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Flugplatz-Konversion : 400 Seiten für die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Leck, Klixbüll und Tinningstedt stellen die Konversionsplanung für den ehemaligen Flugplatz vor.

Es klingt schon recht futuristisch, wenn von Begriffen wie „Airpark“, „Fly-In-Village“ und gewaltigen „Data-Centern“ die Rede ist. Die Oberhäupter der drei Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt sind aber dennoch überzeugt, dass das Ergebnis ihrer zweieinhalbjährigen Planung zur Nachnutzung des ehemaligen Flugplatzes fruchten wird. Gestern stellten Rüdiger Skule Langbehn, Werner Schweizer und Dirk Enewaldsen zusammen mit Konversionsexperten sowie Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, des Landkreises Nordfriesland und des Wirtschaftsministeriums im Lecker Rathaus den aktuellen Stand der Konversionsplanung vor. Dieser erstreckt sich mittlerweile auf einen 400-Seiten-Ordner. Von einem „schwergewichtigen“ Thema sprachen daher die Versammelten. Und einer „schwergewichtige Aufgabe“, die es gemeinsam zu bewältigen gelte.

Erstaufnahmeeinrichtung

Eines der größten Herausforderungen sei es dabei, den vom Land Schleswig-Holstein erst vor wenigen Wochen angekündigten Aufbau einer Erstaufnahmeeinrichtung für 2000 Flüchtlinge in die bereits bestehenden Konzepte zu integrieren. Eine Aufgabe, die nach Angaben der Planungsgruppe überraschend kam. Damit die eigenen Konversionspläne nicht gefährdet werden, fanden unverzüglich Gespräche mit dem Land statt, um einen passenden Standort für die Flüchtlinge zu finden. Denn ursprünglich sollte die Erstaufnahme im Bereich des vorgesehen Businessparks im Osten des Areals entstehen, was jedoch die Vermarktung der Gewerbeflächen dort verhindert hätte. So einigte man sich, für die Flüchtlinge fünf Hektar Fläche des Airparks zur Verfügung zu stellen. Unweit der Shelter werden voraussichtlich Anfang 2016 die bis zu 900 Container aufgestellt. Zum künftigen „Dorf im Dorf“ besteht bereits ein Zuweg, der durch ein kleines Waldstück zur B 199 führt. Rund zweieinhalb Kilometer müssen die Flüchtlinge vom neuen Standort zum Ortskern laufen, wobei direkt an der Bundesstraße auch eine Bushaltestelle vorhanden ist. Für das Containerdorf muss eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, die der Airpark später nutzen kann. „Eine Win-Win-Situation für alle“, so Konversionsplaner Hartmut Röder von der GKU Standortentwicklung GmbH, der auf der Pressekonferenz einen Überblick über das Gesamtkonzept gab. „Wir müssen die humanitäre Pflicht zur Flüchtlingshilfe und das Konversionsprojekt als Existenzgrundlage der Gemeinden in Einklang bringen.“

Airpark

Mittelpunkt der Entwicklungstrategie bleibt die Luftverkehrsanlage im Herzen des 320 Hektar großen Areals. Dabei wird der weiterhin dominierende Flugplatz-Charakter nicht als Standortnachteil gesehen, sondern als Chance. Sämtliche flugspezifischen Aktivitäten werden in einem „Airpark“ gebündelt. Die Grasbahn der Flugsportgruppe Leck wird aufgegeben, dafür starten und landen die Piloten künftig ebenfalls von der bestehenden Asphaltbahn im Westen. Zusätzlich wird eine weitere Segelflugbahn errichtet. Und die gesamte Luftverkehrsanlage wird dann – wie bisher – als Sonderlandeplatz betrieben.

Unweit der bestehenden elf Shelter ist ein Flieger-Feriendorf vorgesehen, „Fly-In-Nordfriesland“ genannt. Konzipiert ist es für Luftfahrttouristen, denen dort vermutlich ab dem Jahr 2020 Ferienhäuser mit Flugzeugunterstellplätzen zur Verfügung stehen. Zusätzlich ist die Planungsgruppe bemüht, Luftfahrtgewerbe und Luftfahrt-affines Gewerbe anzusiedeln. So habe bereits eine Sylter Fluggesellschaft Nutzungsinteresse bekundet. „Diese zusätzliche Nutzung wäre aber äußerst gering. Daher ist keine großer Zunahme der Flugbewegungen zu befürchten“, betont Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer.

Businesspark

Der Businesspark zielt auf energieintensive Firmen ab, wobei bei diesen Unternehmen eine Eigenproduktion von Strom mit regenerativen Energien eine Rolle spielen wird. „Das ist eine relativ große Zielgruppe, beispielsweise gehört die Nahrungsindustrie dazu“, erklärt Hartmut Röder. Ein Schlüsselprojekt des Businessparks könnte auch die Ansiedlung von Datenverarbeitungszentren, sogenannten Data-Centern sein, für die 60 Hektar Fläche bereitstehen. „Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof zur unzureichenden Sicherheit europäischer Daten bei Datenspeicherung in den USA ist der Bedarf da, in Europa Speichermöglichkeiten zu schaffen. Apple zum Beispiel baut derzeit große Datenzentren in Galway in Irland sowie Viborg in Dänemark“, so der Konversionplaner Röder. Auch Leck sei als Standort für Datenzentren durchaus von Interesse.

Im Osten des Businessparks wird sich wiederum in ein paar Jahren Wohnbebauung mit bis zu 120 Einfamilienhäusern anschließen, um eine Verbindung zwischen dem gesamten interkommunalen Projekt und dem Ortskern Leck herzustellen.

Kosten und Zeitrahmen

Rund zehn Millionen Euro wollen die Kommunen für ihre großen Pläne investieren, wobei die drei Gemeinden mit Förderungen rechnen. Einen Teil der Kosten sollen auch Investoren übernehmen. Ziel des umfangreichen Konversionsprojekts sei es, dem strukturschwachen ländlichen Raum eine Zukunftsperspektive zu geben und bis zu 400 Arbeitsplätze zu schaffen. „Im nächsten Jahr wird sich dann zeigen, inwieweit Interesse für die Parks besteht“, fasste Röder zusammen und lobte zugleich: „ Bei mehr als 70 Prozent der künftigen Nutzfläche wird bereits mit Investoren und Unternehmen verhandelt. Dass in einem Konversionsplanungprozess solche Aussichten auf eine Umsetzung vorhanden sind, ist sonst eher selten.“

In einigen Bereichen des noch vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) für eventuelle Naturschutzflächen sichergestellten Areals könne vermutlich bereits 2016 mit dem Beginn von Erschließungs- und Baumaßnahmen gerechnet werden, da das MELUR Lösungsbereitschaft signalisiert habe, gab Burkhard Jansen vom Kreis Nordfriesland bekannt. Die Entwicklung des Areals sei ein kontinuierlicher Prozess, der sich wiederum über einen langen Zeitraum ziehen werde. „Das Ganze ist die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte – nicht nur für Leck, sondern für die gesamte Region“, freut sich Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn.

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erstellt am 26.Nov.2015 | 19:44 Uhr

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