Zwischen Perspektive und Pflichterfüllung

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05. Juni 2014, 13:21 Uhr

Sie wollten vergleichbare Werte haben und bekamen sie am Ende doch nicht: Nils Dethlefs vom Lübecker Architekturbüro Petersen Pörksen Partner musste am Mittwoch im Hauptausschuss passen. Die bereits finanziell durchgeplante – und von der Brunsbütteler Ratsversammlung beschlossene – neue Regionalschule wird zweieinhalbzügig 13,6 Millionen Euro kosten. Erweiterung und Umbau der Schule am alten Standort dürften mit etwa drei Millionen weniger zu Buche schlagen. Dies, betonte Dethlefs, sei lediglich geschätzt.

Zwar sei diese Vorkalkulation schon recht nah am Baupreis, aber etliche Faktoren wie die teure Haustechnik seien nicht in die Zahlen eingeflossen. Der Grund ist einfach: Bereits 2012 hatten die Stadtpolitiker nach einer ersten Untersuchung davon Abstand genommen, die 100 Jahre alte Schule auf heutige Standards mit mehr Platz pro Schüler trimmen zu wollen. Eine dreizügige Schule wäre an der Bojestraße ohnehin schon gar nicht möglich gewesen, so die Planer damals. Zweieinhalbzügig wäre dort machbar, aber bei weitem nicht ideal.

„Wie verlässlich sind die Zahlen?“ fragte Ausschussvorsitzender Wilhelm Malerius (SPD). Dethlefs: „Sie werden am Ende nicht bei 15 Millionen landen.“ Er machte aber deutlich, dass auch eine zweieinhalbzügig ausgebaute Schule am alten Standort zu beengt und nicht barrierefrei sei, weiterhin ohne Sporthalle auskommen müsse und Konflikte mit Nachbarn programmiert wären.

Einen Beschluss wollte der Ausschuss ohnehin nicht fassen, sondern nur die Kosten für Neubau und Umbau miteinander vergleichen. Dies, damit die Brunsbütteler beim von CDU und FDP angestrebten Bürgerbegehren besser entscheiden könnten.

Bürgermeister Stefan Mohrdieck hielt schließlich ein engagiertes Plädoyer für den Neubau und fragte, ob es sinnvoll sei, lediglich Kosten zu vergleichen und nicht auch zu schauen, womit den Schülern wirklich gedient sei. „Wollen wir eine Investition in die Zukunft oder nur Pflichterfüllung?“ Mohrdieck warnte: „Die Eltern werden dorthin gehen, wo sie die besten Chancen für ihre Kinder sehen.“ Und das müsse weiterhin Brunsbüttel sein.

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