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Wochenmarkt-Geburtstag : 30 Jahre Wochenmarkt am Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Stadt Niebüll feierte den Geburtstag mit den Marktbeschickern – der Stand der Schlachterei wird bereits in dritter Generation geführt.

Der Wochenmarkt – Literatur und Lexika beschreiben ihn als eine wöchentlich regelmäßige Veranstaltung, auf der Obst, Gemüse, Milch(produkte), Fisch, und Fleisch angeboten werden. In Niebüll, einst ein großes Dorf, dann Marktflecken und heute Stadt, ist er mehr als nur das. Am Sonnabend, dem wöchentlichen Markttag, feierte er seinen 30. Geburtstag. Anlass für dieses Jubiläums war vor drei Jahrzehnten der Umzug des bisherigen Marktes vor das Rathaus – aus städtebaulichen Gründen.

Doch zunächst zurückgeblickt. Eine Art Wochenmarkt gab es schon früher. Es war damals eher ein Bauernmarkt, der in Verbindung zu dem regelmäßigen Pferdemarkt stand. Der fand zuerst auf dem Vorplatz von Jakob Bossen’s Gasthof (später Hotel Bossen, heute „Niebüller Hof“) statt. Begleitend dazu entwickelte sich in der Hauptstraße – etwa von Tischler Tobiesen bis Bäcker Lindner – einmal jährlich im Frühjahr ein lebhaftes Marktgeschehen mit Jahr- und Bauernmarkt, das später auf den Marktplatz umzog. An der Ecke Markt-/Böhmestraße etablierte sich nach und nach der Wochenmarkt, mit ähnlichen Offerten und Strukturen wie heute.

Mit den städtebaulichen Maßnahmen begann für den Niebüller Wochenmarkt eine neue Ära. Die zur Stadt „mutierte“ Gemeinde holte den Wochenmarkt vom Marktplatz ins Zentrum – genau auf den Vorplatz des neuen Rathauses. Ältere Niebüller erinnern sich daran, dass auf diesem Platz einmal das Amtsgericht stand. Als offizielles Datum für den Start des Wochenmarkt an seinem heutigen Standort gilt der 6. Juni 1987, wie sich Bürgervorsteher Uwe Christiansen erinnert. Die Stadt nahm dieses Datum zum Anlass, mit den Marktbeschickern zu feiern. Stadtmanager Holger Heinke hatte den Jubiläumstreff organisiert. Es gab Schnittchen, Appetithappen und Alkoholfreies – und Gelegenheit, sich zu erinnern.

Über den Daumen gepeilt sind es heute so um die 25 Marktleute, die jeden Sonnabend Blumen, Pflanzen, Fisch- und Fleischwaren, Handgemachtes, Textilien, Holzspielzeug, Honig, Kaffee und Kuchen, Waffeln, Obst und Gemüse und zuweilen auch exotische Spezialitäten feilbieten. Jeder der Marktbeschicker, zu denen sich ab und zu Fremde hinzugesellen, hat seinen festen Platz. Die Hausfrau braucht keinen Kompass, um ihren Wochen(end)bedarf einzuholen. Dann und wann muss sie sich in einer Schlange anstellen. Und das ist auch keineswegs langweilig, werden in der Schlange doch Neuigkeiten ausgetauscht, die noch nicht die Runde in der Stadt gemacht haben.

Der Wochenmarkt ist aber noch mehr als ein Kommunikationspunkt. Regelmäßig vor den Urnengängen stellen die Parteien ihre Stände auf und werben um Wählerstimmen. Man trifft Leute, denen man wöchentlich begegnet oder die man lange nicht gesehen hat. Der Wochenmarkt ist mehr als nur der Einkauf frischer regionaler Produkte – direkt ab Hof, Gewächshaus oder Feld.

Längst kenn man die Marktleute - den Gemüsemann aus Süderlügum, die Wollhändlerin aus Waygaard oder den Schlachter aus Bredstedt. Letzterer gehört zu den ältesten Marktbeschickern: Die pommersche Familie Kinsky ist bereits in der dritten Generation auf dem Niebüller Wochenmarkt vertreten. Die Kinskys kommen aus Plathe (heute Ploty), Eberhard Kinsky, Stammvater der Familie, gehörte dem virtuellen Plather Stadtparlament an, das unter der Führung von Lehrer Paul Starck, regelmäßig im Hotel Bossen tagte und die „Plather Treffen“ ausrichtete. Kinsky gründete die Bredstedter Großfleischerei. Sein Sohn Horst wurde Nachfolger. Enkel Arne führt den Betrieb heute. Seine Mitarbeiter sind jeden Sonnabend hinter dem Tresen des mobilen Fleischerladens auf dem Niebüller Wochenmarkt, darunter auch Holger Kniese (46), seit 30 Jahren.

Organisiert wird der Wochenmarkt vom „Marktmeister“ der Stadt und des Amtes. Zuerst war dies über Jahrzehnte Eugen Zlobinski, heute ist es Andreas Sibbersen. Die Niebüller Marktbesucher und Kunden von weither freuen sich über ein „fantastisches Sortiment“, wie es auch Bürgervorsteher Christiansen bekundete und Peter Schumann vom Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr bestätigte: „Der Wochenmarkt ist eine tolle Sache.“ Der Bürgervorsteher: „Die Stadt sagt ihren Marktleuten danke.“  

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