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Situation im Werk : Zwischen Normalität und Wehmut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ende April 2014 läuft die Produktion in der Itzehoer Druckerei Prinovis aus. Die Stimmung unter den Mitarbeitern schwankt zwischen Normalität und Wehmut.

von
erstellt am 12.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Rund 500 eigene und 200 Leiharbeiter sind in der Itzehoer Druckerei derzeit noch beschäftigt. Zumindest auf dem Papier. „Wir haben einen erhöhten Krankenstand“, sagt Benjamin Pauer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Die Produktion laufe jedoch weiter.

Die Stimmung sei „relativ normal“, meint Pauer. Im Betriebsrat rechne man damit, dass es jedoch im Januar, wenn die Kündigungen verteilt sind, einen „kleinen Umbruch“ geben werde.

Die Betreuung durch die Agentur für Arbeit sei „spitze“, auch die Geschäftsleitung bemühe sich, es würden regelmäßig Stellenangebote ausgehängt. Er sei positiv überrascht, wie viele Kollegen bereits einen neuen Job gefunden haben, sagt Pauer. Allerdings verharrten etliche Kollegen auch noch in einer „Schockstarre“, ließen Beratungsangebote ungenutzt.

„Ein bisschen enttäuscht sind wir, weil viele Politiker versprochen haben, sich einzusetzen“, sagt Pauer. „Aber seit der Sozialplan steht, haben wir nie wieder etwas gehört.“ Der Kontakt zu den anderen Standorten „bricht langsam weg, die haben mit sich selbst zu tun, überall gibt es Kostensparprogramme“.

Durch den Krankenstand werde es mitunter eng. „Die Geschäftsführung würde sicher gerne noch mehr produzieren, aber das ist oft nicht möglich“, erklärt Pauer. Es werde viel am Wochenende gearbeitet. Das sei freiwillig, „aber es war in Itzehoe immer so: Wenn die Kollegen gebraucht werden, sind sie da.“

Ein bisschen Wehmut sei eingekehrt, als jüngst der letzte Spiegel in Itzehoe gedruckt wurde – die Produktion des Magazins wurde inzwischen nach Ahrensburg verlegt. „Der Spiegel hat uns sogar ein Essen ausgegeben“, erzählt Pauer. „Das Heft wurde immer hier gedruckt, das tut sicherlich vielen Kollegen weh.“ Traurige Stimmung komme auch jedesmal beim Abschied von Kollegen auf, die vorzeitig gehen. „Dann bekommt man vor Augen geführt, dass es jetzt hier wirklich langsam zu Ende geht.“

Bis Ende April 2014 wird die Produktion schrittweise auslaufen, ab Januar gibt es eine Transfergesellschaft. Ein Streitpunkt muss zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung noch geklärt werden: Werden die Kollegen, die nicht unmittelbar am Rückbau beteiligt sind, wie gefordert nach dem 30. April freigestellt – oder kann die Geschäftsführung sie für andere Arbeiten einsetzen?

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