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Urteil gegen Glückstädter : Zwölf Jahre für versuchten Mord

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

24-jähriger Messerstecher von Schwurgerichtskammer verurteilt: Beziehungstat hätte tödlich enden können.

Für zwölf Jahre muss ein 24-jähriger Glückstädter ins Gefängnis. Zwei Monate nach dem Prozessauftakt (wir berichteten mehrfach) sprach die von Strafrichterin Isabel Hildebrandt geführte Schwurgerichtskammer am Landgericht Itzehoe gestern nach sechs Verhandlungstagen den Mann des versuchten Mordes – jeweils begangen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung – schuldig. Opfer waren seine Ex-Freundin (22) und deren neuer Liebhaber (20).

Mit seinem Urteil übertraf das Gericht die Forderungen von Staatsanwalt Joachim Bestmann, der auf zehn Jahre plädiert hatte. Verteidiger Arne Weller hatte fünfeinhalb Jahre gefordert. Der Angeklagte nahm das Urteil ruhig entgegen, während sein Anwalt den Kopf schüttelte. In ihrer Urteilsbegründung ließ Hildebrandt das Tatgeschehen noch einmal Revue passieren. „Als der Angeklagte und die 22-Jährige noch ein Paar waren, kam es in den Beziehungsstreitigkeiten bereits zu Übergriffen durch den Angeklagten“, sagte sie. Am 12. September 2016 habe es eine heftige Auseinandersetzung gegeben. ,„Er schlug sie mit dem Kopf gegen den Türrahmen“, so Hildebrandt. Daraufhin zog die 22-Jährige bei ihm aus, heim zu ihrer Mutter. „Er kam mit der Trennung nicht klar. Der Angeklagte war extrem eifersüchtig. Er spionierte über Zeugen seiner Ex und ihrem mutmaßlich neuem Freund hinterher, um rauszubekommen, wo sie sich treffen. Er kündigte an, dass er ihn abstechen würde“, erklärte Hildebrandt.

Als der Angeklagte hörte, der 20-Jährige habe eine Gaswaffe, habe er darauf seine spätere Mär von der Notwehr aufgebaut. Gleich zweimal drohte der Angeklagte am Tatabend, dem 23. Oktober, gegenüber Zeugen, er werde den 20-Jährigen abstechen. Gegen Mitternacht traf er auf seine Ex-Freundin und den Angeklagten, als sie auf dem Heimweg waren. Das Paar begab sich zur Skaterbahn und verschwand dort wenig später im Gebüsch. ,,Dem Angeklagten war klar, dass sie ihn nicht bemerken würden“, sagte Hildebrandt.

,,Na, ihr beiden“, sagte er zu dem Liebespaar, schlug seiner Ex-Freundin mit dem Messer ins Gesicht, wobei ihre Nase brach. Dann riss er sie von dem 20-Jährigen herunter und stach sofort mehrfach zu. Ein Stich verletzte ihre Lunge. Hildebrandt: ,,Dem Angeklagten war klar, dass er ihre Wehrlosigkeit ausnutzte.“ Die junge Frau floh zu ihrer Mutter. Der Angeklagte wendete sich unterdessen seinem Nebenbuhler zu und stach auch auf ihn mehrfach ein. Ein Stich in die Brust verletzte Herz und Lunge. Ein Stich in den Hals landete einen Millimeter neben einer Vene. ,,Da muss der Notarzt neben ihnen stehen, wenn die getroffen wird, und es eine Überlebenschance geben soll“, sagte eine Rechtsmedizinerin dazu.

,,Sieben bis acht Mal hat er das Messer im Körper des 20-Jährigen versenkt, wie er selbst der Polizei mitteilte“, erinnerte die Richterin. Nachdem der 20-Jährige sich schwer verletzt über den Deich schleppte, floh der Angeklagte mit einer stark blutenden Handverletzung in die Stadt, traf Minuten später auf zwei Polizisten, die er bat, ihm einen Rettungswagen zu rufen. Den Beamten tischte er seine Notwehrlüge auf, wonach der 20-Jährige ihn mit einer Schusswaffe bedroht und er dann zugestochen habe.

,,Er wollte sich für die gescheiterte Beziehung am Nebenbuhler rächen. Kein anderer sollte seine Ex bekommen“, erkannte Hildebrandt als Tatmotiv. Während die 22-Jährige im Klinikum Itzehoe notoperiert wurde, kamen das 20-jährige Opfer und der Angeklagte ins Klinikum Elmshorn. ,,Er war tot“, sagte Hildebrandt über den Zustand des 20-Jährigen. ,,Die Ärzte hatten ihm keine Überlebenschance mehr eingeräumt.“ Es sei mehreren Zufällen zu verdanken, dass er überlebt habe. Beim letzten Stich in den Schädel des 20-Jährigen brach die Messerspitze ab. Die wurde in Altona heraus operiert.

Dass der 20-Jährige zur Tatzeit keine Waffe dabei hatte, sei belegt durch die glaubhaften Aussagen der beiden Opfer sowie der Mutter des 20-Jährigen, befand das Gericht. Gegen die vom Angeklagten behauptete Bedrohung mit einer Schusswaffe spreche zudem, dass der Angeklagte sein Messer bereits gezogen hatte, als er auf das Liebespaar zutrat. ,,Der Angeklagte handelte mit Tötungsabsicht gegen beide Opfer“, sagte Hildebrandt. Das Mordmerkmal der Heimtücke liege vor, weil er aus der Dunkelheit heraus von hinten zustach. Dem 24-Jährigen bleibt die Rechts Revision.

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