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09. November 2013, 00:33 Uhr

„Legis“ nennt Rosemarie Enderle ihre Schützlinge liebevoll. „Legastheniker“ klinge so unfreundlich, ist die Ansicht der Bramstedtlunderin. Überhaupt: „Ich möchte eines klarstellen: Legastheniker sind nicht dumm. Im Gegenteil, sie können sehr kreativ sein, weil sie ihre Umwelt etwas anders wahrnehmen. Deshalb kann man schon im Kindergartenalter daran arbeiten, dass sich die Legasthenie gar nicht erst ausprägt.“ Das weiß die promovierte Naturwissenschaftlerin nicht nur aus Fachbüchern, sondern vor allem durch regelmäßigen Kontakt mit Schülern, denen das Lesen und Rechtschreiben Schwierigkeiten bereitet. 25 Jahre lang war Rosemarie Enderle Lektorin bei der Büchereizentrale Flensburg; seit ihrer Pensionierung engagiert sie sich für ihre „Legis“, geht auf die individuellen Probleme ein und fördert ihre Schützlinge in Einzelstunden, Schweigepflicht inklusive. Um noch besser helfen zu können, steht die 67-Jährige kurz vor dem Abschluss eines Fernstudiums zur diplomierten Legasthenietrainerin. Und sie geht noch weiter, möchte das Bewusstsein für das Thema an Schulen vertiefen, sich mit Lehrern kurzschließen, auch die Eltern einbeziehen. „Man könnte so viel machen. Aber die Kinder bleiben unter ihren Möglichkeiten, wenn sie kein Elternhaus haben, das sie unterstützen kann.“ Sie könnte sich auch vorstellen, Vorträge zu halten, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Dass sie Bewusstsein für heikle Themen schaffen kann, hat Rosemarie Enderle bereits in der Vergangenheit bewiesen: Im Jahr 2009 warnte sie bei der Jahresversammlung des Naturschutzvereins Südtondern in drastischen Beschreibungen vor den Gefahren, die von einer Verpressung von CO2 in den Untergrund ausgehen. „Wenn zum Beispiel Leckagen an der CO2-Pipeline auftreten, wird es gefährlich. CO2 ist schwerer als Luft, sammelt sich vor allem in Senken und erstickt dort alles.“ Damit brachte sie eine intensive Auseinandersetzung mit dem Problem der CO2-Verpressung (CCS = Carbon Capture Storage) ins Rollen, nicht nur in der Region, sondern auch landes- und später sogar bundesweit. Informationen und Aktionen wurden zu Selbstläufern, mit Erfolg: Schleswig-Holstein hat inzwischen ein CCS-Verbotsgesetz erlassen. Ihre Pionierarbeit in der Aufklärung brachte Rosemarie Enderle den Umweltpreis des Naturschutzvereins Südtondern ein. Mit naturwissenschaftlichem Sachververstand beobachtet sie die Entwicklung, auch beimThema Fracking. Sie appelliert daran, weiterhin wachsam zu sein.

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