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Erneuerbare Energie : Zwei neue Windräder in Dammfleth

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehrheit im Gemeinderat für Bebauungsplan-Änderung. Stellvertretende Bürgermeisterin hält notwendigen Hofabriss allerdings für bedenklich.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Während die Diskussion um die Landesplanung für die Ausweisung von Vorrangflächen für die Nutzung der Windenergie noch in vollem Gange ist, hat die Gemeinde Dammfleth schon die Weichen für den Bau von zwei weiteren Windkraftanlagen auf ihrem Gemeindegebiet gestellt. Danach soll der Windpark Hochfeld erweitert werden. Geplant sind hier zwei Windräder, die nach Informationen unserer Zeitung von Eurowind, einem einst von dänischen Bauern gegründeten Unternehmen, errichtet werden sollen. Einer erforderlichen Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan stimmte die Gemeindevertretung mit Mehrheit zu.

Die Investoren machen sich dabei den Entwurf für den Regionalplan III zum Thema Windenergie zu Nutze, der eine entsprechende Erweiterung des bestehenden Windparks vorsieht. Nach Darstellung von Bürgermeister Delf Sievers habe die Gemeinde bei den Plänen „keinerlei Einflussmöglichkeiten“. Immerhin sei es in Gesprächen mit den Investoren aber gelungen, wenigstens einige Zugeständnisse zu erreichen. Gemeindevertreter Detlef Hermann Beimgraben formulierte es so: „Wir mussten zwei Kröten schlucken, damit wir drei oder vier Vorteile bekommen.“ So soll die ursprünglich geplante Windrad-Höhe von 180 Metern jetzt auf 150 Meter begrenzt werden. Auch soll der Abstand zur nächsten Wohnbebauung mindestens 500 Meter betragen. In einem Fall wären es allerdings nur 486 Meter. Der betreffende Eigentümer gilt aber als Nutznießer der Investition. Eine weitere, unmittelbar neben einem geplanten Windrad stehende und zuletzt unbewohnte Hofstelle soll hingegen komplett aufgegeben werden. Das Grundstück soll bereits von den Investoren aufgekauft worden sein. Immerhin soll bei einem Windrad aber eine Beteiligung durch Bürger möglich sein – eventuell auch durch die Gemeinde selbst.

So gar nicht mit den Plänen anfreunden konnte sich die stellvertretende Bürgermeisterin. „Es ist nicht gut, wenn Häuser wegen Windmühlen plattgemacht werden“, brachte Inge Wachs massive Bedenken vor. „Wir Dammflether sterben langsam aus. Je weniger Häuser es in der Gemeinde gibt, umso weniger Einwohner gibt es auch“, machte sie deutlich, warum sie nicht hinter den Beschlüssen stehe. Bei der Abstimmung über die Aufstellungsbeschlüsse für F- und B-Plan votierte sie ebenso wie Gemeindevertreter Uwe Dierks mit Nein. Dazu gab es eine Enthaltung.

Die jetzigen Gemeinderatsbeschlüsse stehen ausdrücklich unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden Entscheidungen über die Landesplanung. Die Gemeinde geht davon aus, dass es vor Abschluss des Verfahrens keinen rechtskräftigen Bebauungsplan geben wird. Parallel will die Gemeinde aber schon jetzt mit den Investoren einen städtebaulichen Vertrag ausarbeiten. Hier sollen die Dammflether Vorgaben wie Maximalhöhe und Mindestabstände ebenso festgeschrieben werden wie der Einbau einer bedarfsgerechten Flugbefeuerung, damit es nicht zu einem nächtlichen Dauerblinken kommt. Hier allerdings gibt es die Einschränkung, dass dies wirtschaftlich vertretbar sein müsse.

Während es bei dem Hochfelder Projekt geteilte Meinungen gab, war sich die Gemeindevertretung in ihrer Stellungnahme zur Regionalplanung insgesamt weitgehend einig. So monieren die Dammflether die Begründung für die Herausnahme eines Windparks im Bereich Poßfeld in Richtung Brokdorf. Eine ebenfalls von der Gemeinde befürwortete Fläche im Bereich Neufeld in Richtung Wilster habe nicht einmal Erwähnung gefunden. Beide Projekte waren vor gut einem Jahr im Rahmen einer Einwohnerversammlung präsentiert worden. Die Bevölkerung hatte damals mehrheitlich zugestimmt, wobei es allerdings auch zahlreiche kritische Stimmen gegeben hatte. „Die Nichtberücksichtigung ist für uns nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer von der Kommunalen Wählervereinigung verfassten und dann vom Gemeinderat beschlossenen Stellungnahme. Lediglich Inge Wachs enthielt sich dabei der Stimme – wohl auch, weil in der Stellungnahme die Erweiterung des Windparks Hochfeld ausdrücklich begrüßt wird. An die Landesregierung ergeht nun die Aufforderung, die Abwägungsentscheidung noch einmal zu überdenken.

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