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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

Schule : Zum Abi auf norwegisches Internat

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

16-jährige Schülerin aus Brunsbüttel liebt die Herausforderung. Heimweh ist für Kris-Inga Mewes kein Thema.

Sie schätzt Schulen abseits des staatlichen Bildungssystems: Mit 14 Jahren besuchte die Brunsbüttelerin Kris-Inga Mewes für zwei Jahre die Landesschule Pforta, ein traditionsreiches Internatsgymnasium in Sachsen-Anhalt. Dort absolvierte die Schülerin die neunte und zehnte Klasse. Ab Montag wechselt die heute 16-Jährige für zwei Jahre auf das UWC Red Cross Nordic College. Das liegt rund 150 Kilometer nördlich der norwegischen Stadt Bergen unmittelbar an einem Fjord. Das dort erworbene Abitur genießt international einen sehr guten Ruf. Rund ein Drittel der Absolventen setzen ihre Ausbildung anschließend an namhaften Universitäten wie Harvard, Stanford, Yale oder MIT in Cambridge (USA) fort.

Für Kris-Inga Mewes begann alles mit einer Idee ihrer Freundin. „Zu Beginn der achten Klasse wurde ich von ihr gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr auf ein Internat zu wechseln.“ Anfänglich ging sie noch davon aus, dass es sich bei dem Vorschlag lediglich um einen Scherz handele. Doch bei gemeinsamen Recherchen im Internet wurden die beiden damals 13 Jahre alten Mädchen schnell auf das etwa 60 Kilometer von Leipzig entfernt liegende Pforta aufmerksam. Das in einer Klosteranlage integrierte Internat hat sich auf die Förderung begabter Schüler insbesondere in den Bereichen Sprachen, Musik und Naturwissenschaften sowie der Förderung sozialen Engagements spezialisiert. Das architektonische Gebäude erinnerte die beiden Mädchen an die Hogwarts-Schule aus Harry Potter. Nach einem Besuch des Internats im Rahmen eines Tags der offenen Tür folgte voller Begeisterung die Bewerbung, die Aufnahmeprüfung und schließlich die Aufnahme an der renommierten Landesschule.

„Während meines zweijährigen Aufenthalts gab es nur einige wenige Male die Situation, dass ich mich gefragt habe, ob meine Entscheidung richtig war, das Leben in Brunsbüttel gegen ein Internatsleben einzutauschen“, sagt Kris-Inga Mewes. Es waren kurze Momente, in denen ihr die 17 Unterrichtsfächer sowie die vielen Aktivitäten abseits des Unterrichts einfach mal kurzzeitig über den Kopf wuchsen. „Es war aber nie ein Gefühl von Heimweh vorhanden“, betont sie. Den kommenden zwei Jahren in Norwegen sieht die Brunsbüttelerin daher ganz gelassen entgegen. Die Zeit an dem UWC Red Cross Nordic College verspricht mindestens ebenso spannend zu werden, wie der Aufenthalt in Sachsen Anhalt.

„Es wird natürlich eine gewaltige Umstellung für mich werden. Hatte ich die letzten zwei Jahre immer ein Zweibettzimmer, werde ich mir die kommenden Jahre mein Zimmer mit vier weiteren Mädchen aus vier unterschiedlichen Teilen dieser Erde teilen müssen“, zeigt sich Kris-Inga gespannt. Rund 200 Schüler aus mehr als 80 verschiedenen Ländern beherbergt das College. Darunter auch Kinder aus SOS Kinderdörfern und Flüchtlinge. Kris-Inga Mewes ist in ihrem Jahrgang die einzige Deutsche. Aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsländer ist die Schulsprache Englisch. Da kommt ihr der Aufenthalt am Internatsgymnasium Pforta zugute: Ihre Schwerpunktfächer waren dort Englisch, Französisch, Spanisch und Latein.

Weltweit gibt es 14 United World Colleges mit über 3000 Schülern sämtlicher Nationalitäten, Kulturen und gesellschaftlicher Schichten. Der Grundgedanke der UWC ist es, den jungen Menschen nicht nur umfangreiche, anspruchsvolle akademische Fähigkeiten mit auf den Lebensweg zu geben, sondern Menschen, Nationen und Kulturen zu vereinen, die sich gemeinsam und nachhaltig für eine bessere, friedvolle Welt einsetzten. Neben den regulären Unterrichtsfächern stehen daher sportliche Unternehmungen sowie viele soziale Projekte auf der Aktivitätenliste der Schüler.

„Wenn ich abseits der Schulen Menschen kennen lerne, haben diese oft die üblichen Vorurteile, wenn ich erzähle, dass ich auf einem Internat bin“, erzählt Kris-Inga Mewes. Reiche Eltern, die ihr Kind abschieben wollen, oder ein Leben in einer Jugendheim ähnlichen Einrichtung sind die gängigsten Vorurteile. „Weder das eine noch das andere ist der Fall“, unterstreicht die Schülerin. Während das Land Sachsen-Anhalt Träger des Pforta Internatsgymnasium ist, wird das UWC Red Cross Nordic College durch den norwegischen Staat finanziert und von den anderen nordischen Staaten und privaten Sponsoren unterstützt. Beide Schulen verfolgen das Ziel, auch Kindern aus weniger begüterten Familien eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen und verteilen daher Stipendien.


>Infos bei Kris-Imke Mewes unter:

Krisinga.mewes@googlemail.com


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