Projekttag in Niebüll : 100 Dänen zu Besuch

Die Dänen Danny, Frida und Anna (v.l.) konnten in Niebüll ihre Deutsch-Kenntnisse testen.
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Die Dänen Danny, Frida und Anna (v.l.) konnten in Niebüll ihre Deutsch-Kenntnisse testen.

Projekttag in Niebüll: Schüler eines Deutschkurses in Ribe besuchen Friedrich-Paulsen-Schule (FPS).

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26. Januar 2018, 03:35 Uhr

Niebüll | Volles Haus in der Mensa, erwartungsvolle Gesichter der Schüler: Was kommt da auf uns zu? Der gesamte 12. Jahrgang der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) hat am frühen Mittwochmorgen Besuch von knapp 100 Deutsch-Schülern des Katedralskole Gymnasiums aus dem dänischen Ribe bekommen. Ein besonderer deutsch-dänischer Projekttag - schon zum vierten Mal. Für die jungen Dänen eine Herausforderung, denn Ziel war das Training des Spracherwerbs – sie mussten Deutsch sprechen.

Doch das klappte gut. „Es war wie eine Initialzündung – plötzlich wird klar: Ich werde verstanden“, berichtete der Lehrer Alexander Henstedt, der die Idee zum Projekttag hatte. Der frühere FPS-Schüler aus Aventoft unterrichtet mittlerweile selbst in Ribe. Sein Ansprechpartner auf deutscher Seite, Carsten Brix (Fachschaft Dänisch), war ebenso zufrieden wie Dänischlehrerin Sinje Stein. „Es klappt hervorragend.“ Auch die jungen Dänen fühlten sich sichtlich wohl und angetan von der Gastfreundschaft. Dass Deutsche auch locker sein können, hätten sie so nicht gedacht. „Sehr angenehm“, meinten Frida und Anna (Foto). Den ganzen Tag lang wurde an zwölf verschiedenen Projekten gearbeitet, unter anderem an einem von der EU geförderten Interreg-Projekt zur Jugend im Grenzland. Chris Mienert und Finn Faurbye vom University College Syd (Esbjerg, Kolding, Hadersleben, Apenrade) forschen seit drei Jahren landesweit nach umsetzbaren Ideen.

„Die Jugendlichen haben Sommercamps angeregt“, so ihr Resümee, „oder aber Sportturniere auf beiden Seiten der Grenze. Sie können sich auch gemeinsame Studienreisen vorstellen.“ In der Gruppe Menschenrecht wurde heftig über Populismus diskutiert, die Theaterprojektgruppe versuchte sich in improvisierten Szenen und Vertrauens-Übungen. Sport war natürlich eine Sache für die dänischen Mädels – diese spielten nicht nur hervorragenden Handball. Popkultur und die Auswirkungen standen im Fokus bei Carsten Brix. Er spielte den Schülern den legendären Song von Marvin Gaye „What's going on“ vor, in der Debatte ging es um die Protestbewegung der 70er Jahre, Vietnamkrieg und die Folgen. Die Schüler kamen leicht ins Gespräch, meldeten sich immer wieder zu Wort.

Richtig handwerklich wurde es beim Thema Heilpflanzen. Ein sanfter, süßer Geruch lag in der Luft, auf dem Kocher brodelte es. Die Schülerinnen und Schüler rührten eigenhändig Seifen und Lippenstifte an: Viel Spaß und noch mehr Gespräche. „So ein Treffen untereinander löst die Unterschiede auf“, betonte Alexander Henstedt. Konkret wurde es bei der Planung eines Wanderwegs: Sinje Stein hatte Ribe – Niebüll vorgeschlagen, die Jugendichen erarbeiteten eine spannende Strecke. Katrine aus Ribe gab auch den Tipp, den Campingplatz in Hoyer zu nutzen.

„Zum Anfang musste man die Hemmungen fallen lassen“, so Ina, die Dänisch als Hauptfach hat. Ohne Probleme wurden im Kunstraum ein Märchen von H. C. Andersen als Comic umgearbeitet. Gemeinsames Kartenspielen („Die Dänen kannten Doppelkopf nicht!“) und Gesellschaftsspiele (Scrabble, Trivial Pursuit, Risiko) ließen die Köpfe glühen – und das Vergnügen war bei allen auf einem hohen Niveau.

Am 20. Februar geht es in die Partnerschule, die Katedralsskole. Dann geht es darum, in Workshops Dänisch einzuüben – die Niebüller werden mit rund 50 Schülern anrücken. Während für die Dänen Deutsch als Fremdsprache Priorität hat, sind die jungen Deutschen bei der Wahl der dritten Fremdsprache animiert. Vorbei sind die 70er Jahre-Zeiten, da es an der FPS keinen Dänischunterricht gab. „Insgesamt lernen über 250 Schüler derzeit Dänisch“, freut sich Sinje Stein.


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