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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 04:12 Uhr

Zurück zum Klang von vor 152 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbütteler Jakobuskirche: Die 1863 von Marcussen gebaute Orgel bekommt seine originalen Register zurück

Wie mag sie geklungen haben, als die Orgelbauer der renommierten dänischen Firma Marcussen 1863 die Orgel in der Brunsbütteler Jakobuskirche eingebaut haben? Vielleicht so ähnlich, wie sie jetzt nach sechsmonatiger Grundüberholung aus rund 1000 Pfeifen zwischen einem Zentimeter und fünf Metern Größe ertönt. Kurt Quathamer versucht, sich in den Originalklang des Instruments einzudenken. Viel Erfahrung mit unterschiedlichsten Kirchenorgeln sei dazu nötig, erzählt der Orgelbaumeister aus Bordesholm. Gemeinsam mit seinem Gesellen Lucas Brumby ist er dabei, die Orgel zu stimmen. Denn die soll am 4. Oktober von Bischof Gothard Margaard geweiht werden, bevor im Anschluss der Orgelsachverständige der Nordkirche, Kirchenmusikdirektor Michael Mages aus Flensburg, das erste Mal nach der Restaurierung auf dem Instrument ein Konzert geben wird.

Noch sind nicht alle Pfeifen installiert, auch die gewaltigen Basspfeifen stehen noch nicht wieder an Ort und Stelle. Doch schon jetzt deutet sich der volle Klang an, der ab Oktober wieder das schmucke Gotteshaus in Brunsbüttel-Ort füllen wird. Fest steht bereits: Die Marcussen-Orgel wird ein wenig anders klingen als zuletzt gewohnt. Grund ist die Rückkehr Richtung Ursprungszustand der Orgel. Diese wurde zwischen den 50er und 70er Jahren umgebaut, davon hat Kurt Quathamer viele Register wieder entfernt. „Die hatten von der Ursprünglichkeit der Orgel her hier nichts zu suchen gehabt“, erklärt der Orgelbaumeister. Die Herausforderung bestehe darin, „der Orgel etwas von der alten Seele wiederzugeben“ und gleichzeitig ein modernes Spiel zu ermöglichen. Dabei greift der Bordesholmer nicht willkürlich in das Instrument ein. Vielmehr hat Michael Mages als Sachverständiger vorgegeben, in welche Richtung die 130  000 Euro teure, komplett aus Spenden finanzierte Sanierung gehen sollte.

Dazu gehört, dass tiefe Register, die vor 50, 60 Jahren ausgebaut wurden, nun den Weg zurück in die Orgel finden werden. „Die Versuchung des Geldes“ habe dazu geführt, dass nicht nur in Brunsbüttel in der Nachkriegszeit an den historischen Instrumenten Änderungen vorgenommen wurden, erinnert Pastor Klaus Struve. „Die Leute wollten einfach was Neues“, glaubt Kurt Quathamer.

Anderes musste einfach erneuert werden, weil der Zahn der Zeit und das Klima im Kirchengebäude der Orgel zugesetzt hatten. So wurde das vor Jahren nachträglich eingezogene Sperrholzdach über den Pfeifen wieder entfernt. Das, so der Orgelbaumeister, komme dem Klang zu Gute. Nebenher lassen sich Feuchtigkeitsschäden durch eine bessere Hinterlüftung vermeiden. Neu ist auch das Windwerk, der Blasebalg, der die benötigte Luft für die Pfeifen erzeugt. Das hat Quathamer jetzt so eingebaut, dass der Bereich innerhalb der Orgel wartungsfreundlicher ist und bei Bedarf weniger auseinander gebaut werden muss. Der Spieltisch, an dem der Organist, Pedale, Klaviatur und Register bedient, wurde ebenfalls erneuert. Auch einige Basspfeifen sind aus Kiefernholz neu gebaut worden und andere aus Metall. Dazu kam noch eine Vielzahl weiterer Reparaturen. In den nächsten 25 Jahren brauche die Kirchengemeinde keine großen Arbeiten mehr zu erwarten, sagt Quathamer. „Die Orgel steht jetzt hier für nächsten 100 oder 200 Jahre“, ist er überzeugt.

Wie gut die Grundüberholung und die Rückkehr zum alten Klangspektrum gelungen sind, wenn Kurt Quathamer und Lucas Brumby mit ihrer Arbeit fertig sind, davon können sich die Brunsbütteler Sonntag, 4. Oktober, 18 Uhr, überzeugen.

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erstellt am 19.Sep.2015 | 12:00 Uhr

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