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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 03:39 Uhr

Rauer Job : Zum Fest mitten auf der Nordsee

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Christian Schröder aus Itzehoe ist Chef auf einer Offshore-Plattform für die Umwandlung von Windpark-Strom.

55°03’44,0“N 007°14’27,5“E – auf dieser Position feiert Christian Schröder Weihnachten. Auf der Plattform „SylWin alpha“ gut 70 Kilometer westlich von Sylt sorgen der Itzehoer Ingenieur und seine 14-köpfige Crew dafür, dass der Strom aus Windparks in der Nordsee störungsfrei in das Festlandnetz eingespeist wird.

Mitten im 28 Meter tiefen Meer erhebt sich ein quietschgelber Kasten 23 Meter über dem Meeresspiegel mit sieben Decks, einschließlich der Aufbauten gut 80 Meter hoch, mit einer Grundfläche von 83 mal 56 Metern und 15  000 Tonnen schwer. „SylWin alpha“ ist eine von fünf Netzanbindungen des Netzbetreibers Tennet. „Wir verrichten hier auch über Weihnachten einen ganz normalen Dienst, damit ihr an Land nicht im Dunkeln steht“, sagt Christian Schröder. Der 53-jährige Itzehoer ist als „Offshore Installation Manager“ (OIM) gleichsam der Kapitän der Plattform, verantwortlich für die Sicherheit des Personals, der Plattform und des See- und Flugverkehrs in der Umgebung. Die Weihnachts-Crew“ – das sind 14 Männer und eine Frau aus sechs Nationen – neben Deutschen auch Polen, Holländer, Schotten, Bosnier und Rumänen.

Für sie hat „SylWin alpha“ einen Wohnbereich mit 16 Kabinen mit eigenem Bad und insgesamt 24 Kojen sowie zwei Aufenthaltsräumen und zwei Kombüsen mit begehbaren Kühlräumen. „Die Stimmung ist sehr gut, zwei echte Weihnachtsbäume wurden geliefert, und mit unserer holländisch-polnischen Küchencrew habe ich die kulinarischen Wünsche abgestimmt“, erzählt Schröder. Eine Überraschung zur Begrüßung ist ein „Lebkuchenhaus“, gefertigt von der Vorgänger-Crew: eine Nachbildung der Plattform, einschließlich achteckigem Helikopterdeck und Deckskränen.

Morgen Vormittag kommt ein Versorgungsschiff, hofft der OIM: „Das kann unsere Planung noch durchkreuzen.“ Vorgesehen sind an Heiligabend ein ausgiebiger Brunch an einer großen Tafel und abends ein großes Essen. „Für Heiligabend trafen die kulinarischen Traditionen hart aufeinander: die Würstchen-mit-Kartoffelsalat-Fraktion auf der einen, die Verfechter eines gigantischen Festmahls auf der anderen Seite. Wir planen deshalb Aal geräuchert, Würstchen mit Kartoffelsalat und Entenbrust mit Rotkohl – dann sollte für jeden etwas dabei sein.“ Mitgebrachte Geschenke werden ausgepackt, und es werde gewichtelt. „Ich weiß nicht genau, was das ist“, gesteht der zweifache Vater. Am 1. Feiertag steht gefüllte Gans mit Gemüse und Knödeln auf dem Speiseplan, am 2. Feiertag – ebenso traditionell – Truthahn mit Gemüse.

Handy-Empfang gibt es auf der Plattform nicht, damit auch keine SMS. Doch jedes Besatzungsmitglied hat die Möglichkeit, nach Hause zu telefonieren oder per E-Mail zu kommunizieren. „Und eines wird es nicht geben: Alkohol, der ist nämlich auf allen Offshore-Installationen strikt untersagt“, betont Christian Schröder. „Ich bin mal gespannt, wie sich das hier draußen so anfühlt, ohne den üblichen Rummel, Weihnachtsmarkt und Glühwein“, sagt der Ingenieur. Am 29. Dezember soll ihn der Helikopter wieder nach Husum bringen, so dass er Silvester zu Hause feiern kann. „Wenn das Wetter mitspielt.“

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erstellt am 22.Dez.2015 | 17:16 Uhr

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