhalten ist und vor einiger Zeit nur ein neues Dach und 1996 ein neues Kühlaggregat erhielt.

Die erste Kühlanlage lieferte die Firma Klaus aus Flensburg. Eine Außenlampe signalisiert die ordnungsgemäße Kühlung. Arne Hansen von nebenan hat ein Auge auf die Lampe. Wenn sie rot aufleuchtet, ist „etwas“ an der Kühlung. Er schlägt dann Alarm, der eine möglichst schnelle Reaktion auslöst, damit drinnen ja nichts verdirbt.

Zuerst wurde das Gefrierhaus von einer beim Amtsgericht Niebüll eingetragenen Genossenschaft betrieben, die sich 1983 auflöste und in eine „Tiefgefriergemeinschaft“ umwandelte. Von den 45 Gefrierboxen sind zurzeit sechs frei. Die Boxen fassen 250 Liter Inhalt, kosten 60 Euro Gebühr plus Stromgeld jährlich und können auch halbiert angeboten werden. Betrieben wird die Kühlung zu einem Zehntel mit von den Stadtwerken Niebüll gesponsertem Ökostrom – für etwa 2500 Euro jährlich. In den Boxen wird Schweine- und Rindfleisch eingelagert. Vor seiner Einlagerung kann Fleisch dort auch abgehangen werden. Außerdem findet die Beute der Jäger und Angler Platz in den Boxen.

Die Idee zum Bau des Gefrierhauses kam „aus dem Dorf“. In den ersten Jahren gehörten dem Vorstand der Genossenschaft Bürger wie Peter Nicolai Petersen, Karl-August Kruse und Christian Ingwer Nickelsen an. Vorsitzender der Tiefgefriergemeinschaft ist seit 2007 Johann Jappsen. Den heutigen Vorstand bilden außerdem Hans Olde Hansen als Schatzmeister und weitere Mitglieder wie Ralf Johansen und Bärbel Jappsen. Einmal im Jahr wird eine Generalversammlung abgehalten und Grünkohl genossen – früher bei Elfriede Johannsen (EL Shalom), jetzt im Andersenhaus.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen