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Unternehmertreffen : Zwei Milliarden Bauteile auf Lager

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Europazentrale des japanischen KOA-Konzerns versorgt von Dägeling aus Automobilhersteller mit elektronischen Widerständen.

Es gibt Mitarbeiter, die dürfen keine Fehler machen. Bei KOA gibt es eine Vielzahl davon. Sie sorgen dafür, dass Kunden in ganz Europa mit nicht einmal daumengroßen elektrischen Widerständen versorgt werden. Zwei Milliarden davon verlassen jeden Monat das europäische Zentrallager. Und das hat seinen Sitz vor den Toren von Itzehoe. Beim Dägelinger Unternehmertreffen der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Egeb treffen sich einmal im Jahr Vertreter der im örtlichen Industrie- und Gewerbegebiet ansässigen Betriebe. Auch bei der 17. Veranstaltung dieser Art stellte sich schnell heraus, dass in der Region ein weiteres wirtschaftliches Juwel angesiedelt ist.

KOA war in der 1930er Jahren von einem damals 26 Jahre alten Japaner gegründet worden. Er setzte seinen Produktionsbetrieb für elektronische Bauteile ganz bewusst in den ländlichen Raum. „Noch heute sind bei KOA in Japan viele Mitarbeiter Reisbauern, oder sie haben eigene Apfelplantagen“, schwärmt Jochen Stange, Chef der Abteilung für Qualitätsmanagement.

Ein harmonisches Umfeld vor allem auch für die Belegschaft gilt bis heute als Unternehmensphilosophie. Weltweit beschäftigt KOA inzwischen gut 4500 Mitarbeiter, den Löwenanteil bei der Produktion in Asien – und 91 bei der Europazentrale in Dägeling, Tendenz steigend. Der Standort war bei der Gründung der Vertriebsgesellschaft 1995 gewählt worden, weil die damaligen Geschäftsführer in Dithmarschen zu Hause waren. Jochen Stange rechnet vor, dass seitdem mehr als 200 Milliarden Bauteile in Dägeling umgeschlagen wurden. Finanziell gesehen, ist es ein Massengeschäft. Der Wert der einzelnen Widerstände ist kaum in Cent zu messen. Von jedem Einzelnen können aber Menschenleben abhängen.

„Stellen Sie sich vor, bei einem Unfall öffnet sich der Airbag nicht, weil bei uns im Versand ein Teil verwechselt wurde“, erläutert Logistikchef Gerhard Krämer bei einem Rundgang durch das aktuell mit rund zwei Milliarden Bauteilen gefüllte Lager. Jede Woche treffen aus Asien weitere zehn Tonnen per Luftfracht ein, die umgepackt und meist postwendend zu den Kunden verfrachtet werden. Hauptabnehmer ist die Automobilindustrie. Um Verwechslungen im Versand ausschließen zu können, hat KOA in Dägeling ein ausgeklügeltes Lager-, Etikettier- und Versandsystem entwickelt. Vor der Umsetzung zieht auch Gerhard Krämer seinen Hut: „Unsere Mitarbeiter erbringen jeden Tag eine enorme Leistung.“ Gelte schon in der Produktion ein extrem hoher Qualitätsstandard, setzen die Dägelinger da noch einen drauf. Aus gutem Grund, wie Gerhard Krämer weiß. Jede große Rückrufaktion eines Automobilherstellers wäre für KOA der Gau. Krämer: „Deshalb gilt bei uns das Sechs-Augen-Prinzip. Jeder kann bei der Arbeit einmal Fehler machen, aber wir dürfen das nicht.“

Trotz der hohen Anforderungen an den Arbeitsplatz gibt es bei KOA eine sehr geringe Fluktuation, wie nicht ohne stolz betont wird. Das Gros der Mitarbeiter sei schon lange im Unternehmen. Mittlerweile färben auch die japanischen Ursprünge ein bisschen auf den Standort Dägeling ab. Hinter den modernen Fassaden für Verwaltung und Lager ist ein kleiner Garten entstanden, in dem auch schon Apfelbäume gepflanzt wurden.

Gerhard Krämer und Jochen Stange sind davon überzeugt, dass die Europazentrale auch für die Zukunft gut aufgestellt ist. In einem hart umkämpften Markt, so betonen sie, setze sich am Ende doch Qualität durch. Und auch die Japaner sind vom Standort wohl angetan. Eine von der Gemeinde überreichte Ortsfahne mit goldenen Ähren und einem Maschinenrad als Wappensymbole fand begeisterte Abnehmer und weht inzwischen wohl im Land der aufgehenden Sonne.

Von einer guten Entwicklung im Dägelinger Industriegebiet insgesamt spricht auch Bürgermeister Claus Wilcke. „Wir haben guten Zuspruch. Viele der hier ansässigen Betriebe wollen sich noch vergrößern.“ Ein wichtiges Thema vor allem auch für die Unternehmen sei die Breitbandversorgung. Nach dem die Krempermarsch noch nicht im Einzugsgebiet der Stadtwerke Neumünsterliegen, die weite Teile im Norden und Osten des Kreises mit Glasfaserkabeln versorgen wollen, orientieren sich die Dägelinger nun in Richtung Itzehoe. Laut Claus Wilcke seien Gespräche im Gange. „Und es sieht nicht schlecht aus“, meinte er vorsichtig.

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erstellt am 08.Feb.2014 | 16:48 Uhr

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