Zusammenhalt prägt Dorfcharakter

Besonderer Moment: Delf Sievers und Inge Wachs enthüllten den Gedenkstein   .
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Besonderer Moment: Delf Sievers und Inge Wachs enthüllten den Gedenkstein .

Dammflether feierten gestern das 850-jährige Gemeindejubiläum mit einem großen Festkommers

shz.de von
22. Juni 2014, 12:16 Uhr

„Man sagt uns ja nach, dass wir 1164 noch auf den Bäumen lebten“, sagte Bürgermeister Delf Sievers schmunzelnd. Er hatte sich darum die Mühe gemacht, im Internet zu recherchieren und konnte nun mitteilen, dass zu der Zeit Barbarossa Kaiser war – und die Julianische Flut die erste aufgezeichnete Sturmflut war, die die Marsch unter Wasser setzte. „Dann war es schlau, auf den Bäumen zu sitzen“, merkte der Bürgermeister augenzwinkernd an als er gestern seine Rede zum Autakt des Festkommers zur Feier des 850-jährigen Dorfjubiläums.

Begonnen hatte der Sonntag mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal. Bürgermeister Delf Sievers gedachte gemeinsam mit dem Gemeinderat, einer Abordnung der Feuerwehr und Bürgern der verstorbenen Gemeindeglieder. Danach leitete Pastor Volker Höppner aus Wilster einen Festgottesdienst und wurde dabei musikalisch von der Gruppe „Muse“ begleitet. Unter der Leitung von Erwin Mahlstedt spielten Traute Kloppenburg, Uwe Carstens, Klaus Kaminski, Bernd Nütz und Uwe Haack einige Lieder. Im Anschluss begrüßte dann Delf Sievers die Gäste zum Kommers. Er erzählte, dass Kasenort, Stördorf und das Kloppenburgsche Land zum Gemeindegebiet Dammfleth gehörten und erst später eigenständig, beziehungsweise an Wilster verkauft wurden. War Dammfleth in vergangenen Zeiten von Landwirtschaft geprägt, sind heute nur noch zwölf landwirtschaftliche Betriebe angesiedelt. Die Gemeinde hat keinen richtigen Dorfkern und erstreckt sich mit 304 Einwohnern auf 1610 Hektar. Sievers hob den guten Zusammenhalt im Dorf hervor, der sich auch in dem Präsentationstag im April widerspiegelte. In seiner Festrede räumte Kulturwissenschaftler Christian Boldt mit dem von Bürgermeister Sievers eingangs genannten Vorurteil auf. „Hier gab es zu der Zeit kaum Bäume“, meinte er lächelnd. Boldt erklärte dann das neue Wappen der Gemeinde und ging auf die Entwicklung der Marsch, deren Besiedelung von Ivenfleth aus erfolgte ein. Im 13. Jahrhundert waren etwa 2000 Höfe mit je zirka 20 Hektar Land angesiedelt, die in der Hauptsache Getreideanbau betrieben.

Die Moderation des Kommers hatte die stellvertretende Bürgermeisterin Inge Wachs übernommen, die charmant die Ehrengäste ans Rednerpult bat. Kreispräsident Peter Labendowicz hatte durch seine Tätigkeiten in den vergangenen 21 Jahren immer wieder Berührungspunkte mit Dammfleth. Er überbrachte seine Grußworte auch im Namen des stellvertretenden Landrats Dr. Heinz Seppmann. „Ein Jubiläum ist auch Zeit zur Besinnung auf alles, was passiert ist und zum Erkennen, wie schön und lebendig die Gemeinde ist.“ Bevor er ein „Flachgeschenk“ überreichte, merkte Labendowicz noch an: „Bei den niedrigen Hebesätzen für Gewerbe-, Grund- und Hundesteuer ist hier die Welt noch in Ordnung.“

Amtsvorsteher Helmut Sievers gratulierte im Namen des Amtes Wilstermarsch zum Jubiläum und zum neuen Wappen. Er erläuterte, dass vom Namen her Dammfleth vermutlich höher gelegen und so die Zufahrt zu anderen Gemeinden an der Stör war. „Heute seid ihr eine rührige und ideenreiche Gemeinde.“ Sievers überreichte eine von allen Bürgermeistern unterschriebene Grußkarte mit „ok een beeten watt bin.“ Wehrführer Thomas Vollmert überbrachte die Grüße der Freiwilligen Feuerwehr und dankte für die Unterstützung in den vergangenen 124 Jahren. Als Seniorenbeauftragter sprach Otto Vollmert den Dank der Senioren in der Gemeinde aus. „Im Gegensatz zum Dorf sind wir noch eine junge Gruppe von knapp 30 Jahren.“ Vollmert organisiert Ausfahrten und Kaffeenachmittage im Namen der Gemeinde für die Senioren.

Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte die Neuenbrooker Liedertafel mit ihrem Solisten Hans-Werner Heesch. Die Sänger unterhielten unter anderem mit dem Holsteinlied, Modersprak und brachten mit Operettenmelodien die Festgesellschaft zum Mitsingen

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