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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 17:12 Uhr

2000 Besucher feierten das Friesenfest

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Auf der „Burg“ sammelten sich – wie in ganz Nordfriesland – die Menschen um die Biike / Aufruf zu mehr Toleranz mit den zugereisten Neubürgern

Die Nordfriesen aus Niebüll und Umgebung feierten am Sonnabend wieder ihr Biikefest. Es war in diesem Jahr eine besondere Biike, die Jugendfeuerwehrleute um 19 Uhr in Flammen aufgehen ließen – nicht weil sie pitschenass war, zuerst qualmte und dann erst zögerlich aufloderte. Nein, es war schon ein wenig mehr Bemerkenswertes, das an diesem durchwachsen-tristen Februartag zu notieren war.

Erst einmal freute sich die Traditionsgemeinschaft der Freiwilligen Feuerwehr Deezbüll, Veranstalterin des Niebüller Biikefestes, über einen Gast vom Deutschen Bundestag. Biikenredner Harro Limbrecht stelllte MdB Ingbert Liebing „als Besuch aus Berlin“ vor. Der Sylter Abgeordnete wollte unbedingt einmal die „vermutlich größte Biike an der Westküste“ besuchen und war nach eigenem Bekunden hellauf begeistert über die tolle Resonanz der Niebüller über ihre „Biik“. Über Lautsprecher (der endlich einmal gut zu vernehmen war) grüßte er seine nordfriesischen Landsleute, ermunterte sie, den alten Brauch des Biikens zu erhalten und wünschte ihnen ein fröhliches Fest.

An der Biike gab es Rekordbesuch. Die Veranstalter schätzen, dass es an die 2000 Gäste gewesen sein mögen, die den Weg hinaus „zur Burg“ gefunden haben. Viele kamen mit dem Pkw, die meisten begleiteten zu Fuß den Umzug, der eine halbe Stunde vor Beginn des Feuers auf dem Rathausplatz gestartet war und unter Führung des Freien Fanfarenzugs, flankiert von Fackelträgern der Jugendfeuerwehr in Richtung Deezbüll zog.

Auf dem Deezbüller Dorfplatz hatten Helfer aus den Reihen der Traditionsgemeinschaft tags zuvor die Biike aufgeschichtet – knappe zehn Meter hoch und aus Tannen bestehend, die am zweiten Januar-Sonntag eingesammelt und auf landwirtschaftlichen Gehöften rundum trocken untergebracht wurden.

In der Rede zum mittlerweile 32. Biikenfest auf Deezbüllburg dankte Harro Limbrecht den treuen Helfern und Wegbegleitern, Spielleuten und Feuerwehrkräften für ihr Engagement. „Was für die Rheinländer der Karneval ist, das ist für uns Friesen das Biikebrennen.“ Limbrecht drückte seine Freude auch darüber aus, dass dieser Brauch nun auch Anerkennung durch die UNESCO finde und zum „immateriellen Kulturerbe“ aufgewertet werde. Limbrecht ermunterte seine Zuhörer, sich auch der Menschen anzunehmen, „die zu uns kommen, obwohl sie lieber in ihrer Heimat geblieben wären – und sei es auch nur mit einem offenen Ohr oder freundlichem Blick“.

Weiterhin erinnerte der Redner an das erste Biikebrennen 1983 unter der Regie von Konrad Bendsen, der das Biiken mit den Worten „dåt präiwe we“ (wir versuchen’s) behutsam anschob. Es blieb in der Folgezeit (bis auf eine Ausnahme) fester Termin im Niebüller Veranstaltungskalender und wurde von Günter Jappsen sowie Carsten Bernhard Carstensen und ihrem Friesenverein zusammen mit der Feuerwehr-TG wie ein Feuer am Leben gehalten.

Um das Biiken ranken sich Legenden, vom Sylter Inselpoeten C.P. Hansen in die Welt gesetzt, von seiner Nachwelt variiert und von professionellen Historikern als heidnischer Brauch „ausgegraben“. Heute wird der vermeintliche Nationalfeiertag der Friesen in einer Fülle verschiedener Facetten als Volksfest gefeiert – wie etwa auch bei den Niebüll-Deezbüller Friesen auf ihrer „Burg“.

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erstellt am 22.Feb.2015 | 14:00 Uhr

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