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Austauschschüler : Zwischen Turnen und Enten füttern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein halbes Jahr lebste Santiago Guitierrez (16) aus Mexiko bei einer Gastfamilie in Hohenlockstedt. Im Januar reist er zurück in seine Heimat Guadalajara.

Anfang Januar fliegt er zurück in seine mexikanische Heimat. Dort wird Santiago Guitierrez sein Ziel weiter verfolgen – das Abitur an der deutschen Schule in Guadalajara. Durch ein halbes Jahr als Gastschüler in Hohenlockstedt hat der 16-Jährige seine Sprachkenntnisse auf vielfältige Art verbessert. Zusammen mit Gastbruder Sören Esken besuchte er die elfte Klasse der Auguste-Viktoria-Schule (AVS) in Itzehoe – außer, wenn Deutsch auf dem Stundenplan stand. „Da ging es um Textanalysen und Interpretation“, erklärt der junge Gastschüler, warum der Unterricht für ihn als Fremdsprachler zu schwierig gewesen sei.

Kurzerhand plante ihn Lehrerin Christina Derowski stattdessen in einer ihrer 5. Klassen mit ein. Und so paukte Santiago ein halbes Jahr lang deutsche Grammatik und Rechtschreibung mit Mitschülern, die einen Kopf kleiner waren als er selbst. Für ihn kein Problem: „Das waren echt nette kleine Kinder – und jeder wollte neben mir sitzen.“ Im Gegenzug zeigte der ausländische Gast den staunenden Steinburger Fünftklässlern seine Heimat – auf dem iPad in der Lernwerkstatt.

In der Oberstufe wiederum habe Santiago den Spanischunterricht verstärkt. Nebenbei vermittelte die AVS ihm Einzelunterricht in Deutsch. Weil aber dem Sprichwort nach ein gesunder Geist in einem gesunden Körper steckt, hat der junge Sportler auch außerhalb der Schulzeit viel für seine Sprachkenntnisse getan. Beim TSV Lola standen nahezu täglich Leichtathletik, Turnen und Fitness auf dem Programm. Also eigentlich alles außer Fußball: „Ich mag kein Fußball und ich kann kein Fußball“, sagt Santiago mit einem Lächeln. Möglichkeiten, bei seinen Sportkameraden zu punkten, gab es dennoch reichlich: „Seine Turn-Kunststücke haben alle beeindruckt“, weiß der Vereinsvorsitzende Rolf Gerhards und ergänzt: „Und bei den Mädchen kam er schon wegen seines Aussehens gut an.“ Auf den ersten Blick wirkt er allerdings nicht wie der typische Latino. „Von meinem spanischen Großvater habe ich blaue Augen geerbt“, verrät er.

In seiner Gastfamilie – die Eltern Andrea und Dieter sowie seine Gastbrüder Sören und Till – übernimmt er die gleichen Aufgaben, wie alle anderen. Seine Aufgabe sei zum Beispiel, die beiden Enten der Familie zu füttern – zu einer für mexikanische Verhältnisse ungewohnt frühen Tageszeit. Gastmutter Andrea Esken beschreibt die Familienerweiterung auf Zeit als „spannend“. Dass Santiago die Monate in Deutschland sprachlich weitergeholfen haben, konnte sie unlängst heraushören: „Da hat er mit seiner Mutter in Mexiko telefoniert – aus Versehen auf Deutsch.“

 

> Gastfamilien für Schüler der deutschen Schule in Guadalajara werden immer gesucht. Familie Esken gibt ihre Erfahrungen gern weiter: 04826/850715.

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erstellt am 01.Jan.2014 | 15:36 Uhr

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