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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 07:53 Uhr

Sprachkurs : Zwei Mädchen helfen Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Engagement an der Schule: Elena Petersen (16) und Sena Sahin (15) geben Deutschunterricht für Jugendliche aus Syrien und Afghanistan

Zwei Schülerinnen der Glückstädter Regionalschule engagieren sich für andere: Elena Petersen (16) und Sena Sahin (15) geben Deutschkurse für Jugendliche, die aus Bürgerkriegsländern kommen. „Wir möchten als Migrantinnen zeigen, dass wir uns für dieses Land einsetzen.“

Elena und Sena haben einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Beide sind in der örtlichen Moschee organisiert, sie proben mit Kindern kleine Aufführungen und unterrichten sie in Religion, außerdem sind sie Streitschlichter an ihrer Schule und ausgebildete Multiplikatorinnen der Awo, wo sie auf Türkisch (Sena) und Englisch (Elena) Projekte anleiten und Sprach- und Kulturvermittler sind.

Elena engagiert sich außerdem in den DaZ-Kursen (Deutsch als Zweitsprache) ihrer Schule. Jeden Mittwochmorgen zwischen 8 und 10 Uhr kommt sie in die Schule, obwohl sie eigentlich frei hätte, und unterstützt die Lehrkraft im Deutschunterricht für zugewanderte Kinder. Ende des vergangenen Jahres saßen dort zwei Mädchen im Alter von zwölf und 16 Jahren, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen waren. Die Mädchen freundeten sich an, und bei einem Besuch in der syrischen Familie stellte Elena fest, dass es da noch ältere Geschwister gab, die kein Anrecht auf einen Schulplatz haben, weil sie über 16 Jahre alt sind.

So entstand die Idee, nachmittags in der Schule einen Deutschkursus für Jugendliche zu geben. Die Mädchen sprachen mit ihrer Lehrerin und der Leiterin der Koordinierungsstelle für Integration der Stadt Glückstadt, Katharina Schmidt. Zudem baten sie die Soroptimistinnen um Unterstützung beim Lehrmittelkauf. Der Soroptimist-Club stellte als Soforthilfe 200 Euro zur Verfügung.

Zehn Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren kommen jetzt regelmäßig zum Unterricht. „Elena hat die schönere Schrift, deshalb hat sie Folien für den Overheadprojektor gemacht“, sagt Sena. Bilder und Begriffe wie „Sofa“ werden an die Wand geworfen, daneben stehen die arabischen Übersetzungen. Elenas Mutter spricht Arabisch, Grundkenntnisse hat sich auch Elena auf diesem Wege beigebracht. Auf einen Stuhl im Klassenzimmer zeigt sie, um die Vokabel zu lernen. Und wenn alles nichts hilft, greifen sie zum Google-Übersetzer. Es geht darum, den Alltag in Deutschland in Wörter zu fassen: Farben, Lebensmittel, das Wetter, Begrüßungsformeln.

Die jugendlichen Schüler aus Syrien und Afghanistan sind sehr motiviert, sie wollen lernen. „Uns macht es Spaß, es tut gut zu wissen, dass wir helfen können. Und schließlich kann es sein, dass wir selbst auch mal in eine Lage kommen, in der wir Hilfe brauchen“, sagt Elena. Und Sena ergänzt: „Jeder sollte das tun, was er kann. Wir haben die Zeit, wir helfen gern und haben ein gutes Gewissen.“

Mitte April haben zwei Deutschkurse an der VHS für die rund 30 Flüchtlinge begonnen, auch für die Erwachsenen. Der Sprachunterricht wird von den Serviceclubs Lions, Round Table und Soroptimist finanziell getragen, die Stadt kommt für Kopierkosten auf. Doch die Schülerinnen haben durch ihr tatkräftiges Engagement die Kurse angestoßen. Sena hat bereits weitere Ideen, um den Flüchtlingen und anderen Migrantinnen zu helfen. Dafür wirbt sie bereits um finanzielle Unterstützung.

Sie selbst hat sich für ein Stipendium bei „Grips gewinnt“ beworben. Die Stiftung unterstützt engagierte und begabte Schüler mit einem monatlichen finanziellen Beitrag, aber auch mit Seminaren, Sommerakademien und Studientagen. Bis zum Vorstellungsgespräch hat sie es geschafft. Es findet am 17. Mai in Hamburg statt. Sena macht deutlich, dass sie für ihr Engagement keine Gegenleistung erwartet, „höchstens im Jenseits“. Aber über das Stipendium würde sie sich dennoch freuen.

Beide bereiten sich auf ihren Schulabschluss vor, Elena hofft auf einen Ausbildungsplatz in einem Reisebüro, Sena wechselt auf das Detlefsengymnasium. Und beide haben viele Interessen. Sie spielen Badminton und Fußball, kochen und backen gern, Elena tanzt Hip-Hop, Sena schreibt an einem Drehbuch und möchte später Jura studieren.

 

 

 

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