Rückblick : Zwischen Tiefschlag und Aufschwung

Letzte Prinovis-Schicht am 30. April: Betriebsrat Torben Mey spricht zu rund 500 Kollegen.
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Letzte Prinovis-Schicht am 30. April: Betriebsrat Torben Mey spricht zu rund 500 Kollegen.

Prinovis und Prokon bestimmen das Bild von der Wirtschaft in der Kreisstadt – doch es gibt auch positive Nachrichten im Jahr 2014.

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29. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Still verlassen sie das Werk. Der Abend des 30. April – die letzte Schicht in der Prinovis-Druckerei ist zu Ende. Die Beschäftigten sind traurig, aber auch erleichtert: Mehr als 14 harte Monate sind vergangen seit der Ankündigung des Konzerns, dass das Werk geschlossen wird. „Nach all der Trostlosigkeit in den vergangenen Wochen bin ich beinahe froh, dass es endlich zu Ende ist“, sagt Betriebsrat Torben Mey. Ein Teppich-Prospekt und der dünne Katalog eines Elektronik-Versands sind die letzten beiden Aufträge.

Die Gewerkschaft Verdi geißelt die „moralische Verkommenheit“ von Großkonzernen wie Bertelsmann, der die Mehrheit bei Prinovis hält. Immerhin ein Trost: Ein guter Sozialplan ist erstritten worden, und bis Jahresende haben gut ein Drittel der mehr als 600 Angestellten, die in die Transfergesellschaft wechselten, einen Weg gefunden, vom neuen Job bis zu Umschulung oder Studium. Und die mehr als 20 Hektar große Fläche? Die Hoffnungen auf eine Nachnutzung steigen (ausführlicher Bericht folgt).

Gut drei Monate vor der letzten Schicht bei Prinovis: ein ähnliches Bild an der Kirchhoffstraße im Innovationsraum. Besorgte Mitarbeiter kommen in die Fertigungshalle der Firma Prokon. Vor vielen Mikrofonen erklärt Firmengründer Carsten Rodbertus, warum die Prokon Regenerative Energien GmbH Insolvenz anmelden musste. Neben ihm steht Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin – der Beginn eines monatelangen Kampfes. Entschieden wird er im Sommer, als Tausende der insgesamt 75  000 Inhaber von Prokon-Genussrechten in die Hamburger Messehallen kommen und Penzlins Weg bestätigen. Von Rodbertus gesammelte Stimmen werden für ungültig erklärt, einige Monate und weitere erbitterte Auseinandersetzungen später zieht er sich komplett zurück. Penzlin will das Kerngeschäft von Prokon mit Windparks und Strom fortführen, möglichst über eine Genossenschaft. Die Tendenz ist zum Jahresende positiv – die Entscheidung fällt in 2015.

Zwei Firmen mit den Buchstaben P und R am Anfang sorgen für ein negatives Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in der Kreisstadt. Doch längst nicht alles ist schlecht – Beispiele: Die Itzehoer Versicherungen bekennen sich zum Standort, bauen neu und planen noch mehr Erweiterung. Das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT weiht seinen zweiten Reinraum ein: doppelt so viel Fläche für Forschung und Entwicklung und ein deutliches Zeichen für den Strukturwandel. Die D+S Communication Center Itzehoe GmbH schafft 70 neue Jobs in ihrem Callcenter im Klosterforst. Und das Klinikum wächst und wächst: Neue Rettungswache, fünfter Bauabschnitt und die psychosomatische Tagesklinik im Klosterforst sind nur drei von vielen Einweihungen. Im Spätherbst beginnt der Erweiterungsbau für das Ärzte- und Dienstleistungszentrum, viele Vorarbeiten laufen für die Ausdehnung in den Hackstruck. Aufhorchen lässt schließlich die Nachricht aus einem Traditionsbetrieb: Pumpenbauer SIHI soll von dem amerikanischen Flowserve-Konzern übernommen werden. Ob es so kommt und ob sich die damit verbundenen Hoffnungen bewahrheiten – 2015 wird es zeigen. Wie so vieles.

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