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Katastrophenschutz : Zur Probe: Heute heulen alle Sirenen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Kreis simuliert einen schweren Unfall in einem Kernkraftwerk. Notfallstation in der Kellinghusener Gemeinschaftsschule.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 06:48 Uhr

Wenn heute um 12 Uhr überall im Kreis Steinburg die Sirenen heulen, ist das kein Grund zur Besorgnis. Es ist nur Probealarm. Der Kreis will damit die Funktionsfähigkeit seiner auf Dächern montierten Signalhörner testen. Eine Minute lang werden die Sirenen in einem auf- und abschwellenden Ton heulen. In Friedenszeiten bedeutet das: Radio einschalten und auf Durchsagen achten. Am besten begibt man sich dann auch schnell in ein festes Gebäude und hält Türen und Fenster geschlossen. Die Ursprungsbedeutung des einminütigen Jaultons war Luftalarm. Heute droht bei dem Alarm eher eine Katastrophe, wie eine schwere Sturmflut oder ein Unfall in einem Kernkraftwerk. Dass in Steinburg überhaupt noch Sirenen heulen, ist bundesweit ein Sonderfall. Schon vor Jahren wurden überall in Deutschland die Sirenen von der Dächern genommen. Die Helfer werden seitdem digital in Marsch gesetzt.

In Steinburg gibt es noch eine Reihe von Kommunen, die an dem alten System festhalten. Überall dort, wo Gemeinden die Sirenen abschaffen wollten, hat der Kreis diese übernommen. Laut Katastrophenschutzdezernert Dr. Hans Treinies ist das mit den besonderen Gefahrenlagen in unserer Region begründet. „Radio anschalten, die Lage ist ernst“, umreißt Treinies noch einmal die oft schon in Vergessenheit geratene Bedeutung des einmütigen Jaultons.

Je nach Lage werden auch heute noch in Steinburg Feuerwehrleute per Sirene zu den Gerätehäusern gerufen. Bei einem Feueralarm heult es ebenfalls eine Minute lang. Dieser dann gleichmäßige Ton wird allerdings zweimal unterbrochen. Den früheren ABC-Alarm hingegen gibt es gar nicht mehr. Er war für den Fall gedacht, dass ein Angriff mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen droht. Das Signal war mit einem Feuerlarm identisch, wurde aber nach kurzer Pause noch einmal wiederholt.

Vertraut ist die Bevölkerung allerdings noch mit den regelmäßigen kurzen Probealarmen. Alle vier Wochen werden die Sirenen für jeweils zwölf Sekunden eingeschaltet. „Wenn es nach mir ginge, könnte man das auch jede Woche machen“, sagt Treinies. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Dann weiß man am Sonnabend, wann man die Mittagsstunde einläuten kann.“

Während man sich nach einem Probealarm getrost hinlegen kann, sollte man in einem wirklichen Notfall die Sirenen aber nicht ignorieren. Genau dieser Fall wird heute in den Räumen der Kellinghusener Gemeinschaftsschule unter der Überschrift „Aufbau und Probebetrieb einer Notfallsituation“ geübt. Mehr als 100 Helfer von der DRK-Sanitäts- und der Betreuungsgruppe, von der Feuerwehrbereitschaft und vom Löschzug Gefahrgut sowie von der Kellinghusener Feuerwehr und der örtlichen Polizei spielen einen schwerwiegenden kerntechnischen Unfall durch. Der Probebetrieb der Notfallstation wird mit 60 Probanden geübt, die von der DRK-Jugendgruppe, von den Reservistenverbänden aus Steinburg und Dithmarschen, der Kreisverbindungskommando der Bundeswehr sowie der Kreisverwaltung und dem Führungsstab Steinburg und weiteren Helfern von THW und DLRG gestellt werden. Im Kern geht es um ein Training für den Fall, dass Menschen mit atomaren Stoffen kontaminiert sind und dann dekontaminiert und mit frischer Kleidung versorgt werden.

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