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Wirtschaft : Zwischenlager – aber ohne Erlaubnis

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vattenfall erwartet Abbruchgenehmigung für stillgelegtes Kernkraftwerk Brunsbüttel bis Februar 2016 / Experte kritisiert Regierungskurs

Der Energiekonzern Vattenfall rechnet im Februar nächsten Jahres mit der Stilllegungs- und Abbruchgenehmigung für das Kernkraftwerk Brunsbüttel. Das teilte Kraftwerksleiter Knut Frisch im traditionellen „Klönschnack am Deich“ mit, zu dem das Unternehmen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung auf dem Kraftwerksgelände eingeladen hatte. Ein Rückbau des Kernkraftwerks, so sagte der Entsorgungsexperte der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), Dr. Hannes Wimmer, sei allerdings nur sinnvoll, wenn es ein Endlager für hochradioaktive Stoffe gebe.

Wimmer erinnerte an das Atomgesetz, das vom Bund nicht im erforderlichen Maße umgesetzt werde. Darin sei festgeschrieben, dass der Kraftwerksbetreiber verpflichtet sei, die vom ihm erzeugten atomaren Abfälle schadlos zu entsorgen. Dem Bund sei dazu aber die Aufgabe übertragen worden, „die Anlagen zur Sicherstellung und zur Endlagerung der Atomabfälle einzurichten“. Dieser Verpflichtung sei der Bund bis heute nicht nachgekommen. Er sei immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Dabei sei auch Gorleben noch nicht endgültig vom Tisch. Gorleben sei nicht aus technischen Gründen gescheitert, sondern wegen „der weitgehend nicht vorhandenen Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung“.

Wimmer weiter: „Einen Zick-Zack-Kurs der Politik können wir uns in der Endlagerung nicht mehr leisten.“ Es gehe nicht an, dass eine Bundesregierung etwas auf den Weg bringe, das dann von der Folgeregierung wieder gekippt werde. Dabei machten andere Länder wie die Schweiz, Finnland und Schweden vor, wie man es besser machen und längerfristig verbindlich planen könne.

Der Redner ging davon aus, dass eine Standortentscheidung für ein Endlager frühestens 2031 getroffen werde, zehn weitere Jahre würden für die Genehmigungsverfahren ins Land gehen, ehe frühestens 2055 mit dem Bau begonnen werden könne. Die ersten Castoren könnten dann 40 Jahre später ins Endlager gebracht werden, so dass „der letzte Castor, wenn alles gut läuft, im Jahr 2100 unter der Erde verschwinden wird“. Wimmer weiter: „Solange wir kein Endlager haben, bleiben die Castoren hier!“ Er geht aber davon aus, dass schon in den nächsten sieben bis acht Jahren schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad bei Wolfenbüttel eingelagert werden können.

Die GNS, so zeigte Wimmer auf, sei mit Firmensitz in Essen und mit 670 Mitarbeitern beauftragt, die Abfälle der Energie-Versorgungsunternehmen (EVU) zu entsorgen. Dafür baue die GNS in Mülheim pro Jahr rund 80 Castoren, in die die hochradioaktiven Abfälle, insbesondere die abgebrannten Brennstäbe, sicher eingeschlossen würden. „Die Zwischenlagerung am Standort bereitet keine Probleme.“ Schon zwei Wochen nach dem Brunsbüttel-Urteil des OVG, mit dem die Einlagerung weiterer Castoren untersagt worden sei, sei die Anordnung zur weiteren Aufbewahrung der Castoren im Brunsbütteler Zwischenlager erteilt worden, bestätigte Kraftwerksleiter Knut Frisch. Seitdem sei man in der kuriosen Situation, „dass wir uns in einem nicht genehmigten Zwischenlager weiter mit den eingelagerten Atomabfällen beschäftigen dürfen und müssen“, sagte Frisch wörtlich.

Frisch hatte eingangs auf zwei Transport-Bereitstellungshallen verwiesen, die für die Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen vorgehalten werden müssten. Dazu kündigte er für die Zeit vom 6. bis 8. Juli einen Erörterungstermin im Elbeforum Brunsbüttel an. Die ersten leeren Castoren für die Aufnahme der Abfälle würden in Kürze in Brunsbüttel angeliefert. Im Kernkraftwerk an der Unterelbe seien nach Aussage von Knut Frisch derzeit 370 Mitarbeiter beschäftigt – 250 bei Vattenfall und 120 bei der Werksfeuerwehr und im Wachdienst. 60 Mitarbeiter seien schon jetzt für die Vorbereitungen des Rückbaus tätig. Dabei könnten sie auf die Erfahrungen von zwei Fachleuten aus dem Kernkraftwerk Stade zurückgreifen, die jetzt in Brunsbüttel im Einsatz seien.

Vattenfall-Generalbevollmächtigter Pieter Wasmuth versicherte den Zuhörern: „Vattenfall ist und bleibt in Deutschland!“ Die Bundesrepublik sei ein wichtiger Standort seines Unternehmens, das zurzeit in der Energiewende unterwegs sei. Aktuell werde das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg in Betrieb genommen, das mit einer Leistung von 1600 Megawatt die Grundversorgung Hamburg sicherstellen werde.

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