Rekordzahl : 10 000-Einwohner-Marke geknackt

Pralles Leben auf der Hauptstraße: Als Weg verlief sie schon im Jahr 1600 entlang der ersten Häuser Niebülls.
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Pralles Leben auf der Hauptstraße: Als Weg verlief sie schon im Jahr 1600 entlang der ersten Häuser Niebülls.

Statistisches Landesamt ermittelt erstmals eine fünfstellige Zahl für Niebüll / Wachstum bedingt einige Herausforderungen.

shz.de von
14. August 2018, 06:20 Uhr

„Jeder Einwohner ist gleich viel wert – und dennoch ist es eine magische Zahl“, sagt Wilfried Bockholt. Gemeint ist die 10034, mit der das Statistische Landesamt für Niebüll zum Stichtag 30. September 2017 erstmals offiziell eine fünfstellige Einwohnerzahl für die Stadt mit den meisten überregionalen Funktionen in Südtondern ausweist.

Nun wird im Rathaus auf den aktuellsten Wert vom 31. März diesen Jahres gewartet. „Der liegt leider noch nicht vor, doch mit Blick auf die jüngste Entwicklung gehen wir davon aus, dass wir fünfstellig bleiben, sogar weiter leicht wachsen werden“, sagt Wilfried Bockholt, der wie auch Bürgervorsteher Uwe Christiansen mit dieser Entwicklung mehr als zufrieden ist.

„Das ist ein Grund zu großer Freude und war – wenn man auf die Geschichte von Niebüll schaut – in dieser Form nicht erwartbar“, sagt Uwe Christiansen, der für diesen Anlass in der Historie von Niebüll und Deezbüll recherchiert hat.

Ein erster Siedlungskern wird demnach erstmals im Jahr 1600 erwähnt. Die ersten Häuser Niebülls wurden schon weit vorher auf einer relativ hohen Sanddüne erbaut. Entlang der Düne entstand von Norden nach Süden ein Weg, die spätere Hauptstraße, die 1862 mit Steinen aus Sachsen gepflastert wurde.

Bis heute ist die Geschäftsstraße Zentrum und Kern der nun mehr als 10 000 Einwohner zählenden Stadt. Das Überschreiten ist mit einer Erhöhung der Schlüsselzuweisungen verbunden – wie auch mit einigen weiteren Folgen. „Die Stadtvertretung wird wachsen, um weitere vier auf dann 23 Sitze – allerdings erst nach der nächsten Kommunalwahl“, kündigt Wilfried Bockholt an. Wachsen werden nach seiner Einschätzung auch die Anforderungen an die Verwaltung als Dienstleister. „Es ist einmalig, dass eine so große Stadt an einer Amtsverwaltung hängt“, sagt Wilfried Bockholt.

Zu einer noch größeren Herausforderung wird das Thema Verkehr. Schon jetzt klagen viele Einwohner und Pendler über Parkraumnot, längere Wartezeiten vor den Ampeln und die Fahrt im Schneckentempo durch den Kern der Stadt. Dazu kommt noch die Problematik durch den Syltverkehr. „Zur besseren Anbindung der Wohngebiete im Randbereich sollte man über einen ÖPNV nachdenken, zudem sollte das Fuß- und Radwegenetz weiter verbessert werden“, sagt Uwe Christiansen. „Wir brauchen auch mehr Verkehrssicherheit für die Radfahrer in einem Stadtgebiet, in dem stetig mehr Bewegung ist“, ergänzt Bockholt.

Besonders stark wachse die Zahl der älteren Bürger. Deren Zahl ist noch größer, als die Statistik ausweist, denn einige von ihnen haben in Niebüll ihren Zweitwohnsitz, der nicht mitgezählt wird. „Wir brauchen mehr Betreuungsmöglichkeiten für ältere Bürger, das Angebot der Begegnungsstätte sollte ausgebaut werden und man sollte überlegen, ob es Möglichkeiten der Unterstützung bei der Suche von Nachfolgern für die Niebüller Arztpraxen geben kann. „In diesen stehen in naher Zukunft einige Ruhestände an“, sagt Wilfried Bockholt.

Mehr Konzerte in der Stadthalle, der Erhalt der Schwimmhalle, ausreichend Betreuungsangebote für Kita- und Grundschulkinder, die Schaffung weiterer Neubaugebiete sowie der Bau von mehr Wohnungen im Stadtgebiet sind weitere Aufgaben, die mit wachsender Einwohnerzahl an Bedeutung gewinnen. „Ebenso wie der Brandschutz und die Abwasserbeseitigung“, sagt der Bürgermeister.

Seit 1960 hat Niebüll den Stadtstatus. Zehn Jahre vorher wird Deezbüll (damals 1004 Einwohner) nach Niebüll eingemeindet (damals 5878 Einwohner).

Noch viel älter ist die zentrale Bedeutung Niebülls für den Bahnverkehr: Bereits 1887 wird Niebüll Station der Marschbahn von Altona nach Tondern, zwei Jahre später wird die Bahnverbindung nach Flensburg aufgenommen, die Kleinbahn nach Dagebüll fährt ab 1895 und 1927 rollen die ersten Züge nach Sylt.

Viele weitere Zahlen und Geschichten zur Stadtentwicklung finden sich in dem Buch „Niebüll: Junge Stadt mit Tradition“. „Es lohnt sich, da mal rein zuschauen“, sagt Uwe Christiansen. Doch wegen der erwartet noch weiter ansteigenden Einwohnerzahl sollte sich der Blick – da sind sich Bürgervorsteher und Bürgermeister einig – nun vor allem in die Zukunft eines Niebülls mit möglichst hoher Lebensqualität richten.

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