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Ausstellung in Rodenäs : 40 Originalgrafiken von 37 Künstlern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ernst Barlach, A. Paul Weber, Irene Peschick: Kulturstation Zollhäuser in Rodenäs präsentiert die „Sammlung Arend Bertzbach II“

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 14:05 Uhr

Barbara Schmidt-Tychsen und Elke Nord sind die beiden engagierten Kulturfrauen im Norden von Deutschland, direkt an der dänischen Grenze. Ihre Kulturstation besteht zehn Jahre, doch feiern wollen sie nicht. „Dafür haben wir keine Zeit“, sagen die beiden Allround-Managerinnen, die ehrenamtlich im Einsatz sind. Gerade haben sie die Ausstellung Sammlung Arend Bertzbach II realisiert. Zu sehen sind 40 Originalgrafiken von 37 Künstlern.

Es wird spannend: Die beiden bekanntesten Künstler sind wohl Ernst Barlach und A. Paul Weber. „Bei der Auswahl der Grafiken haben wir weitgehend nicht auf die Namen der Künstler geachtet, sondern uns die Blätter ausgesucht, die uns interessant erschienen und gefielen. So konnten wir auch neun Blätter nicht identifizieren, die Signaturen sind unleserlich“, lautet die Ansage. Es ist eine Vielfalt unterschiedlichster Stile und Techniken zu sehen: Eine Gruppe von Künstlern mit eher traditionellen Motiven, beispielsweise Metten Koornstra und ein polnischer Künstler, Künstler mit abstrakten ungegenständlichen Bildlösungen wie Bram van Velde oder L.G. Eerenbeem. Interessant sind auch die Darstellungen, auf denen zahlreiche Details miteinander kombiniert werden, so die Arbeiten von René Bertholo oder André Thomkins

Eine szenische Darstellung liefert Hans Meyboden. Bilder, deren Technik auch einen haptischen Eindruck vermitteln, kommen von einem unbekannter Künstler. Die Scripturale Malerei von Bunz oder Irene Peschick ist ebenfalls vertreten.

Elke Nord und Barbara Schmidt-Tychsen sind fasziniert: „Die Beschäftigung mit den Biografien der Künstler hat zu interessanten und häufig überraschenden Erkenntnissen geführt. Von vielen der hier aufgeführten Künstlern hatten wir noch nie gehört, beispielweise von Lucio del Pezzo und Milvia Maglione.“ Laut Wikipedia gehört Lucio del Pezzo zu den wichtigsten italienischen noch lebenden Künstlern der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Er war mit Milvia Maglione verheiratet. Milvia Maglione war als Designerin für die Designer Olivetti, Karl Lagerfeld, Dino Buzzati tätig und war 1981 die erste ausstellende Künstlerin in der Pariser Galerie des femmes. Außerdem entwarf sie eine Briefmarke für die Französische Post. Das überraschende Erkenntnis-Element gilt aber auch für die anderen Künstler: Otto Rohse hat neben seinem umfangreichen Werk zwischen 1955 und 1995 Briefmarkenserien für die Deutsche Bundespost entworfen.

Irene Peschick, von der in der Ausstellung ein Linolschnitt aus den 60er Jahren zu sehen ist, ist heute als Fotografin tätig und lebt und arbeitet seit 2014 in Leipzig.

„An der Arbeit zweier nur auf den ersten Blick gegensätzlicher Künstler der Ausstellung – André Thomkins und Klaas Gubbels – zeigt sich exemplarisch wie weit das Spektrum der Grundeinstellung zur Kunst liegen kann“, lautet das Resümee der beiden Kunst-Kennerinnen. Und sie forschten weiter. Klaas Gubbels – überwältigt von den Möglichkeiten Kunst herzustellen, alles inspiriert ihn – hat sich, wie er sagt, intuitiv auf ein Thema beschränkt: Tassen, Tische und Kaffeekannen. Intuition und Leidenschaft bestimmen seinen Umgang mit diesem Motiv. Er zählt zu den beliebtesten Künstlern der Niederlande.


Experimente mit Materialien


André Thomkins hat sich mit unendlich vielen Themen, Techniken, Projekten und Bereichen der Kunst beschäftigt (Lackskin-Technik, Palindrome, Eat-Art, Konzert-Projekte). Aus Experimenten mit den unterschiedlichsten Materialien entstanden seine humorvoll-fantastischen Werke von gedanklicher Tiefe und spielerisch-assoziativer Qualität. Der Schriftkünstler Werner Bunz hat als Professor an der Kunstakademie Hamburg ganze Generationen von Studenten inspiriert.

Für die portugiesische Künstlerin Lourdes Castro wurde der Schatten zum zentralen Thema ihrer Arbeit – Schlagschatten, Schatten-Theater, bestickte Schatten von flüchtigen Blättern. Eine Fülle von Eindrücken, die jeder noch vertiefen kann.

Die Grafiken in der Kulturstation können erworben werden. Der Erlös geht an die Flüchtlingshilfe Niebüll. Am Sonnabend, 2. Juli, 11 Uhr, führt Barbara Schmidt-Tychsen noch einmal durch die Ausstellung. Für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis. Die Kulturstation Zollhäuser ist in Rodenäs leicht zu finden, am Ortseingang.

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